Gemeinsame Pressemitteilung von Germanwatch und Verbraucher Initiative
Berlin, 14. Januar 2008: Junge Menschen sind ernsthaft besorgt über die sozialen und ökologischen Auswirkungen der Herstellung und Entsorgung von Unterhaltungselektronik. Eine Mehrheit von jungen Verbrauchern aus Europa verlangt, dass die Elektronikfirmen dafür mehr Verantwortung übernehmen sollen. Viele Jugendliche würden sogar höhere Preise akzeptieren, wenn sie sicher sein könnten, dass die Produkte verantwortlich hergestellt wurden. Die vergleichende Studie mehrerer Länder wurde heute vom europäischen Netzwerk makeITfair vorgestellt.
Insgesamt fühlen sich mehr als zwei Drittel der befragten Jugendlichen nur ungenügend über die sozialen und ökologischen Probleme von Unterhaltungselektronik wie Handys, Laptops und Spielkonsolen informiert. Junge Leute in Deutschland und den Niederlanden zeigen sich dabei mit 35% und 34% deutlich informierter als die Befragten in Finnland und Schweden, wo der Informationsgrad nur 21%, bzw. 19% beträgt. Wenn den Jugendlichen die bestehenden Probleme wie Kinderarbeit und Menschenrechtsverletzungen bei der Rohstoffgewinnung für die Elektronikindustrie, schlechte Arbeitsbedingungen in den Elektronikfirmen in Asien und die Verkippung von Elektroschrott in Entwicklungsländern bewusst werden, dann zeigen sich 40% von ihnen regelrecht schockiert.
Junge Leute sehen Hersteller und Vertriebsfirmen als Hauptverantwortliche: 85% erklärten, dass diese Firmen aktiv werden sollten, um die Probleme zu lösen. Aktuell berücksichtigt jedoch keine der IT-Markenfirmen die sozialen und ökologischen Probleme in ausreichendem Maße. "Die Führungsposition für fair produzierte Unterhaltungselektronik ist noch unbesetzt", sagt Cornelia Heydenreich von Germanwatch, einer der deutschen Trägerorganisationen von makeITfair. "Die spannende Frage ist nun, welcher Hersteller diesen vielversprechenden neuen Markt zuerst bedienen wird."
Die Studie belegt auch die Handlungsbereitschaft europäischer Jugendlicher: 45% der Befragten sagten, dass sie sich an Aktionen beteiligen würden, um Änderungen zu bewirken. Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen aus allen vier Ländern gab an, dass sie gern bereit wären, 10% mehr für fair und verantwortlich hergestellte Produkte zu zahlen. 52% unterstützen ein Importverbot für unfaire Unterhaltungselektronik und 72% stimmten dafür, dass die illegale Entsorgung von Computern in Entwicklungsländern verboten werden sollte.
Zu der wachsenden Nachfrage gehört
auch das öffentliche Beschaffungswesen. So will beispielsweise die
niederländische Regierung von 2010 an nur noch fair produzierte Computer
kaufen. "Die Unternehmen sollten die Nachfrage der privaten und öffentlichen
Verbraucher ernst nehmen und sich um faire Alternativen bemühen, auch
wenn die Realisierung von fairen Herstellungsbedingungen noch deutlich
mehr Engagement der Hersteller erfordert", unterstreicht Volkmar Lübke
von der Verbraucher Initiative, die ebenfalls Träger des Netzwerks
makeITfair ist.
Weitere Infos
Informationen für die
Presse
Die niederländische Agentur "Trendbox" führte die Marktstudie Ende 2007 in Deutschland, Finnland, den Niederlanden und Schweden durch. Die Marktstudie ist auf Nachfrage auf Englisch erhältlich.
Kontakt:
makeITfair informiert über
die Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in der Produktionskette von
Unterhaltungselektronik, u.a. von Mobiltelefonen, MP3 Playern, Spielkonsolen
und Laptops. Neun Organisationen aus mehreren europäischen Ländern
kooperieren in diesem dreijährigen Projekt, das von der EU gefördert
wird. In Deutschland wird makeITfair von Germanwatch und der Verbraucher
Initiative getragen. Die anderen Projektpartner sind SOMO und IRENE aus
den Niederlanden, SwedWatch, Church of Sweden und Fair Trade Center aus
Schweden, FinnWatch / Finnish Association for Nature Conservation aus Finnland
und KARAT aus Polen.
makeITfair organisiert derzeit eine
Aktion, bei der Jugendliche eine E-mail an die größten Elektronikfirmen
schicken können.