| Im Frühjahr 2001 verkündete der US-Präsident
Bush den Verzicht auf ernsthaften Klimaschutz in den USA und zugleich auf
die Teilnahme am Kioto-Protokoll. Als Gründe gab er an, dass er ökonomische
Probleme in den USA fürchte, vor allem in seiner Heimat Texas, dem
Standort großer Ölkonzerne. Zweitens bemängelt er, dass
nicht alle Staaten von Anfang an Reduktionspflichten bekommen, sondern
die Entwicklungsländer nach dem Prinzip der "gemeinsamen aber differenzierten
Verantwortung" erst später Begrenzungen erhalten sollen. Dies sind
die zwei Hauptargumente gegen entschiedenen Klimaschutz von dem Land, das
weltweit die meisten Treibhausgase ausstößt.
Das Verhalten der wichtigsten Industriemacht der Welt und der Einfluss
der US-Energieunternehmen auf diese Entscheidung machen offensichtlich,
wie stark die gesellschaftliche Dynamik ist, die wirkungsvollen Klimaschutz
blockiert. Zentral für die weitere weltweite Entwicklung des Klimaschutzes
wird sein, ob es bald gelingen wird, entgegen dieser Dynamik in den USA,
weltweit wirtschaftliches Wachstum auf diejenigen Branchen zu fokussieren,
die den Umbau zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft leisten sollen.
Aber nicht nur in der Wirtschaft, auch im Verhalten der einzelnen Menschen
gibt es eine große Kluft zwischen wohlwollenden Bekundungen und wirklichem
Handeln. Bereits der Vater des heutigen US-Präsidenten hatte 1992
beim Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung in Rio verkündet,
es käme nicht in Frage, den Lebensstil der Amerikaner, den American
Way of Life in Frage zu stellen. Nicht nur eine Einschränkung des
Lebensstils, selbst die Forderung nach einer nicht mit Einschränkungen
verbundene Veränderung des Lebensstils lässt die Zahl der Aktiven
sehr schnell schrumpfen. Schon bei der Ökosteuer scheiden sich die
Geister. Keiner will, dass Menschen wegen des Klimawandels zu Flüchtlingen
werden. Aber deswegen auf eine Flugreise auf die Urlaubsinsel verzichten?
Wirklich etwas mehr für "grünen Strom" bezahlen, wenn die meisten
doch auch nicht mitmachen? Bei der Geldanlage sich die Mühe machen,
neben der Rendite auch auf ökologische und soziale Kriterien zu achten?
Wenn die Bevölkerung bei Meinungsumfragen Klimaschutz will, aber
im praktischen Handeln dennoch ihre Geldscheine als Stimmzettel gegen den
Klimaschutz ausgibt, ist jede Klimaschutzstrategie zum Scheitern verurteilt.
Als der Sprecher von US-Präsident Bush gefragt wurde, ob die Amerikaner
ihren Lebensstil ändern und angesichts der Energiekrise möglicherweise
als eine Lösung weniger Energie verbrauchen sollten, antwortete er:
"Ein großes Nein. Der amerikanische Präsident glaubt, dass das
der 'American Way of Life' ist und es sollte das Ziel von Politikern sein,
den amerikanischen Lebensstil zu schützen. Der amerikanische Lebensstil
ist ein gesegneter." (Egan, 2001) Mit einer solchen fundamentalistischen
Einstellung wird es den notwendigen Klimaschutz nicht geben.
Genauso aber wird jede Strategie zum Scheitern verurteilt sein, die
der Bevölkerung einen ganz bestimmten klimafreundlichen Lebensstil
vorzuschreiben versucht. Sonst würde Klimaschutz zu einer drastischen
Einschränkung der Freiheit. Jeder Lebensstil, der Klima schützt,
muss willkommen sein. Sowohl die, die durch Verzicht auf größere
Wohnungen, schnelle Autos, Flugreisen o.ä. ihren Beitrag leisten,
als auch die, die vor allem auf technische Lösungen setzen, können
ihren Beitrag zur Lösung des Gesamtproblems und zum Einüben klimaverträglicher
Lebensstile leisten. Auch die, die ihre Emissionen durch die Finanzierung
von sinnvollen Klimaschutzprojekten ausgleichen, können wichtige Entwicklungen
anstoßen.
Unvermeidbar aber ist eine gewisse Bereitschaft zum Handeln und zu phantasievollen
Wegen, den Klimaschutz voranzutreiben. Kollektive Trägheit und Mangel
an Phantasie können alle Hoffnung auf wirkungsvollen Klimaschutz zunichte
machen.
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