| Es gibt zunehmend Wirtschaftsakteure, die die Notwendigkeit
einer internationalen Rahmensetzung und nationalen Umsetzung des Klimaschutzes
sehen. GERMANWATCH hat in den letzten Jahren daran mitgewirkt, für
diese Unternehmen, die sehen, dass intelligenter Klimaschutz auch soziale
und wirtschaftliche Chancen bietet, Plattformen zu schaffen. Es ist wichtig,
dass sich diese Unternehmen und Unternehmensgruppen wirkungsvoll in die
politische Debatte einmischen. Leider ist es eine fast schon triviale Tatsache,
dass die Vergangenheit gut - etwa die Unternehmen und Arbeitnehmer der
fossilen Industrie -, die Zukunft aber noch sehr schwach organisiert sind
- etwa die Unternehmen und Arbeitnehmer der Zukunftsindustrien. Den entsprechenden
Wandel gilt es zu befördern. e-mission 55, der European Business Council
for a Sustainable Energy Future (e5) und die UNEP Finanzinitiative setzen
ein Beispiel.
(1) e-mission
55
Durch die Wahl eines Präsidenten und Vize-Präsidenten Ende
2000, die beide beruflich aus dem Öl-Umfeld stammen, nahm der ohnehin
starke Einfluss der fossilen Lobby in den USA weiter zu. "Wie Sie wissen,
lehne ich das Kyoto-Protokoll ab, weil es 80 Prozent der Welt, große
Bevölkerungszentren wie China und Indien inbegriffen, nicht in die
Erfüllung der Verpflichtungen einbezieht, und weil es der US-Wirtschaft
ernste Schäden zufügen würde." (Bush, 2001). Genau die beiden
zentralen Parolen der Global Climate Coalition waren die entscheidenden
Argumente in der brüsken Ablehnung des Kyoto-Protokolls durch den
US-Präsidenten Bush im Frühjahr 2001.
Um dennoch einen Teilerfolg beim Klimagipfel in Bonn zu ermöglichen,
trat GERMANWATCH an Unternehmen heran, um diese zu fragen, sich gemeinsam
für die Ratifizierung und für das frühe Inkrafttreten des
Kyoto-Protokolls einzusetzen. Als deutlich wurde, dass der European Business
Council for a Sustainable Energy Future (e5) und der WWF ähnliche
Kampagnen vorbereiteten, beschlossen die drei Gruppen, gemeinsam die Unternehmerinititative
"e-mission 55" zu initiieren und unterstützen. Über 150 Unternehmen
haben sich Ende 2001 bereits der Initiative mit ihrer zentralen Botschaft
angeschlossen: "Wir fordern die Regierungen der Welt auf, das Kyoto-Protokoll
möglichst schnell, d.h. bis spätestens 2002, in Kraft zu setzen"
(vgl. www.emission55.com).
e-mission 55 gelang es, bei den Klimagipfeln in Bonn und Marrakesch zur
am meisten wahrgenommenen Wirtschaftsinitiative zu werden, was zu der Atmosphäre
beitrug, die einen Teilerfolg der beiden Gipfel ermöglichte. Neben
dem herausragenden Engagement der Deutschen Telekom spielten Unternehmen
wie Die Bahn, Gerling, SolarWorld, Versiko, Ricoh und andere dabei eine
sehr aktive Rolle.
(2) e5
Zwischen 1990 und 1995 gelang es der Anti-Klimaschutz-Lobby der Industrie,
der "Global Climate Coalition", bei den UN-Klimaverhandlungen den Eindruck
zu vermitteln, die Industrie sei gegen Klimaschutz. Angesichts dieser skandalösen
Einseitigkeit gab es immer mehr Unternehmen (bzw. Kräfte in diesen),
die nach Möglichkeiten einer anderen klimapolitischen Vertretung suchten.
Für GERMANWATCH lag in der Kontaktaufnahme mit diesen Unternehmen
der Ausgangspunkt, strategische Allianzen zu bilden, "um überfällige
Veränderungen ... anzustoßen" (GERMANWATCH, 1995). Nach zwei
Jahren Vorarbeit gelang es einer zunächst kleinen Gruppe von Unternehmen
und GERMANWATCH im Jahr 1995 gemeinsam, den European Business Council for
a Sustainable Energy Future (e5) zu initiieren (vgl. auch www.e5.org).
In dieser schnell gewachsenen Gruppe haben sich Unternehmen zusammengeschlossen,
die von einer deutlichen Klimaschutzpolitik profitieren würden oder
eine solche aus anderen Gründen unterstützen. Gemeinsam mit dem
bereits 1992 vom Worldwatch-Institut mitinitiierten US Business Council
for Sustainable Energy wurde seit dem Klimagipfel in Genf (1996) erreicht,
dass - wann immer die Wirtschaft im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen um
Rat gefragt wurde - es neben der Global Climate Coalition zumindest ein
zweite Stimme der Wirtschaft gab, nämlich eine für das Kioto-Protokoll.
Indem sich nun in den Augen der Öffentlichkeit und der Regierungsdelegationen
die Wirtschaft in "Hardliner" und "fortschrittliche Gruppen" aufspalteten,
wurde es für das "Mittelfeld" notwendig, eine eigene Position zu beziehen.
Die "gemäßigte Gruppe" - zu ihr gehören etwa die Internationale
Handelskammer (ICC), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), der
japanische Verband wirtschaftlicher Organisationen (Keidaren) und der World
Business Council for Sustainable Development (WBCSD) - bezogen von nun
an immer öfter eigene Positionen. Sie wollten nicht zu den "Schmuddelkindern"
gehören. Andererseits wollten sie nicht die deutlichen Pro-Klimaschutz-Positionen
der Vorreiter mittragen.
(3) UNEP-Finanzinitiative
Seit 1993 führt GERMANWATCH einen intensiven Dialog mit Versicherungsunternehmen,
die vom globalen Klimawandel mit dem damit zu erwartenden stark steigenden
Schadenstrend negativ betroffen sein könnten. Der weltweit größte
Rückversicherer, die Münchener Rück, hatte dies schon mehr
als ein Jahrzehnt lang deutlich zum Ausdruck gebracht. GERMANWATCH schlug
dabei in einem Dialogworkshop mit Vorständen und Direktoren der großen
deutschsprachigen Versicherungsunternehmen in der Evangelischen Akademie
in Tutzing vor, dass diese eine "UNEP-Versicherer-Initiative" initiieren,
um sich bei den UN-Klimaverhandlungen aktiv in den Diskurs einzuschalten.
1995 kündigten dann tatsächlich einige Versicherungsunternehmen
eine solche Initiative an. Von dem GERMANWATCH-Dialog waren der Gerling
Konzern sowie die Schweizer Rück bei den Initiatoren mit dabei. Ähnliche
Gedanken wie in Deutschland waren in Großbritannien - nicht zuletzt
durch Jeremy Legett (damals Greenpeace) - und in der norwegischen Versicherungsindustrie
entwickelt worden.
Ein Jahr später, beim Klimagipfel in Genf, trat die UNEP-Versichererinitiative
erstmals aktiv auf und wird seitdem sowohl im Verhandlungsprozess als auch
in der Finanzpresse stark wahrgenommen. Kürzlich verschmolz sie mit
der UNEP-Finanzinitiative. Der neue Name ist "UNEP Finance Initiatives"
(vgl. auch www.unepfi.net).
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