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An der Schwarzen Nadel
 
Lange Zeit entstand der Eindruck, Klimaschutz sei eine von allen Unternehmen als Belastung abgelehnte Regulierung durch die Politik. Noch beim ersten Klimagipfel 1995 erschien die internationale Wirtschaft in ihrer Gesamtheit an das "Nein" zu ernsthaftem internationalen Klimaschutz gekettet wie Prometheus an seinen Felsen. Auch die deutsche Wirtschaft legte - auf erheblichen Druck der Regierung hin - lediglich eine windelweiche freiwillige Selbstverpflichtung vor, die nicht mehr versprach, als was sich ohnehin als Trend abzeichnete.

Einige Organisationen maßten sich an, als Sprecher der Wirtschaft aufzutreten, obwohl sie längst nicht die Position der gesamten Wirtschaft vertraten. Besonders deutlich zeigte sich dies im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen. Dort formulierte die von Lobbyinteressen der US-Kohle-, Auto- und Öllobby dominierte "Global Climate Coalition" bis 1996 oft die offiziellen Statements "für die gesamte Wirtschaft". In den USA war sie an millionenschweren Kampagnen gegen das Kyoto-Protokoll beteiligt. 

Doch die Anti-Klimaschutzlobby erhielt einen ersten Dämpfer, als British Petroleum (BP) 1997, im Vorfeld des Klimagipfels von Kyoto, als erster Großkonzern aus der Anti-Klimaschutz-Industrie-Gruppe "Global Climate Coalition" ausscherte. Dies war ein weithin sichtbares Signal, das zum (Teil-)Erfolg von Kioto beitrug. Zudem läutete es in der Höchstphase der Aktivitäten der Global Climate Coalition einen schleichenden Bedeutungsverlust des Verbandes ein - mit der bemerkenswerten Ausnahme der US-Politik. Nach Kioto nahm der weltweite Druck durch viele Nichtregierungsorganisationen auf den durch Brent Spar stark imagegeschädigten Shell-Konzern stark zu, aus der Global Climate Coalition auszutreten. Auch GERMANWATCH schickte einen Brief mit Austrittsforderung an den Shell-Vorstand. Am Tag der Veröffentlichung des Shell-Jahresberichtes im Jahr 1998, als deutlich wurde, dass die Journalisten vor allem an der Frage der weiteren Mitgliedschaft in der Global Climate Coalition interessiert waren, zog Shell die Notbremse und kündigte den Austritt an - obwohl die Mitgliedschaft in der präsentierten Druckfassung des Jahresberichtes noch verteidigt wurde. In der Folge wurde der Verbleib in der Global Climate Coalition für immer mehr Unternehmen zum Imageproblem. Nach verschiedenen Austritten erklärte Ende 1998 auch Ford als erster US-Auto-Konzern, dass er nicht länger Mitglied bleiben wolle.

Auch der DaimlerChrysler-Konzern war mit der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler - durch die langjährige Mitgliedschaft von Chrysler - Mitglied in der Global Climate Coalition geworden. Nach vielen Diskussionen mit Vertretern des Konzerns führten die Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler und GERMANWATCH im Dezember gemeinsam eine Pressekonferenz im Stuttgarter Landtag durch, wobei der Konzern zum Austritt aus der Global Climate Coalition aufgefordert wurde. Obwohl diese Forderung am Tag zuvor gegenüber der nachfragenden Presse noch abgelehnt worden war, kündigte DaimlerChrysler eine halbe Stunde nach der Pressekonferenz den Austritt an. Die Entscheidung von Ford und DaimlerChrysler wurde als Signal wahrgenommen. Sechs weitere Konzerne wollten zu Jahresbeginn 1999 ihre Mitgliedschaft nicht verlängern. Da zog die Global Climate Coalition die Notbremse. Ab sofort durften keine Konzerne, sondern nur noch Unternehmensverbände Mitglied sein - übrig blieben in dem sich "global" nennenden Verband nur noch Lobbygruppen aus den USA. Inzwischen ist die Ruhrkohle AG der einzige deutsche Konzern, der über seine US-Tochter noch in einer der Global Climate Coalition verwandten Lobbygruppe - dem Climate Council - aktiv ist. Der Konzern jedoch, der weltweit die führende Position in der Koordinierung der Anti-Klimaschutz-Aktivitäten innehat, ist Exxon (in Deutschland ESSO). Dies führte zu einer entsprechenden GERMANWATCH-Kampagne "EsgehtSOnicht" im Jahr 1997-99. In der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland wurde damit erstmals ESSO als Klima-Schmuddelkind bekannt. An der Konzernpolitik änderte sich seitdem nichts Wesentliches.

Durch die Wahl eines Präsidenten und Vize-Präsidenten Ende 2000, die beide beruflich aus dem Öl-Umfeld stammen, nahm der ohnehin starke Einfluss der fossilen Lobby in den USA weiter zu. "Wie Sie wissen, lehne ich das Kyoto-Protokoll ab, weil es 80 Prozent der Welt, große Bevölkerungszentren wie China und Indien inbegriffen, nicht in die Erfüllung der Verpflichtungen einbezieht, und weil es der US-Wirtschaft ernste Schäden zufügen würde." (Bush, 2001). Genau die beiden zentralen Parolen der Global Climate Coalition waren die entscheidenden Argumente in der brüsken Ablehnung des Kyoto-Protokolls durch den US-Präsidenten Bush im Frühjahr 2001. Im Frühjahr 2002 wurde die Global Climate Coalition aufgelöst. Einerseits hat sie durch die neue US-Regierung zentrale Ziele erreicht. Andererseits kann es sich kaum noch ein Unternehmen erlauben, die Gruppe öffentlich zu unterstützen. 

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Das perfekte Verbrechen?


zuletzt geändert am 12.9.02