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Auswirkungen der Klimaänderungen
 
Der Klimawandel kann sich für uns in verschiedenen Bereichen bemerkbar machen. Zum Beispiel in der Landwirtschaft, durch Wetterkatastrophen, durch die größere Verbreitung von Krankheitserregern oder die starke Schädigung bis hin zur Zerstörung solcher ökologischer und sozio-ökonomischer Systeme, die empfindlich auf Klimaschwankungen reagieren und sich wenig anpassen können. Dazu gehören u.a. Korallenriffe, Mangrovenwälder oder alpine Ökosysteme, aber auch und insbesondere verwundbare gesellschaftliche Systeme wie sie meist in Entwicklungsländern zu finden sind. Durch die Auswirkungen auf Bereiche wie z.B. Ernährungssicherheit, Krankheitsverbreitungsgrade, Wasserverfügbarkeit und Überschwemmungen, stellt der Klimawandel eine echte existenzielle Bedrohung für viele Menschen dar. Je höher die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, desto schwerwiegender werden diese Probleme, und desto mehr Menschenleben werden riskiert. 

Genau diesen Zusammenhang zwischen dem Anteil von CO2 und anderen Treibhausgasen in der Atmosphäre, die davon wahrscheinlich ausgehenden Auswirkungen und wiederum die dadurch riskierten Menschenleben hat jüngst ein Team von IPCC-Autoren untersucht (Parry et al., 2001). Laut ihrer Studie liegt die Anzahl der bedrohten Menschenleben zwischen Hunderten Millionen, mehreren zehn Millionen und "nur" einigen Millionen, je nachdem auf welches Niveau der Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre begrenzt werden wird. Vor uns liegt also eine politische Entscheidung, wie viele Menschenleben - heutiger und künftiger Generationen - man in diesem unkontrollierten Großexperiment mit der Menschheit bereit ist, aufs Spiel zu setzen. Die nebenstehende Abbildung gibt einen Überblick über mögliche Auswirkungen des Klimawandels.

(1) ... auf den Meeresspiegelanstieg

Ein weiterer Anstieg des Meeresspiegels hätte erhebliche Auswirkungen auf ökologischer sowie sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Man vermutet, dass aufgrund der wärmebedingten Ausdehnung der Ozeane und des Abschmelzens von Gletschern und Eisschilden der mittlere Meeresspiegel bis 2100 um 9-88 cm ansteigen wird (IPCC 2001, WGI: 16). Liegt der Anstieg im oberen Bereich, wären hiervon nicht nur wertvolle Ökosysteme betroffen, sondern auch über 50 Prozent der Weltbevölkerung, die den Risiken wie Überflutung, Küstenerosion, Stürmen und Versalzung des Trinkwassers ausgesetzt würden (Hupfer/Graßl/Lozán, 1998: 424). 
 

Der Globale Klimawandel:
Das perfekte Verbrechen?

Abb.1: Mögliche Auswirkungen des Klimawandels (Quelle: UNEP/Grid-Arendal, o.J. Abb. 18) 
 

 
Für die kleinen Inselstaaten wären die Auswirkungen katastrophal. Die Malediven etwa umfassen 1190 kleine Inseln, davon 202 bewohnte, mit einer Gesamtfläche von ca. 300 Quadratkilometern. Die meisten der Inseln liegen einen Meter über dem mittleren Meeresspiegel, keine über drei Meter. Ebenfalls stark betroffen wären die Flussdeltaregionen, wie das Ganges-Brahmaputra-Delta in Bangladesch oder das Nil-Delta in Ägypten. Der Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter hätte in West-Bengalen die Überflutung von ca. 1700 Quadratkilometern höchst fruchtbaren Ackerlands zur Folge. In Ägypten wären dadurch bis zu 15 Prozent des Landes unter Wasser. In Bangladesch würden etwa 17 Prozent des Landes überflutet, wodurch über elf Millionen Menschen landlos würden (McMichael et al., 1996: 153-56; IPCC, 1998: 7). Dadurch wären die Hälfte der Reisanbauflächen Bangladeschs und damit die Ernährungsgrundlage der Bevölkerung gefährdet.

Bei einem Meeresspiegelanstieg von einem Meter wäre auch mehr als ein Drittel Shanghais unter Wasser. In China wären 70 Millionen Menschen den Gefahren einer Jahrhundertsturmflut ausgesetzt. Die USA würde 36.000 Quadratkilometer Land verlieren. Große Teile von Manhattan und der Capitol Mall in Washington würden bei einer alle 50 Jahre zu erwartenden Sturmflut überflutet. In Japan wären 2340 Quadratkilometer des Landes bei Flut unter Wasser. 3 Millionen Japaner wären betroffen und müssten umsiedeln. (Brown, 2001:35)
 

Abb.2: Durchschnittliche Zahl der von Überschwemmungen betroffenen Menschen  in fünf anfälligen Regionen der Erde unter drei verschiedenen Emissionsszenarien (Quelle: The Met Office, 1999: o.S.; Abbildung in: Ministry of Housing, Spatial Planning and the Environment, 2000: 14) 
 

(2) ... auf die Ernährungssicherheit und Landwirtschaft  

"Climate change is projected to decrease agricultural productivity  in the tropics and sub-tropics for almost any amount of warming" 
(Bob Watson, Chairman des IPCC 1996 - 2002)


 In ihrem Bericht `Zur Lage der Ernährungsunsicherheit in der Welt 2001´ warnt die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) vor zunehmender Ernährungsunsicherheit in Entwicklungsländern durch extreme Wetterlagen und die weiteren Auswirkungen des Klimawandels. Insbesondere die ländliche Bevölkerung ist stark gefährdet. Von Oktober 1999 bis Juni 2001 waren bereits 22 Länder von Trockenheit betroffen, 17 erlitten Überflutungen und Hurrikane und 3 Länder erlebten außergewöhnlich kalte Winter. Eine extreme Trockenheit, die 1999 begann und sich ins Jahr 2001 fortsetzte, zerstörte z.B. die Ernte und Viehbestände in Ostafrika und hinterließ Millionen Menschen, die auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen waren. Ebenfalls unter einer extremen Dürre litten vier Millionen Menschen in Zentralasien. 

Wenn die Häufigkeit und Intensität derartiger Naturkatastrophen zunehmen, wie heutige Klimamodelle voraussagen, dann sind es die ärmsten Länder, die am stärksten betroffen sein werden. Sie tragen bereits heute die Hauptlast der Naturkatastrophen weltweit und leiden überdurchschnittlich. Sie haben oft nicht die nötigen Mittel für Katastrophenvorsorge einerseits und für die Beseitigung der Schäden andererseits. Regierungen, die schon jetzt wirtschaftlich nur einen engen Spielraum haben, müssen vom wenigen verfügbaren Geld Mittel abzweigen, um die Auswirkungen von Trockenheit oder Fluten zu mildern, womit ihre langfristigen Anstrengungen zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung und der wirtschaftlichen Lage durchkreuzt werden. 

Das Klima ist für die Ernährungssicherheit nicht der einzige, jedoch ein sehr wesentlicher Faktor. Was die durchschnittlichen Ernteerträge in der Welt betrifft, so geht man davon aus, dass diese bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration und der damit verbundenen Temperaturerhöhung im Wesentlichen erhalten bleiben (IPCC, 1998: 6). Dies sagt jedoch nichts über ihre regionale Verteilung. Was nützt einem indischen Bauern ein höherer Ernteertrag in Europa? Die Wachstumsbedingungen sind insbesondere von den mittleren Klimabedingungen eines Standortes, also den Witterungsbedingungen abhängig. In einigen Regionen könnte sich die Wachstumsperiode um drei bis vier Wochen verkürzen, in anderen verlängern (Hupfer/Graßl/Lozán, 1998: 425). 

Die Ernteerträge sind auch davon abhängig, wie der zunehmende CO2-Gehalt in der Atmosphäre auf die Pflanzen wirkt. Während das Wachstum sogenannter C-3-Pflanzen wie Weizen, Soja, und Reis von einem erhöhten CO2-Gehalt in der Atmosphäre wahrscheinlich profitieren wird, ist das bei den typischerweise in Entwicklungsländern angebauten sogenannten C-4-Pflanzen, wie Mais, Sorghum, Hirse und Zuckerrohr nicht der Fall (Nisbet, 1994: 173; zitiert nach Missbach, 1999: 26; vgl. Rötter/Geijn, 1999). 
 

Abb.3: Der Meeresspiegelanstieg um 1 m würde Bangladeschs Reisproduktion wahrscheinlich um die Hälfte reduzieren (verändert nach: World Bank, 2000: 100) 
 

 
(3) ... auf die Vegetation

Klimaschwankungen haben in der Geschichte immer wieder zu enormen Änderungen des Pflanzenbewuchses, also der Vegetationsverteilung geführt. Ersten Abschätzungen mit Hilfe von Biosphärenmodellen zufolge würden sich bei einer Verdoppelung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre die Tundra, die Taiga, die warmgemäßigten sommergrünen Wälder und die warmtemperierten immergrünen Wälder um bis zu 600 km polwärts verlagern (Hupfer/Graßl/Lozán, 1998: 424). Regionen wie Sibirien könnten dadurch landwirtschaftlich nutzbar werden. Auf der anderen Seite würde das Auftauen des Permafrostbodens jedoch auch zahlreiche negative Effekte hervorrufen. Durch die Freisetzung von CO2 und Methan aus dem auftauenden Boden würde der Treibhauseffekt weiter angeheizt. Die tauenden Böden würden auch zur Zerstörung von Infrastruktur durch Landrutschungen oder instabilen Untergrund (IPCC, 2001, WGII: 385) führen.

Während in Nordamerika, China und im nördlichen Asien eine Zunahme der Bewaldung vorausgesagt wird, erwartet man einen Rückgang der tropischen Wälder und Graslandschaften, insbesondere in Südamerika und dem zentralen und südlichen Afrika (The Met Office, 1999, 03.08.2000: o.S.). Die terrestrische Quellen- und Senkenfunktion der Vegetation, also die Menge dessen, was die Pflanzen an CO2 abgeben bzw. aufnehmen, kann sich je nach Ausmaß der Klimaänderungen in einer Größenordnung von Null bis 200 GtC in den nächsten zwei Jahrhunderten verändern (IPCC, 1996a: 7).

(4) ... auf die Gesundheit

Die Klimaänderung erhöht in vielen Regionen der Welt das Risiko für die Gesundheit und kann diese in direkter und indirekter Weise beeinflussen. Zu den direkten Einflüssen zählen häufiger eintretende Wetterextreme wie Hitzewellen, worunter vor allem alte und kranke Menschen leiden. Oder Flut- und Sturmereignisse, die viele Menschen verletzen oder töten können. Noch viel bedeutsamer sind aber die indirekten Auswirkungen, die durch abnehmende Wasserverfügbarkeit oder klimatisch bedingte Änderungen in der Nahrungsmittelproduktion verursacht werden. Als besonders gravierend wird auch die weitere Verbreitung von wärmeabhängigen Parasiten, Mikroorganismen und Infektionskrankheiten eingeschätzt, die z.B. durch Insekten übertragen werden - etwa Malaria, Dengue-Fieber und Schistosomiasis (vector born diseases; McMichael et al., 1996: 235-243). Solche indirekten Folgen betreffen vor allem den großen Teil der armen Menschen in den Entwicklungsländern.

(5) ...auf die Wasserverfügbarkeit 


"Climate change is projected to decrease water availability
 in many arid and semi-arid regions." 
(Bob Watson, Chairman des IPCC 1996 - 2002)


Im wesentlichen beeinflussen Veränderungen in Niederschlags- und Verdunstungsraten das Wasserangebot. Mit einer erheblichen Austrocknung der Flüsse rechnet man in Australien, Indien, dem südlichen Afrika, in großen Teilen Südamerikas und dem Mittleren Osten (The Met Office, 1999, 03.08.2000: o.S.). Durch das Abschmelzen der alpinen Gletscher wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Europa in den Sommermonaten hiervon betroffen sein (IPCC 1998: 12).

Untersuchungen des World Glacier Monitoring Service stellten bereits einen Rückgang der alpinen Gletscher um ein Drittel ihrer Fläche und um mehr als die Hälfte ihrer Masse seit dem letzten Höchststand Mitte des 19. Jahrhunderts fest (Münchener Rück, 2000: 107).

In vielen Gebieten der Erde leiden bereits heute Menschen unter Wasserknappheit. Man nimmt an, dass diese Entwicklung sich in vielen Entwicklungsländern schon durch das Bevölkerungswachstum fortsetzen wird. In einigen Regionen verschärft sich dieser Trend durch den Klimawandel, insbesondere in den verdunstungsstarken ariden und semiariden Zonen (McMichael et al., 1996: 136-37).

Staaten im Mittleren Osten, wo es schon heute kriegerische Konflikte um Wasser gibt, Staaten auf dem indischen Subkontinent oder im nördlichen Afrika wären hiervon betroffen. Die Wasserverfügbarkeit in China und den USA könnte hingegen zunehmen (The Met Office, 1999, 03.08.2000: o.S.). Eine Verschlechterung des Zugangs zu sauberem Trinkwasser hätte negative Folgen für die Nahrungsmittelversorgung und Gesundheit der Betroffenen. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits heute mehr als 20 Prozent der Weltbevölkerung keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser hat (ebd.). Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich zudem die Wasserqualität durch steigende Temperaturen verschlechtern (IPCC, WGII 2001: 28).
 

Abb.4: Mögliche Auswirkungen des Klimas auf die Gesundheit 
(verändert nach: IPCC (2000): Methodological and technological issues in technology transfer: 334, fig. 14.1; IPCC 1996, WG II)
 

Abb.5: Rückgang der Alpengletscher (Quelle: Avian et al., 1999)
 

Abb.6: Verfügbarkeit von Süßwasser (Quelle: UNEP/GRID, o.J.: Abb. 36)
 

 
(6) ... auf Wetterextreme

"The frequency and magnitude of many extreme climate events increase even with a small temperature increase and will become greater at higher temperatures"
 (IPCC, 2001b: 69)

Bereits ein kleiner Anstieg der Temperatur kann genügen, um gravierende Folgen auszulösen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Häufigkeit und Intensität von extremen Wetterereignissen zunehmen und dies um so mehr, je höher die Temperatur steigt. Extreme Wetterereignisse wie Überflutungen, fehlende Bodenfeuchte, tropische Zyklone, Stürme, extrem hohe oder niedrige Temperaturen oder Feuer haben meistens weitreichende Folgen für ganze Regionen und sind Ursache für zahlreiche Todesopfer und hohe ökonomische Schäden. Insbesondere die Landwirtschaft und die Wasserverfügbarkeit sind stark anfällig gegenüber Veränderungen des Niederschlages oder der Temperatur. Bereits eine geringe Abnahme der Niederschläge würde in vielen Trockengebieten die Desertifikation verstärken, die den Lebensraum von etwa einer Milliarde Menschen gefährdet (Hupfer/Graßl/Lozán, 1998: 424). 
 

Abb.7: Wahrscheinlichkeitszunahme von Wetterextremen (Quelle: Münchener Rück, 2000: 106)
 

 
Die Häufigkeit der atmosphärischen Extremereignisse hat, so die Statistiken des weltweit größten Rückversicherers Münchener Rück, in den letzten Jahren bereits um ein Mehrfaches zugenommen (Münchener Rück, 2000: 66). Dementsprechend zugenommen haben auch die globalen Kosten extremer Wetterereignisse, wie folgende Abbildung verdeutlicht.

Beobachtungen der Meeresoberflächentemperatur im tropischen Pazifik während der letzten 100 Jahre haben eine Verstärkung der Schwankungen im Jahresverlauf gezeigt. Die Meeresoberflächentemperatur ist eines der wichtigsten Messdaten zur Vorhersage des zyklisch auftretenden El Niño-Effektes. In den letzten Jahrzehnten ist dieses gehäuft und mit größerer Intensität aufgetreten. Besonders stark im Jahr 1997/98, mit gravierenden Konsequenzen für die Ökosysteme und Wirtschaftssysteme mehrerer tropischer Länder. Solche Situationen könnten durch den anthropogenen Treibhauseffekt künftig häufiger auftreten, wenn sich die Oberflächentemperatur des tropischen Pazifiks weiter erhöht (Latif, 1998: 403, 412f; Berz, 2000: 8). 

(7) ... auf die Wirtschaft

Eine Verdoppelung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre führt laut IPCC vermutlich jährlich zu Kosten von 2-9 Prozent des Bruttosozialproduktes in den Entwicklungsländern. Prozentual gesehen sind die Kosten in Industrieländern niedriger und liegen bei 1,0-1.5 Prozent des Bruttosozialproduktes (IPCC, 1996: WGIII). Die Schätzungen beinhalten nur die geldmäßig erfassbaren Kosten und lassen die Auswirkungen von Faktoren wie z.B. dem Aussterben von Tier- oder Pflanzenarten außen vor, da sich dies nicht angemessen in Geldwerten ausdrücken lässt.

Weiter...

Abb.8: Globale Kosten extremer Wetterereignisse (leicht verändert nach: Münchener Rück, 2000: 4)
 

Abb.9: Karte der Schadenereignisse des El Niño 1997/98 (Quelle: Münchener Rück, 2000: Welt der Naturgefahren, CD-ROM)
 

 


zuletzt geändert am 12.9.02