| Die Gefährdung vieler Millionen Menschen und ganzer
Völker durch den globalen Klimawandel wirft ein grelles Licht auf
eine sich global zuspitzende "Krise der Verantwortlichkeit" (Ewald, 1986).
Es ist nicht möglich, die Wirkung der Treibhausgase auf das globale
Klima experimentell zu testen. Der Globus selber wird somit zum Labor,
der Mensch zum Versuchskaninchen in einem weltweiten Echtzeit-Großversuch.
Anders gesagt, es wächst der "Widerspruch zwischen systemimmanent
erzeugten und systemimmanent zurechenbaren, nicht bearbeitbaren Gefahren"
(Beck, 1988, 104). Schon jetzt ist klar, dass angesichts des bahnbrechenden
Klimawandels nicht nur Vermeidungskosten, sondern auch Anpassungskosten
und tatsächlich auftretende Schadenssummen sowie der Verlust von Menschenleben
- möglicherweise in sehr hoher Zahl - eine Rolle spielen. Dieser Verstoß
gegen das "Prinzip der Unteilbarkeit von Sicherheit und Leben" (Beck, 264)
hat überall dort das Potential zum Skandal zu werden, wo der Wert
des Lebens einen hohen oder den höchsten Rang in der Hierarchie der
Werte einnimmt. Dieser Skandal steht im Mittelpunkt der GERMANWATCH-"Klima-AUSBADE-Kampagne".
Die Notwendigkeit, Auswege aus dieser "organisierten Unverantwortlichkeit"
(Beck, 1988, 96ff) zu finden, scheint uns unabweisbar. Wir wagen es, angesichts
der Herausforderungen des globalen Klimawandels auf "die sanfte Nötigung
zu einem weltweit koordinierten Handeln, die von der Wahrnehmung globaler
Gefahren ausgeht" (Habermas, 1999, 217) zu setzen. Wir behaupten nicht,
alle notwendigen Antworten zu kennen. Aber wir drängen darauf, die
möglichen Antworten zu diskutieren; eine Moraldebatte in eine Rechts-
und Finanzdebatte zu überführen. Wir fordern, internationale
Prozesse zu initiieren, an deren Ende in absehbarer Zeit ein System der
Verantwortungsübernahme steht, das den Anpassungsnotwendigkeiten und
Schäden des globalen Klimawandels angemessen ist.
Weiter... |
|
Abb.1: Organisierte Verantwortungslosigkeit
(Quelle: Sergey Khasabov COP3 Cartoon Exhibition)
|
|