Pressemitteilung
Valencia/Bonn, 17.11.07. Der Weltklimarat wagt es nicht mehr, eine Obergrenze für den Meeresspiegelanstieg abzuschätzen. Dies ist nach Ansicht der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch eine der wichtigsten Botschaften des heute verabschiedeten Syntheseberichts. "Dass der IPCC jetzt unmissverständlich auf die Gefahren dynamischer Schmelzprozesse hinweist, vor allem in Grönland und der Westantarktis, ist ein ernst zu nehmendes Signal." kommentiert Dr. Manfred Treber, Klimareferent von Germanwatch und langjähriger Beobachter des IPCC-Prozesses. Für den aufmerksamen Leser sei zwar bereits aus dem ersten Arbeitsgruppenbericht ersichtlich gewesen, dass die darin angegebene Höchstschätzung von 59 cm Meeresspiegelanstiegs bis Ende des Jahrhunderts keinesfalls eine Obergrenze darstellt, nun werde jedoch sehr ausdrücklich darauf hingewiesen.
Treber, der die Beratungen in Valencia verfolgte, kommentiert: "Dass UN-Generalsekretär Ban an der Abschlusspressekonferenz teilnahm, zeigt die Bedeutung der Arbeit des IPCC". Die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Weltklimarat unterstreiche dies zusätzlich.
"Während der IPCC bis heute
damit beschäftigt war, seine drei Teilberichte der vergangenen Monate
im Synthesebericht zusammenzufassen, geht die Klimawissenschaft bereits
auf die Überholspur." erläutert Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer
von Germanwatch. So seien jüngste Erhebungen, die im IPCC-Bericht
nicht mehr berücksichtigt werden konnten, ein deutliches Warnsignal.
"Die höchsten Szenarien des Weltklimarats zur CO2-Emissionsentwicklung
könnten noch übertroffen werden, wenn sich der Trend der letzten
Jahre fortsetzt und kein schnelles Umsteuern erfolgt" resümmiert Bals
das Ergebnis dieser Studie australischer Forscher [1] und richtet den Blick
auf den nächsten Klimagipfel: "Wir brauchen eine gerechte Strategie
zur Bekämpfung eines in großem Maßstab gefährlichen
Klimawandels und zur Teilung der Lasten der Anpassung. Wir brauchen eine
globale Klimapartnerschaft. In diesem Sinne muss Bali die Verhandlungen
um ein wegweisendes Abkommen für die Zeit nach 2012 einläuten.
Der IPCC hat hierfür ein klares Signal an die Staatengemeinschaft
gesendet."
[1] Raupach et al. (2007), PNAS,
http://www.pnas.org/cgi/reprint/104/24/10288
Auszüge aus dem Synthesebericht zum Thema Meeresspiegelanstieg:
"Because understanding of some important effects driving sea level rise is too limited, this report does not assess the likelihood, nor provide a best estimate or an upper bound for sea level rise."
"Dynamic processes related to ice
flow - which are not included in current models but suggested by recent
observations - could increase the vulnerability of the ice sheets to warming,
increasing future sea level rise. Understanding of these processes is limited
and there is no consensus on their magnitude."
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