| Besonders betroffen von den Konsequenzen des globalen Klimawandels
sind die Länder, die am wenigsten zur Verursachung des menschgemachten
Treibhauseffekts beigetragen haben: die Entwicklungsländer. Dafür
gibt es mindestens drei Gründe.
Erstens: Vor allem wegen der großen Bedeutung der Landwirtschaft
für die meisten Entwicklungsländer, sind diese besonders stark
von Wetterextremen und einer Verschiebung von Klimazonen betroffen. Dies
ist einer der wichtigsten Gründe für die besonders große
Verletzlichkeit von Entwicklungsländern gegenüber dem Klimawandel.
Zweitens: Entwicklungsländen mangelt es an finanziellen, technischen
und personellen Kapazitäten für viele notwendige Anpassungsmaßnahmen.
In besonders betroffenen Staaten wie Bangladesch z.B., das wegen der langen,
tief liegenden Küstenlinie extrem vom Meeresspiegel-Anstieg betroffen
sein wird, können die Schäden jährlich auf 10, 20 oder mehr
Prozent des Bruttosozialproduktes steigen. Viele Millionen von Menschen
wären gezwungen, ihr Land zu verlassen.
Drittens: Vieles deutet darauf hin, dass einige Entwicklungsländer,
insbesondere in Afrika, von besonders heftigen Konsequenzen des globalen
Klimawandels betroffen sein werden. All diese Gründe führen dazu,
dass der globale Klimawandel und eine Häufung von Wetterextremen für
viele der in Entwicklungsländern lebenden Menschen eine echte Existenzfrage
darstellen. Ganze Länder können um Jahre in ihrer Entwicklung
zurückgeworfen werden.
Der IPCC erwartet eine deutliche Zunahme von extremen Wetter- und Klimaereignissen.
Verstärkte Dürren und Flutkatastrophen, aber auch eine Verschiebung
ganzer Klimazonen ist zu erwarten. Das Internationale Rote Kreuz hat in
seinem World Disaster Report 1999 mitgeteilt, dass es bereits jetzt mehr
Umwelt- als Kriegsflüchtlinge gibt. Die meisten befinden sich in Ländern
südlich der Sahara. In einigen Teilen Asiens und Afrikas hat die Häufigkeit
und Intensität von Dürren in den letzten Jahrzehnten bereits
zugenommen.
Immer deutlicher wird: der menschgemachte globale Klimawandel hat bereits
eingesetzt. Deshalb kann es heute nicht mehr allein darum gehen, den Ausstoß
der Treibhausgase zu verringern, so wichtig dieses Ziel auch bleibt, um
das Risiko des globalen Klimawandels nicht weiter zu erhöhen. Gerade
für viele Entwicklungsländer wird es immer mehr zur Existenzfrage,
dass auch die Frage der intelligenten Anpassung an den Klimawandel entschieden
angepackt wird.
Noch nie - außer durch die Gefahr eines Atomkrieges - hat menschliches
Handeln die Existenz so vieler Menschen aufs Spiel gesetzt. Bis zu einem
gewissen Maß läßt sich der globale Klimawandel schon nicht
mehr vermeiden. Aber noch können wir entscheiden, welches Niveau an
Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre wir anpeilen. Eines,
dass Hunderte Millionen von Menschenleben riskiert, eines, dass mehrere
zehn Millionen von Menschenleben riskiert oder eines, bei dem "nur" einige
Millionen Menschenleben zum Einsatz einer weltweiten Wette, es werde schon
nicht so schlimm werden wie von den meisten Wissenschaftlern vermutet,
gemacht werden. Es handelt sich hier um ein globales Experiment mit der
Menschheit zum Teil heutiger und künftiger Generationen.
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