| Editorial
Politik und Wirtschaft reagieren
keineswegs zwangsläufig auf gesellschaftliche Probleme, selbst dann
nicht, wenn sie unabsehbare Ausmaße, wie die des globalen Klimawandels
anzunehmen drohen. Die Akzeptanz solcher Probleme läuft normalerweise
in drei Phasen ab. Zunächst werden die Probleme geleugnet, um ungestört
mit "business as usual" weiter machen zu können. Die Regierung Bush
war bislang ein Musterbeispiel dafür. In der Phase zwei werden dann
die Probleme umetikettiert ("Greenwash"): Das Verhalten ändert sich
kaum, aber die Rhetorik. Mitnahmeeffekte werden gezielt ausgenutzt. Mit
dem US-asiatischen Klimapakt scheinen die USA und Australien in diese Phase
getreten zu sein. Alles unverbindlich, das meiste neue Verpackung für
eine Technologiepolitik, die dem Klima kaum mehr als die bisherige Nicht-Klimapolitik
bringt. Erst in Phase drei aber werden die neuen Rahmenbedingungen tatsächlich
akzeptiert, die Politik und Unternehmensaktivitäten auf Chancen und
Risiken des neuen Problems ernsthaft umgestellt. Mit dem Emissionshandel,
dem Erneuerbare-Energien-Gesetz oder der Ökosteuer gab es in der EU
und Deutschland einen ersten Einstieg in die Phase drei. Wird die Politik
hier, angesichts der rhetorischen Herausforderung aus den USA, beherzt
nachlegen? Deutlicher als je zuvor zeichnet sich ab: Auch die USA werden
über kurz oder lang mit der Phase drei ernst machen müssen.
Christoph Bals |