| Der Hauptteil der 'historisch' seit der Industrialisierung
vom Menschen verursachten Treibhausgase geht bislang auf die Industrieländer
zurück. Ihr Anteil an der CO2-Anreicherung in der Atmosphäre
wird auf grob vier Fünftel geschätzt, wovon über 50% allein
auf das Konto der USA gehen. Diese hat seit 1950 ungefähr 157 Mrd.
Tonnen CO2 emittiert. Aber auch der "Norden im Süden", die reiche
Bevölkerung in den Entwicklungsländern, produziert zunehmend
Treibhausgase. China etwa hat seit 1950 ungefähr 40 Mrd. Tonnen CO2
emittiert und ist damit für etwa die Hälfte der insgesamt von
den Entwicklungsländern in diesem Zeitraum ausgestoßenen Emissionen
verantwortlich (Enquete Kommission, 1995: 119). [siehe hierzu auch unsere
Veröffentlichung China und der
Klimawandel]
Auch heute noch stoßen die Industrieländer drei Fünftel
der globalen CO2 Emissionen aus (WRI, 21.06.2000: o.S.). Faktoren wie der
Stand der Industrialisierung und Technik oder die Art der Landnutzung,
spielen dabei eine wichtige Rolle. So produziert eine intensiv gehaltene
'Hochleistungskuh' in den Industrieländern beispielsweise etwa fünfmal
soviel Methan wie ein extensiv gehaltenes Rind in Entwicklungsländern
(Höper, 1998: 145).
Der zur Zeit weltweit größte Emittent von energiebedingten
CO2-Emissionen ist mit einem Anteil von 25% nach wie vor die USA. Interessant
ist hier der Vergleich zu China, das ebenfalls weiterhin der größte
Emittent der Entwicklungsländer ist. Trotz der weitaus höheren
Bevölkerungszahl liegt Chinas Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen
bei "nur" 11%. Die jüngste Entwicklung des CO2-Ausstoßes dieser
beiden Länder hat alle Erwartungen auf den Kopf gestellt: Während
die CO2-Emissionen in den USA im Zeitraum von 1990 bis 2000 laut dem Deutschen
Institut für Wirtschaftsforschung um 17% angestiegen sind - doppelt
so stark wie im weltweiten Durchschnitt -, betrug der Anstieg in China
erstaunlicherweise nur 5%. Im Vergleich zu 1996 hat China es in den letzten
Jahren sogar geschafft, die Emissionen zu senken, obwohl die Wirtschaft
Jahr für Jahr deutlich gewachsen ist.
Sehr niedrige Emissionen im Vergleich zu den USA und China hat Afrika
zu verzeichnen. Der gesamte Kontinent hat im Jahr 1997 etwa dieselbe Menge
CO2 ausgestoßen wie Deutschland oder Indien allein (EIA, 1999: 9).
Die obenstehende Abbildung verdeutlicht für die 10 größten
Emittenten den Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen im Jahre 2000 sowie
Veränderungen gegenüber 1990.
Ein nicht unbeachtlicher Teil der Treibhausgasemissionen der Entwicklungsländer
ist direkt mit dem Verbrauch in den Industrieländern des Nordens gekoppelt,
wie einige Beispiele verdeutlichen: Die Emissionen der erdölexportierenden
Länder (OPEC) beispielsweise stammen vor allem aus der (Roh-)Ölförderung.
Zwei Drittel dieses Öls wird aber in den Industrieländern konsumiert.
Ähnliches gilt für Gasförderung und -verbrauch. Auch das
energieintensive Minengeschäft wird vor allem für Käufer
in den Industrieländern betrieben: 80% aller Rohstoffe werden dort
verbraucht. Ein weiteres Beispiel ist der Fern-Tourismus der Nord-Amerikaner,
Europäer und Japaner, der sich in den Treibhausgasbilanzen von "Entwicklungsländern"
widerspiegelt (vgl. Tamilehto, 1999).
Wie eine typische Verteilung des Energiebedarfs und dementsprechend
eine Aufteilung der Emissionen auf die Verbrauchssektoren in einem Industrieland
aussehen kann, verdeutlicht die nebenstehende Abbildung 7 am Beispiel Deutschlands.
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Abb.4: Der historische Beitrag
zum Treibhauseffekt (Quelle: World Resources Institute, www.wri.org)
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Abb.5: Anteil an globalen
CO2 Emissionen im Jahr 2000 (Quelle: WRI, 2000; eigene Darstellung)
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Abb.6: Anteile der zehn größten
Emittenten 2000 und im Vergleich zu 1990 (Quelle: DIW, 2001: 727)
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Abb.7: Energiebedingte CO2-Emissionen
in Deutschland nach Sektoren (Quelle: DIW 2001: 736)
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| Der Anstieg der CO2-Emissionen im letzten Jahrzehnt und
auch die absolute Verteilung der CO2-Emissionen auf die jeweiligen Länder
sagen aber noch nichts darüber aus, wieviel jede/r einzelne BürgerIn
zur Erwärmung der Erde beiträgt. So sind die Emissionen in Indien
zwischen 1990 und 2000 zwar sehr deutlich angestiegen (um ca. 63% in Indien,
in Bangladesch gar um ca. 90%), pro Kopf erzeugt ein Inder oder Bangladescher
aber nur ein Zehntel der Treibhausgase eines durchschnittlichen Deutschen
und ein Zwanzigstel des durchschnittlichen Amerikaners. Berücksichtigt
man noch die Unterscheidung in Überlebens- und Luxusemissionen, so
wird der verschwenderische und verantwortungslose Umgang mit Energie und
dem Weltklima in den Industrieländern und den Reichtumsinseln der
Entwicklungsländer besonders deutlich. Während das eine Drittel
der reicheren Weltbevölkerung den Großteil ihrer Emissionen
für Luxusgüter in die Luft blasen, entweichen die Treibhausgase
der zwei Drittel, die zur armen Bevölkerung zählen, im alltäglichen
Kampf um das Überleben. Dies trifft insbesondere auf die Entwicklungsländer
zu. |
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Abb. 8: CO2-Emissionen je
Einwohner in ausgewählten Ländern (Quelle: DIW, 2001: 728)
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Der Flugverkehr
Der Flugverkehr ist der klima-unverträglichste Massenverkehrsträger.
Zum einen ist Fliegen gegenüber den meisten anderen Verkehrsträgern
relativ energieaufwändig, und damit der CO2-Ausstoß ohnehin
sehr hoch. Zum anderen treten zusätzlich zu CO2 auch Kondensstreifen
und Stickoxide als Verbrennungsprodukte der Flugzeugtriebwerke auf. Damit
ist die gesamte durch den Flugverkehr verursachte Treibhauswirksamkeit
zwei- bis viermal höher als die seines CO2-Ausstoßes.
Im Jahr 1992 stammten weltweit bereits 12% der Kohlendioxidemissionen
des gesamten Verkehrs von Flugzeugen. Zu dieser Zeit war der Luftverkehr
für 3,5% der menschenverursachten Klimaerwärmung verantwortlich.
Die Tendenz ist stark steigend, und daran werden wohl auch die Konsequenzen
des Terroranschlags vom 11. September 2001 für den internationalen
Luftverkehr nicht viel ändern. Nach den vorliegenden Szenarien würde
allein der erwartete Anstieg des internationalen Luftverkehrs bis ins Jahr
2010 in etwa die gesamten durch das Kyoto-Protokoll (ohne USA) vereinbarten
Emissionsreduktionen nichtig machen. Etwa für 2010 wird erwartet,
dass die Klimawirksamkeit des Flugverkehrs weltweit so hoch ausfällt
wie die des Pkw-Verkehrs. Die Zunahme des Luftverkehrs mit seinen klimaschädlichen
Abgasen ist in den nächsten Jahrzehnten das am schnellsten wachsende
Problem für das globale Klima. Deshalb müssen entschiedene Maßnahmen
ergriffen werden, um diesen Trend zu stoppen.
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Abb. 9: Anteil des Flugverkehrs
an CO2-Emissionen (Quelle: IPCC, 1999: 284)
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