Pressemitteilung von Germanwatch und der VERBRAUCHER INITIATIVE
Berlin, 15.05.09: Anlässlich des Welt-Telekommunikationstages am 17. Mai üben tausende Verbraucher europaweit Druck auf ihre Mobiltelefonunternehmen aus, damit sie sich innerhalb ihrer Lieferketten für "faire" Produktionsbedingungen einsetzen. "Diese Kampagne im Rahmen des makeITfair-Netzwerkes hat mehr als 8.000 Unterschriften gesammelt, um eine gerechte Bezahlung und bessere Arbeitsstandards in Zuliefererbetrieben in China zu fordern. Hierdurch wird deutlich, dass sich Verbraucher immer stärker Gedanken über die Herkunft ihres Mobiltelefons machen und eine Nachfrage nach fairen Handys vorhanden ist", so Cornelia Heydenreich von Germanwatch und deutsche Koordinatorin von makeITfair. Mehr als die Hälfte aller weltweit genutzten Mobiltelefone werden in China produziert. Wanderarbeiter arbeiten bis zu zwölf Stunden am Tag und verdienen umgerechnet nur etwa 40 Cents pro Stunde. Dies ist nicht ausreichend, um ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken.
"Handy-Hersteller verweigern die Auseinandersetzung über die geringe Entlohnung in der Branche. Zudem haben chinesische Arbeiter keinerlei Mitspracherecht. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich Verbraucher weltweit für eine gerechte Entlohnung, eine normale Arbeitsbelastung und die Bezahlung von Überstunden einsetzen", erklärt Annika Torstenson vom Fair Trade Center und Mitautorin einer Studie über die Handyproduktion. Dieser makeITfair-Bericht über chinesische und philippinische Arbeiter, der im Jahr 2008 veröffentlicht wurde, untersucht die Arbeitsbedingungen innerhalb der Lieferkette von Handy-Herstellern. Eine der Hauptsorgen der befragten Arbeiter war ihre geringe Entlohnung.
Die Unterschriften werden an die
Vorstandsvorsitzenden und die Abteilungen für Unternehmensverantwortung
aller großen Markenkonzerne übermittelt. Die Mehrzahl der Unterschriften
geht an die Firma Nokia, die als größter Produzent von Mobiltelefonen
einen Marktanteil von nahezu 40 Prozent hält. Dennoch blieb Nokia
einer von makeITfair und GoodElectronics initiierten Konferenz in der letzten
Woche in Amsterdam fern. Auf diesem Treffen diskutierten 18 der größten
Elektronikkonzerne, darunter drei Mobiltelefonhersteller, mit Gewerkschaften
und Nichtregierungsorganisationen darüber, wie die Bedingungen innerhalb
der Wertschöpfungskette verbessert werden könnten. Ebenso wie
Nokia werden auch Samsung, Motorola und Sony Ericsson eine Vielzahl an
Unterschriften erhalten. "Wenn Verbraucher mit ihrer Kaufentscheidung 'abstimmen',
dann wird Konsumentenmacht sichtbar", sagt Volkmar Lübke von der VERBRAUCHER
INITIATIVE, die ebenfalls Träger der makeITfair-Kampagne ist.
Die Unterschriften-Kampagne basiert auf der oben zitierten makeITfair-Studie "Silenced to Deliver: Mobile phone manufacturing in China and the Philippines", September 2008. Eine Zusammenfassung der Studie finden Sie hier.
Für Rückfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
Das Projekt makeITfair macht
darauf aufmerksam, wie die Arbeitsbedingungen in der Produktionskette von
Unterhaltungselektronik (Handys, MP3-Player, Spielekonsolen und Laptops)
aussehen, inwieweit dabei Menschenrechte verletzt werden und wie stark
die Umwelt durch die Produktion beeinträchtigt wird. Die Kampagne
wird durch die EU finanziell unterstützt und durch acht europäische
Organisationen getragen: SOMO, Germanwatch, VERBRAUCHER INITIATIVE, FinnWatch/Finnish
Association for Nature Conservation, Karat, SwedWatch, Church of Sweden
and Fair Trade Center. Die Kampagne zu Mobiltelefonunternehmen ist sowohl
eine Postkarten- als auch eine E-Mail-Aktion. Weitere Informationen: www.makeitfair.org
Der "Welt-Telekommunikations- und Informationsgesellschaftstag" wird jährlich am 17. Mai begangen mit dem Ziel, das Bewusstsein über die Möglichkeiten der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für die Gesellschaft zu erhöhen. Er wurde von der Internationalen Gewerkschaft der Telekommunikation ausgerufen.