Das Gutachten "Sicherheitsrisiko Klimawandel" des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) sieht große Teile Afrikas als regionalen Brennpunkt eines klimabedingt ansteigenden Sicherheitsrisikos. Gleichzeitig deutet eine neue Studie darauf hin, dass sich die Welt derzeit auf einem Emissionspfad oberhalb der höchsten IPCC-Szenarien befindet.
Germanwatch bringt Auszüge aus dem Gutachten des WBGU (ergänzt durch eine Grafik aus einer neuen Studie zur Emissionsentwicklung und einen Textkasten mit Auszügen aus dem jüngsten IPCC-Bericht).
"Die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels werden in den Weltregionen unterschiedlich ausfallen. [...] Nordafrika: Politisches Krisenpotenzial und Migrationsdruck steigen durch das Zusammenwirken von zunehmenden Dürren und Wasserknappheit bei hohem Bevölkerungswachstum, Schwächung landwirtschaftlicher Potenziale und geringen politischen Problemlösungskapazitäten. Das bevölkerungsreiche Nildelta wird durch Meeresspiegelanstieg und Versalzung landwirtschaftlicher Gebiete bedroht.
Sahelzone: Klimawandel verursacht zusätzlichen Umweltstress und Gesellschaftskrisen (z.B. Dürren, Ernteausfälle, Trinkwasserknappheit) in einer schon heute durch schwache Staaten (z.B. Somalia, Tschad), Bürgerkriege (z.B. Sudan, Niger) und große Flüchtlingsströme (Sudan: über 690.000 Menschen; Somalia: über 390.000 Menschen) charakterisierten Region.
Südliches Afrika: Klimawandel
könnte die wirtschaftlichen Potenziale dieser Region, deren Länder
fast alle zu den ärmsten Gesellschaften der Welt gehören, weiter
schwächen, die Bedingungen für menschliche Sicherheit verschlechtern
und die Leistungsfähigkeit der Staaten überfordern. [...]
Studie des Global Carbon Project
zeigt jüngste Emissionstrends
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Noch steht die Übersetzung des
Klimawandels in Konfliktkonstellationen und gesellschaftliche Krisen ganz
am Anfang. Die bisherige globale Temperaturerhöhung beträgt ca.
0,8 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Ohne verstärkten
Klimaschutz muss bis Ende des 21. Jahrhunderts mit einer globalen Temperaturerhöhung
zwischen 2 und 7 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau gerechnet
werden, abhängig von der Menge an emittierten Treibhausgasen und den
Unsicherheiten im Klimasystem. Aus Sicht des WBGU wird Klimapolitik damit
zu präventiver Sicherheitspolitik, denn wenn durch eine erfolgreiche
Klimapolitik der globale Temperaturanstieg auf weniger als 2 °C über
dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden kann, würde eine klimainduzierte
Gefährdung der internationalen Sicherheit wahrscheinlich abgewendet.
Kernaussagen des IPCC zu Klimaauswirkungen
auf Afrika
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Dagegen erwartet der WBGU im Fall des Scheiterns der Klimaschutzbemühungen etwa ab 2025–2040 klimainduzierte Sicherheitsrisiken in den Weltregionen. Die besondere Herausforderung besteht darin, dass die Klimapolitik bereits in den nächsten 10–15 Jahren entschieden handeln muss, um sozioökonomische Verwerfungen und Folgen für die internationale Sicherheit zu vermeiden, die in den dann kommenden Jahrzehnten an Schärfe gewinnen würden.
[...] Deutschland und die EU sollten
wesentlich stärker als bisher in eine kohärente und zukunftsgerichtete
gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik investieren und nationale
Egoismen zurückstellen."
Quelle: WBGU
2007: Sicherheitsrisiko Klimawandel. Zusammenfassung für Entscheidungsträger.