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Wenn die nicht warum wir?
 
Wie sieht es mit dem zweiten Argument aus, mit dem die US-Regierung ihren Ausstieg aus dem Kioto-Protokoll verkündet? Müssten nicht aus Wettbewerbs- und Klimaschutzgründen die schnell wachsenden Entwicklungsländer - wie China und Indien - auch Klimaschutzziele auferlegt bekommen? Gibt es ansonsten nicht Wettbewerbsnachteile für die Industrieländer? Wird sonst nicht durch die Emissionen in Entwicklungsländern die Emissionsverringerung der Industriestaaten zunichte gemacht?

Wettbewerbsnachteile für die Industriestaaten gegenüber den Entwicklungsländern entstehen nur sehr begrenzt. Denn zum einen sitzen die Hauptkonkurrenten nicht in den Entwicklungs- sondern in den Industrieländern. Zum anderen wird Klimaschutz längst nicht so teuer, wie die entsprechenden US-Studien unterstellen. Wettbewerbsprobleme sind erst durch den Ausstieg der USA aus dem Kioto-Protokoll ein ernst zu nehmendes Thema geworden. Wenn man allerdings unterstellt, dass die Probleme des Klimawandels so ernst sind, dass auch die USA sich über kurz oder lang zu ernsthaftem Klimaschutz entscheiden müssen - dann verkehrt dieses Argument seine Vorzeichen. Dann sind die Staaten, die jetzt schon vorangehen, die jetzt neue Technologien entwickeln und in den Markt einführen, diejenigen die in der Zukunft auch ökonomisch von dieser Vorreiterrolle profitieren.

Aus Klimaschutzgründen ist klar, dass die Entwicklungsländer, die ein hohes Wachstum an Treibhausgas-Emissionen aufzuweisen haben, über kurz oder lang auch in ein internationales Klimaregime einbezogen werden müssen. International hat man im Jahr 1995 - unter Beteiligung der USA - beim Klimagipfel in Berlin das Prinzip der gemeinsamen aber differenzierten Verantwortung konkretisiert. Im ersten Schritt - der dann zum Kyoto-Protokoll wurde - sollten die Industrieländer vorangehen. Sie sind für den Löwenanteil der historischen Emissionen verantwortlich, sie erzeugen auch heute noch am meisten Emissionen, sie sind technisch und finanziell am ehesten zu den notwendigen Investitionen in der Lage. Wenn diese Ländergruppe gezeigt hat, dass sie es ernst mit dem Klimaschutz meint, dann sollen in einem zweiten Schritt auch die Schwellenländer mit in das Klimaregime einbezogen werden. 

Durch den Austritt der USA, des weltweit größten Emittenten, aus ernsthaftem internationalen Klimaschutz, wird diese Logik aber auf den Kopf gestellt. Nur wenn die das Kioto-Protokoll umsetzenden Industriestaaten tatsächlich zeigen können, dass Klimaschutz kostengünstig zu erreichen ist und viele positive Nebenwirkungen hervorruft, kann erwartet werden, dass zentrale Entwicklungsländer auch ohne Beteiligung der USA in Zukunft mitmachen. Die zentrale Aufgabe der Öffentlichkeit, der Diplomatie und möglicherweise gar der Justiz muss es sein, die USA zu einem ernsthaftem Klimaschutz-Engagement zu bewegen.

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Der Globale Klimawandel:
Das perfekte Verbrechen?


zuletzt geändert am 12.9.02