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Kurzberichte: CCS in den UN-Klimaverhandlungen


Die UN-Klimagipfel und Zwischenverhandlungsrunden sind auch für das Thema CCS (CO2-Abscheidung und -Lagerung) ein wichtiges Forum für Diskussionen und politische Weichenstellungen. Die folgenden Kurzberichte dokumentieren einige wichtige Etappen.
 
 
UN-Klimaverhandlungen in Bonn (31. Mai bis 11. Juni 2010) UN-Klimaverhandlungen in Bonn (1.-12. Juni 2009) Klimagipfel in Posen/Polen (1.-12. Dezember 2008)

 

UN-Klimaverhandlungen in Bonn (31. Mai bis 11. Juni 2010)

Behandlung von CCS (CO2-Abscheidung und -Lagerung) bei SBSTA 32 (31. Mai 2010)

Die zweite Sitzung des Nebenorgans SBSTA (Subsidiary Body for Scientific and Technological Advice) der Klimakonvention am Nachmittag des 31. Mai behandelte unter anderem das Thema CCS. Seit den SBSTA-Sitzungen in den vorangegangenen drei Jahren, haben sich die Positionen der einzelnen Staaten nur wenig geändert.

Saudi Arabien begann mit der Feststellung, der extrem langsame Fortschritt würde sie betroffen machen. Saudi Arabien fordert eine Verankerung der CCS-Technologie im CDM (Clean Development Mechanismus) und kritisiert deshalb, dass die aus ihrer Sicht vielversprechendste Emissionsminderungs-Technik CCS nicht angewandt werden könnte. Auch Norwegen bewertet CCS nach dem Instrument der Energieeffizienzsteigerung als vergleichbar wichtig, wenn sie auch betonen, dass CCS kein Ersatz für andere Emissionsminderungstechniken darstellt. Weitere Länder, die eine Verankerung von CCS im CDM fordern, sind Australien, Kuwait und Japan.

Kuwait fordert zur Kompromissfindung die Einrichtung einer Kontaktgruppe.

Doch es gibt auch Skeptiker und Ablehnende. Benin, das für die am wenigsten entwickelten Staaten spricht (Least Developed Countries - LDCs), sieht Bedarf für weitere Studien über die Lagerungs-Standorte.

Jamaika erkennt das große Emissionsminderungspotential der CCS-Technologie an, betont allerdings seine starke Opposition gegen die Aufnahme von CCS in den CDM und zählt die noch offenen Fragen in der Debatte auf: Leckagemöglichkeiten und Zweifel an der Permanenz. Sie fürchten, dass die geologische CO2-Verbringung nicht vollständig abgeschlossen ist, so dass CO2 entweicht und damit das Klima und möglicherweise auch Lebewesen schädigt. Weiterhin sind sie nicht davon überzeugt, dass die Speicherung dauerhaft ist. Solange keine Einigung über hohe Reduktionsziele besteht, sind sie gegen die Aufnahme von CCS in den CDM für die noch zu verhandelnde zweite Verpflichtungsperiode.

Barbados schließt sich dem an und verweist auf die Aussagen des CDM-Exekutivrates zu CCS, welcher die offenen Punkte zu CCS aufzählt. Einzig EOR - Enhanced Oil Recovery (Ausweitung der Ölförderung durch Einpressen von Gas zur Erhöhung der Erdöl-Ausbeute) - sei hinsichtlich CCS in einem reifen Stadium. Deshalb bräuchte man keine Kontaktgruppe zu CCS.

Mikronesien schließt sich den beiden Vorgenannten an. Brasilien ebenso, auch wenn sie CCS als mögliche Emissionsminderungsoption sehen, als keine Option sehen sie allerdings den Einbezug in den CDM. Ägypten sähe gerne eine Kontaktgruppe, Sambia hingegen nicht. Die letzte Ländermeldung kommt von Trinidad und Tobago, das davor warnt, die Anwendung von CCS als Anlass dafür zu nehmen, wie bisher weiterzumachen. Für die zweite Verpflichtungsperiode würden sie den Einbezug von CCS in CDM befürworten.

Nach dem Ende der Wortmeldungen schlägt der SBSTA-Vorsitzende Mama Konaté aus Mali vor, das Thema in informellen Konsultationen weiterzubehandeln. Die Delegierten Pedro Barrata (Portugal) and Garcia Guerrero (Kolumbien) werden als Verantwortliche vorgeschlagen und sollen ihre Ergebnisse am 9. Juni vorlegen.

Manfred Treber
 

Kuhhandel vorerst abgewendet (8. Juni 2010)

Durch die im SBSTA-Eröffnungsplenum am Nachmittag des 31. Mai beschlossenen informellen Konsultationen zum Thema CCS-Verankerung im CDM, ist die Zivilgesellschaft formal von den Verhandlungen ausgeschlossen. Informationen über den Fortgang in den Verhandlungen können so lediglich durch inoffizielle Gespräche gewonnen werden.

Dabei erfährt man, dass sich ein Kuhhandel hätte anbahnen sollen. Brasilien führte im Rahmen der Verhandlungen um REDD ("reduced emissions from deforestation and forest degradation") mit "forests in exhaustion" einen neuen Begriff ein, mit Hilfe dessen weitere Emissionserlaubnisse hätten gutgeschrieben werden können.

Der Begriff "forests in exhaustion" wurde auf COP 14 in Posen durch Brasilien eingeführt und betrifft seit 1990 wiederaufgeforstete Flächen, die bisher vom CDM ausgeschlossen sind. Ihr Einbezug in den CDM würde zu einer drastischen Zunahme der vorhandenen Emissionserlaubnisse führen.

Saudi Arabien, das sich bekanntermaßen stark für den Einbezug von CCS in den CDM einsetzt, votiere gegen den Vorschlag Brasiliens. Denn auf diese Weise entstand ein Pfand: Würde Brasilien, das den Einbezug von CCS in den CDM ablehnt, seinen Widerstand gegen CCS im CDM aufgeben, hätten sich die Saudis beim Thema "forests in exhaustion" bewegt.Doch die Rechnung geht nicht auf, die EU bleibt hart und verhinderte damit die Flut neuer Emissionserlaubnisse.

Weiterhin besteht allerdings die Gefahr, dass sich die Situation ändern könnte, wenn etwa unter Zeitdruck unbedingt ein Kompromiss gefunden werden muss und dabei das Thema wieder hochkommt.

Manfred Treber
 

Das SBSTA-Finale (9. Juni 2010)

Die (als solche geplante) abschließende SBSTA-Sitzung begann um 17.10 Uhr und lief bis auf den letzten Tagesordnungspunkt wie vorher geplant (alle Dokumente wurden ohne Änderungen angenommen).

So auch Dokument L.11 (exakt heißt es 'FCCC/SBSTA/2010/L.11' mit dem Titel: "Carbon dioxide capture and storage in geological formations as clean development mechanism project activities"). Interessanterweise steht darin nicht nur, wie in den Sitzungen der Jahre zuvor, man würde das Thema bei der nächsten Sitzung weiter behandeln. Sondern es finden sich in den Schlussfolgerungen des Vorsitzenden inhaltliche Aussagen und als Weiteres sogar Elemente eines Entwurfs für eine Entscheidung der Vertragsstaatenkonferenz ("Draft COP-decision").

Die inhaltlichen Aussagen benennen zehn Punkte [a) Non-permanence, including long-term permanence;(b) Measuring, reporting and verification; (c) Environmental impacts; (d) Project activity boundaries; (e) International law; (f) Liability; (g) The potential for perverse outcomes; (h) Safety; (i) Insurance coverage and compensation for damages caused due to seepage or leakage], zu denen sich Vertragsstaaten eingebracht hatten und wozu sie Gesprächs- und Überprüfungsbedarf anmelden. Die nächste Sitzung von SBSTA (SBSTA 33) würde sich dem annehmen, und die Parteien könnten sich vorher dazu schriftlich einbringen.

In den Elementen der draft COP/MOP-decision gibt es eine Verzweigung: Der eine Pfad führt zur Ablehnung des Einbezugs von CCS im CDM, der andere akzeptiert CCS als Technik, die für den CDM in Frage kommt. Darunter werden die genannten Punkte neben anderen gleichermaßen eingeführt und ansatzweise operationalisiert.

Manfred Treber
 

UN-Klimaverhandlungen in Bonn (1.-12. Juni 2009)

Internationale Energieagentur entwickelt Roadmap für CCS-Technologie (11.6.09)

Die Internationale Energieagentur (IEA) führte am 11. Juni 2009 im Rahmenprogramm der Klimaverhandlungen eine Veranstaltung zum Thema "CO2-Reduzierung im Stromsektor" durch. Hauptsächlich konzentrierten sich dabei die Vorträge auf das Thema Energieeffizienzsteigerung. Interessante Ideen zum Thema CCS-Technologie wurden aber auch innerhalb der Veranstaltung präsentiert.

Die IEA verfolgt mittlerweile ambitionierte Klimaschutzszenarien. Im World Energy Outlook 2008 wurden die Beiträge verschiedener Technologien quantifiziert, um eine Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration bei 450 ppm zu erreichen. Aus Sicht der IEA kann durch CCS-Technologie ein Fünftel der bis zum Jahr 2050 notwendigen Reduktionen erreicht werden.

Auf dem G8-Gipfel in Hokkaido (2008) wurde CCS als eine von zwei Dutzend Technologien zur Emissionsreduzierung angeführt. Konsequenterweise beschloss die IEA im November 2008 eine CCS-Roadmap. Sie enthält beispielsweise spezifische Zeitpläne, wann verschiedene Anlagen bereitstehen sollen, und formuliert notwendige Meilensteine der technischen Leistungen von CCS-Anlagen.

Besonders betont wurde, dass CCS die einzige Lösung für Niedrig-Kohlenstofftechniken für Stahlerzeugung, Zementherstellung sowie Kohle- und Erdgasnutzung wäre.

Folgende Prioritätenliste im Zusammenhang mit CCS-Techniken wurde genannt, die schnellstmöglich angegangen werden sollten. Denn nur in den kommenden zehn Jahren wird ein Fenster der Gelegenheit dafür geöffnet sein:

schnelle Inbetriebnahme von CCS-Demonstrationsanlagen in (den oben genannten) zentralen Industriesektoren
Nachrüstung von bestehenden Kohlekraftwerken mit CCS
Biomassenutzung in Verbindung mit CCS.

In Bezug auf die notwendigen Rahmenbedingungen wäre ein stabiler internationaler  Kohlenstoffpreis für CCS ein notwendiger (aber nicht ausreichender) erster Schritt.

Auf Nachfrage von Germanwatch-Klimareferent Dr. Manfred Treber gab der IEA-Experte Tom Kerr an, dass die Lagerung von CO2 kein Kernthema der IEA sei. Die Organisation sieht für die Entwicklung unterirdischer Raumpläne zur CO2-Speichermöglichkeit die Nationalstaaten in der Verantwortung. In Australien wird momentan an der Erstellung eines weltweiten Atlas zu CO2-Speicherstätten gearbeitet.

Manfred Treber
 

'T' - das 'missink link' bei CCS (4.6.09)

Am 3. Juni wurde im Rahmenprogramm der Klimaverhandlungen von der deutschen Delegation eine Veranstaltung über CCS durchgeführt, die von Gabriela von Goerne (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) moderiert wurde.

Die ersten drei Vorträge waren technisch-naturwissenschaftlicher Natur.

Es ging beispielsweise um das entstehende CO2-Kataster. Derzeit ergibt die Abschätzung der Lägerstätten in Deutschland: Mutmaßlich Kapazität für 2,75 Gt CO2 (Milliarden Tonnen Kohlendioxid) in leeren Gasfeldern, in salinen Aquiferen ist es viel mehr (20+/-8 Gt), aber die Unsicherheit ist auch größer. Die Mindesttiefe der Oberkante der Lagerstätten liegt bei 800 m, also in Deutschland weit unterhalb des Süßwassers. Es ist lagerspezifisch, wie sicher das Monitoring von Leckagen ist.

Der letzte Vortrag (Felix Matthes) sprach eine bestehende Schwachstelle von CCS an: Das fehlende 'T' - vollständig müsste es eigentlich CCTS heißen. Das T (Transport) ist das fehlende Glied bei CCS, hierüber herrscht große Unkenntnis.

Denn dazu bedarf es einer Entscheidung unter großer Unsicherheit ... wir wissen nicht, ob und wieviel CCS wir brauchen oder wollen. Wenn jedoch mit dem Bau der Pipelines (welche nicht preiswert sind: eine halbe Milliarde Euro Investitionen für 300 km) gewartet wird, bis wir diese Fragen einigermaßen präzise beantworten können, verzögert sich die Einführung der CCS-Technologie um 10 bis 15 Jahre. Es drängt sich förmlich auf, dass das Management der Unsicherheit der bestimmende Punkt werden wird. Etwa auch zu Fragen der Dimensionierung: Wenn 50% mehr ausgegeben wird, kann die Kapazität vervierfacht werden. Aber keiner weiß, was gebraucht wird.

Die Akzeptanzfrage ist beim Pipelinebau ein zentraler Punkt: bei 300 km Pipeline gibt es 1000 Enteignungen. Deshalb ist bestimmend zu vermitteln, dass (die teilweise ungeliebte) Kohle nicht der Treiber von CCS ist, denn in einem Industrieland wie Deutschland wird CCS (wenn die Technologie hält, was sie verspricht) auch ohne die Kohleverstromung gebraucht, nämlich um die CO2-Emissionen aus industriellen Prozessen wie Stahl-, Zement- und Chemikalienproduktion sowie (als Strategie für negative Emissionen) aus der Biomassenutzung zu speichern. Um dies schlüssig und überzeugend darlegen zu können, ist es allerdings notwendig, dass wir gesellschaftlich eine Langfristvision als Referenz haben, nach der der lange nutzbare Kapitalstock ausgerichtet wird.

Zum Abschluss noch eine Abschätzung für die Dimensionen, um die es geht. Jährlich werden 80 mio t CO2 (also knapp 10 % des deutschen CO2) von industriellen Prozessen ausgestoßen.
Legt man den Bedarf für CO2-Transport und -lagerung auf 100 mio t CO2 pro Jahr aus, dann reichen die deutschen gesicherten Lagerstätten für 50 Jahre. Gedacht ist an eine Vorfinanzierung durch den Staat, der Nutzer zahlt natürlich Nutzerentgelte. Noch nützlich ist es festzustellen, dass die CO2-Infrastruktur diskriminierungsfreien Zugang haben sollte.

>> Side Event im UN webcast

Manfred Treber
 

CCS trotz der gewachsenen Notwendigkeit starker Emissionsminderungen weiterhin umstritten (2.6.09)

Auf der zweiten Sitzung des Nebenorgans SBSTA kam erneut das Thema CCS auf die Tagesordnung, und zwar verbunden mit der Frage, ob CCS als mögliche Projektkategorie im Rahmen des projektbasierten Emissionshandels mit Entwicklungsländern (CDM) in Frage kommen soll.

Für Kanada ist CCS eine der Schlüsseltechnologien für die Emissionsminderung, bis zum Jahr 2015 würden drei Milliarden kanadische $ für CCS ausgegeben. CCS sollte bei denkbaren sektoralen Maßnahmen einbezogen werden. Auch Australien spricht sich klar dafür aus, CCS in dem CDM aufzunehmen, und Kuwait hält ein flammendes Plädoyer für CCS, insbesondere in Verbindung mit EOR (Enhanced Oil Recovery), und möchte CCS im CDM sehen. Gleichzeitig bedauert Kuwait, dass der Exekutivrat des CDM noch keine weiteren Arbeiten zu CCS im CDM gemacht hat. Nigeria unterstützt die Einführung von CCS in den CDM und äußert die Hoffnung, dass damit das Abfackeln von Gas, das regional zu saurem Regen führen würde, vermindert wird.

Soweit die Befürworter. Doch auch CCS-Gegner melden sich zu Wort. Argentinien sieht bei der Anwendung von CCS lediglich ein Fortführen der bisherigen Nutzung fossiler Energieträger und sieht die Gefahr, dass durch die Nutzung von CCS die notwendige Einführung der Erneuerbaren Energien verzögert würde. Brasilien will CCS nicht im CDM sehen, CCS solle keine Technologie sein, die dafür in Frage kommt. Venezuela ist besorgt, dass CCS doch noch eine Zukunft im CDM haben wird.

Helen Plume, die Vorsitzende von SBSTA, stellt dementsprechend zutreffend fest, es gäbe noch unterschiedliche Meinungen, und kündigt an, sie würde bilaterale Konsultationen duchführen und die Ergebnisse dann nächste Woche dem Plenum berichten.

Abschließend kommt noch eine Wortmeldung aus der Beobachterecke. Das World Coal Institute stellt dar, viele würden meinen, ohne CCS gäbe es keine überzeugende Antwort auf den Klimawandel. Entwicklungsländern solle nicht der Zugang zu CCS-Technik verweigert werden.

Manfred Treber
 

Klimagipfel in Posen/Polen (1.-12. Dezember 2008)

CCS-Verhandlungen erneut gescheitert (9.12.08)

Am heutigen Dienstag stand das Thema "CCS im CDM" (Carbon Capture and Storage im Clean Development Mechanismus) erneut auf der Tagesordnung. Für 10 Uhr war dazu eine eineinhalbstündige zweite Sitzung der gleichnamigen Kontaktgruppe anberaumt. Seit dem letzten Treffen hatten mehrere Treffen der entsprechenden informellen Gruppe (d.h. Treffen unter Ausschluss der Nichtregierungsorganisationen) stattgefunden, um für die Kontaktgruppe einen Entwurf für einen Beschluss der COPMOP (Plenum) vorzubereiten. Der nun der Kontaktgruppe vorliegende Text enthält zwei Optionen: Die erste ist für die Aufnahme von CCS in den CDM, die zweite dagegen. Etwa gleich viele Staaten sind für die eine bzw. für die andere Option. Die Kontaktgruppe tagte ganze zehn Minuten, um folgend wieder in informeller Runde weiterzuverhandeln.

Um 18 Uhr fand schließlich die dritte Sitzung der Kontaktgruppe statt. Es zeichnete sich kein Konsens, also ein Scheitern dieser Gruppe ab, da es keinen neuen Vorschlag gab. Blieb die Frage, wie mit dem Scheitern weiter verfahren würde. Dafür gab es zwei Möglichkeiten: Entweder könnte das Thema an die Minister zur Entscheidung weitergeleitet, oder es könnte der bestehende Entwurf des Beschlusses für die COPMOP an die 31. Sitzung des Nebenorgans SBSTA in einem Jahr (also während des Klimagipfels in Kopenhagen) zum Weiterbehandeln überwiesen werden. Nach den geltenden Verhandlungsregeln ist in jedem Fall eine Konsensentscheidung notwendig.

Es gibt aber noch einen dritten Weg, wenn kein Konsens gefunden werden kann: Zurück zum Start. Die auf der Sitzung in Posen erarbeiteten Texte werden alle verworfen. Da dies zu hart klingt, wird das diplomatisch mit den Worten ausgedrückt, man werde automatisch auf der nächsten Sitzung von SBSTA im Juni 2009 in Bonn wieder von vorne anfangen. Nach wenigen Worten der Vorsitzenden der Kontaktgruppe war klar, dass keine der vorgeschlagenen Optionen Aussicht auf Konsens hatte. So wurde im Konsens der Beschluss gefasst, Anfang Juni 2009 zum Thema "CCS im CDM" wieder von vorne mit den Verhandlungen zu beginnen.

Das behagte Saudi Arabien überhaupt nicht. Obwohl der Vorschlag, das Thema an die Minister weiterzuleiten, keinen Konsens gefunden hatte und damit abgelehnt war, unkte der Saudi Al Sabban am Ende der Kontaktgruppensitzung, sie wuerden "CCS im CCM" vor die Minister bringen. Später tauchten dann Gerüchte auf, die Saudis würden das in einen anderen Tagesordnungspunkt verpacken, der den Ministern vorzulegen ist.

Manfred Treber
 

Kontaktgruppe zu CCS im CDM: Noch wenig Bewegung in Posen (4.12.08)

Die Kontaktgruppe zu CO2-Abscheidung und -Lagerung (CCS) im Clean Development Mechanism (CDM) am Donnerstag bildet - in übertriebenem Maße - ab, was sich zum bisherigen Verlauf der Klimaverhandlungen in Posen sagen lässt: Nicht viel Neues, kaum neue Impulse.

Es sind etwa soviele Teilnehmer für den Klimagipfel angemeldet wie in Kyoto und Bali. So herrscht an vielen Stellen Enge. Sei es beim täglichen Treffen der Nichtregierungsorganisationen, die im Climate Action Network zusammenarbeiten, wo der schmale, dafür aber umso längere Raum mit über hundert Personen überfüllt ist, oder auch gerade die Kontaktgruppe zu CCS im CDM, wo leicht verspätet kommende Delegierte keinen Platz mehr an einem Tisch finden, sondern froh sein müssen, überhaupt noch einen Sitzplatz zu finden. Der Raum ist prall gefüllt, und dementsprechend ist die Luft schnell verbraucht - und sie erwärmt sich spürbar.

Man könnte meinen, dass dies die Delegierten, welche sich zu Wort melden, im Tempo des Entwickelns produktiver, nach vorne zeigender Gedanken arg bremst. So scheint es, aber real ist natürlich, dass sie ihre Wortmeldungen aus den Hauptstädten nach Posen mitgebracht haben, um sie vorzutragen. Die Kontaktgruppe war in der Zeit, in der auch Beobachter zugelassen waren, reine Zeitverschwendung. Die Staaten haben ihre Positionen, die sie bisher schon vorgetragen hatten - man verhandelt bereits seit zwei Jahren zu diesem Thema - erneut ausgesprochen, und sie weichen keinen Deut davon ab.

Grenada (für die AOSIS - die Allianz kleiner Inselstaaten) ist gegen den Einbezug von der Technologie zur Abscheidung und Lagerung von CO2 (CCS) in den CDM: Es sei noch keine erprobte Technologie, die Geochemie sei noch weitgehend unbekannt, ebenso sei die Langzeitsicherheit der Lagerstätten unklar.

Andere gehen von der Grundüberlegung aus, dass sich ohne CCS höchstwahrscheinlich die ehrgeizigen Klima-Reduktionsziele (Zwei-Grad-Limit) nicht verwirklichen lassen. Die EU ist deshalb für CCS aufgeschlossen, sogar für einzelne Pilotprojekte im CDM. Würde man das machen, könnte man nach einer Pilotphase die Frage beantworten, ob CCS eine Technik wäre, die zum CDM passt.

Brasilien hingegen weist darauf hin, dass CCS in seiner Natur inkompatibel mit dem CDM sei, würde man es in Verbindung mit EOR (Enhanced Oil Recovery) einsetzen. Aus erschöpften Ölfeldern könnte so noch mehr Öl aus dem Boden geholt werden. Für so etwas sei - so Brasilien - der CDM nicht gedacht.

In der Tat wäre es viel sinnvoller, wenn die EU Vorschläge auf den Tisch legen würde, durch welchen Technologie-Deployment-Mechanismus die CCS-Technologie zeitnah in Schwellenländern getestet werden kann.

Damit wäre auch das Argument von Saudi Arabien widerlegt. Denn diese sehen in CCS die vielversprechendste Technologie, um die Emissionen zu senken. Würde CCS vom CDM ausgeschlossen, hieße das, dass die Entwicklungsländer erneut vom Zugang zu einer wichtigen Technologie ausgeschlossen werden.

Weitere Staaten melden sich zu Wort (Jamaika, Indien, Mikronesien dagegen, Australien, Norwegen und Japan dafür), aber das geschieht im gleichen Wortlaut, wie er in den letzten zwei Jahren bereits öfter ausgesprochen worden war.

Dann ist die dreiviertel Stunde um, die Beobachter werden gebeten, den Raum zu verlassen. Die verbleibenden Delegierten werden sich eine weitere dreiviertel Stunde austauschen. Ob sich da die Art und Weise des Austauschs grundsätzlich ändern wird?

Manfred Treber
 

Die Berichterstattung wird vom Bundesumweltministerium und vom Umweltbundesamt gefördert. Die Förderer übernehmen keine Gewähr für die Richtigkeit, die Genauigkeit und Vollständigkeit der Angaben sowie für die Beachtung privater Rechte Dritter. Die geäußerten Ansichten und Meinungen müssen nicht mit denen der Förderer übereinstimmen.
 


zuletzt geändert am 13.7.10