Startseite
> Klima > KlimaKompakt
> Nr. 5
Die Bahn plädiert für
Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe (LSVA)
Güter auf die Schiene!
Angesichts der derzeitigen Aktionen
der LKW-Fahrer gerät leicht aus dem Blickfeld, dass der Straßengüterverkehr
deutlich mehr externe Kosten - etwa Unfallschäden, Straßenverschleiß
sowie Lärm-, Schadstoff- und Treibhausgasemissionen - verursacht,
als er selbst durch Steuern bezahlt. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen,
diese Störungen des Marktes durch neue gesetzliche Regelungen in einer
Weise zu korrigieren, die zugleich die Wettbewerbsverzerrung zugunsten
anderer EU-Staaten reduziert. Der folgende Beitrag von Stephan Breuer gibt
die Position der Bahnen dazu wieder.
Rollende Lager und die gegenwärtige
konjunkturelle Erholung führen zu einem rasanten Anwachsen der Transportströme.
Die EU-Osterweiterung und eine vermehrte internationale Arbeitsteilung
beschleunigen das weitere Wachstum. Während das Verkehrsaufkommen
für Schiene und Binnenschifffahrt zurückging, hat diese Entwicklung
den Straßengüterverkehr in zehn Jahren verdoppelt.
Noch ist genug Platz auf der
Schiene
Die Konsequenz: Obwohl Deutschland
das dichteste Straßennetz Europas besitzt, sind lange Staus an der
Tagesordnung. Die rechte Spur der Autobahn besteht wochentags aus einer
endlosen LKW-Schlange.
Straße nahezu kostenfrei
Der wesentliche Grund für diese
Übernachfrage besteht darin, dass das Gut "Straße" nahezu kostenfrei
zur Verfügung gestellt wird. Bau, Unterhalt und Betrieb der Straßen
werden durch den Staat finanziert. Der Infrastruktur-Preis jedes zusätzlich
gefahrenen Kilometers beträgt 0,00 Pfennige. Umso mehr gilt dies für
LKW auf internationalen Routen. Sie bezahlen, wenn sie vorher im Ausland
getankt haben, nicht einmal Steuern. Die Fuhrunternehmer verhalten sich
betriebswirtschaftlich logisch, wenn sie die für sie nahezu kostenlose
Straße maximal nutzen. Die Schäden der schweren Lkw an Straßen,
Brücken, Mensch und Umwelt tauchen in dieser Kalkulation schon gar
nicht auf.
Schweiz als Vorbild: 70 Pfennig pro
Kilometer
Das verkehrspolitische Zukunftslabor
"Schweiz" hat eine Lösung entwickelt, die zur Nachahmung auffordert:
Die Straßennutzer müssen für die von ihnen jeweils verursachten
Kosten tragen. Das Instrument dafür heißt leistungsabhängige
Schwerverkehrsabgabe. Ab Januar muß jeder Lkw dort zahlen. Und zwar
auf allen Straßen für jeden Kilometer. Zunächst 0,70 DM,
ab 2005 gut 1,30 DM je Laster. So werden die Zukunftsprojekte der Schweizer
Bahnen finanziert (gut 70% der Mittel) und Anreize für mehr Transporteffizienz
gesetzt.
Das rot-grüne Bundeskabinett
hat beschlossen, ein solches Instrument ab 2003 auch in Deutschland einzuführen.
Die LSVA ist nicht nur ein wichtiger Schritt in Richtung Kostenwahrheit
im Verkehrsmarkt, sondern auch ein überfälliger Schritt zur Gleichbehandlung
von Straße und Schiene. Ein LKW-Fahrer kann für 2.500 DM eine
Eurovignette kaufen und damit das deutsche Straßennetz ein ganzes
Jahr ohne Kilometerbegrenzung nutzen. Bundes-, Land- und Kreisstraßen
sind ohnehin gratis. Bei einer Jahresfahrleistung von 120.000 km kommt
er damit dreimal um die Erde. Für die selben 2.500 DM darf die Bahn
einmal von Hamburg nach Frankfurt/Main fahren - einfach. Um den Wettbewerb
fair zu gestalten, sind aber gleiche Rahmenbedingungen erforderlich.
25 Pfennig pro Kilometer in Deutschland
nur ein Einstieg
Daher ist eine Einführung der LSVA
in angemessener Höhe erforderlich. Die momentan diskutierten 25 Pf.
können hier sicherlich nur der Einstieg sein. Vor allem ist es wichtig,
die LSVA von Anfang an planbar zu dynamisieren, um Spediteuren, Wirtschafts-
und Transportunternehmen den Umstieg zu erleichtern. Vor allem aber bieten
die "frischen" Mittel aus der LSVA die seltene Chance, das Gesamtsystem
"Verkehr" in Richtung zukunftsfähiger Mobilität umzugestalten.
Der im "Anti-Stau-Programm" des Bundesverkehrsministeriums angekündigte
Investitionsteil des LSVA-Aufkommens für umweltfreundliche Transportalternativen
im Güterverkehr (Schiene 38%, Binnenschiff 12%) ist hier sicherlich
ein erster Schritt. Ausreichen dürfte er allein noch nicht. Manchmal
sind die Ideen der kleinen Brüder eben nicht die schlechtesten - gerade
wenn sie schweizerisch sprechen.
zuletzt geändert
am 10.10.00