Startseite  >  Klima  >  Entwicklung  >  Das perfekte Verbrechen?
Klimaschutz - zu teuer?
 
Was ist dran an den Argumenten der Regierung Bush, ernsthafter Klimaschutz sei zu teuer und verursache die Abwanderung großer Teile der Industrie? Ist es wirklich besser einen 'warten und Tee-trinken'-Ansatz zu wählen? 

Der schwedische Umweltminister Kjell Larsson hat in seiner Funktion als Vorsitzender des EU-Umweltrates im Januar 2001 eine politische Antwort auf diese Frage gegeben: "Die Menschheit führt ihr bisher größtes Experiment durch, ein Experiment, das schreckliche Ergebnisse haben wird, wie mehr und mehr von uns realisieren. Haben wir das Recht die chemische Zusammensetzung so weitgehend zu verändern, wenn wir wissen, dass wir solche Risiken in Kauf nehmen? Natürlich dürfen wir das nicht." 

Gegen den 'wait and see'-Ansatz spricht auch der dritte Sachstandsbericht des IPCC (2001c), in dem die wirtschaftlichen Argumente, die für und gegen ein frühzeitiges Handeln sprechen, sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Und er schlägt ein frühzeitiges Handeln vor. Dies kann zwar manchmal bedeuten, dass Technologien und Strategien eingeführt werden, bevor sie perfektioniert sind. Aber dem stehen bedeutsame Vorteile eines frühzeitigen Handelns gegenüber. Das schnelle Handeln reduziert die Wahrscheinlichkeit eines extremen Klimawandels und es setzt Anreize für die Entwicklung neuer Technologien. Allerdings sollten die Aktionen nicht so überstürzt erfolgen, dass massive Kapitalvernichtung betrieben wird oder andere vermeidbare Kosten stark in die Höhe getrieben werden.

Die meisten US-Studien, die sehr hohe Kosten für den Klimaschutz ausrechnen, lassen vier zentrale Punkte unberücksichtigt. Erstens beziehen sie die Kostenverringerung nicht ein, die durch Emissionshandel möglich ist. Zweitens unterstellen sie, dass Klimaschutz so rapide einsetzt, dass viele bereits getätigte Investitionen unrentabel werden. Drittens unterstellen sie, dass die Einnahmen aus Ökosteuern und -abgaben nicht im Sinne des Klimaschutzes eingesetzt werden. Und viertens schließen sie aus theoretischen Gründen - trotz der Unzahl von praktischen Gegenbeispielen - die Möglichkeit von Klimaschutz, der nichts kostet, systematisch aus. 

Dem stellt der neue IPCC-Bericht (2001c) entgegen, dass bei der Hälfte der möglichen Emissionsverringerungen bis zum Jahr 2020 - vor allem durch verringerten Energieeinsatz - mehr Geld eingespart werden könnte als an direkten Kosten für die Maßnahmen anfällt. Die andere Hälfte der Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen ist lediglich mit direkten Nettokosten von bis zu 100 US Dollar pro Tonne Kohlenstoff verbunden. 

Zentral ist, dass bei neuen Investitionsentscheidungen die Weichen auf Zukunftsfähigkeit gestellt werden. Es wird vermutet, "dass in den nächsten 20 Jahren etwa 25 Milliarden Dollar an Investitionen in die Neugestaltung der Energieversorgung fließen werden. Das ist die goldene Möglichkeit, die Welt weniger abhängig von fossilen Brennstoffen und weniger verletzlich gegenüber den Auswirkungen des globalen Klimawandels zu machen" (Radka, 2001).

Weiter...

Der Globale Klimawandel:
Das perfekte Verbrechen?

Abb.1: Weltweiter durchschnittlicher Rückgang des BSP im Jahr 2050 (Quelle: IPCC, 2001: 143; Übersetzung/Kommentar: GERMANWATCH)
 

 


zuletzt geändert am 12.9.02