Gemeinsame Presseerklärung von Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) und GERMANWATCH e.V.
Bonn, 11. September 2000: Pünktlich zur Zwischenrunde der UN-Klimaverhandlungen in Lyon (11. - 15. September 2000) veröffentlichen Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST) und GERMANWATCH in einem Arbeitspapier die aktuelle Entwicklung der globalen Kohlendioxidemissionen(1). "Die erfreuliche Entwicklung eines leichten Rückgangs der weltweiten energiebedingten CO2-Emissionen im Jahr 1999 gegenüber 1998 trotz starken Wirtschaftswachstums ist vor allem auf die engagierte Energiepolitik in China zurückzuführen. Dort wurden in den letzten Jahren massiv Subventionen für die Kohle gestrichen," faßt Dr. Werner Zittel (LBST) das zentrale Ergebnis des Papiers zusammen.
Das Vorgehen im Arbeitspapier besteht darin, die im jährlich erscheinenden BP Statistical Review of World Energy ausgewiesenen Energieverbrauchswerte in Kohlendioxidemissionen umzurechnen. "Die so entstandenen absoluten Emissionswerte beinhalten zwar eine gewisse Ungenauigkeit, sie sind jedoch bestens geeignet, um Trends und die relative Entwicklung der Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger abzubilden", kommentiert Dr. Manfred Treber, Klimareferent der Nord-Süd-Initiative Germanwatch, die Qualität und Belastbarkeit dieser Aussage.
Interessant ist auch die Entwicklung in den Industrieländern, die sich im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen dazu verpflichtet haben, ihre Emissionen bis Ende des Jahrzehnts gegenüber dem Wert des Jahres 1990 nicht zu steigern und später zu verringern. Die Industrieländeremissionen gingen von 1990 bis 1999 um knapp 3 Prozent zurück. "Dieser Rückgang ist vor allem auf die Entwicklung in den ehemaligen Zentralplanwirtschaften Mittel- und Osteuropas zurückzuführen. In den westlichen Ländern stieg der Ausstoß - abgesehen von Deutschland (-13%), dem Vereinigten Königreich (-7,3%) und Schweden (-2,3%) - überall an", erklärt Zittel.
Unter Klimaschutzaspekten positiv
zu bewerten ist der in den meisten Ländern zu verzeichnende Rückgang
des Marktanteils der Kohle als dem klimaschädlichsten Energieträger.
Auch hier zeigen sich die Auswirkungen rationaler Energiepolitik: War im
Jahr 1990 China noch der weltgrößte Kohleverbraucher, ist für
das Jahr 1999 festzustellen, daß die USA, welche auch den absolut
höchsten Zuwachs des Kohleverbrauchs aufwies, diesen Platz einnimmt.
"Es ist eine Schande für ein Land wie die USA, dessen Pro-Kopf-Ausstoß
an Treibhausgasen an der Weltspitze liegt und dessen Regierung Reduktionsverpflichtungen
übernommen hat, daß die reale Entwicklung genau in die andere
Richtung verläuft", bewertet Treber das Versagen der US-Politik und
fügt hinzu: "Gerade die USA, welche ihre Ratifizierung des Kyoto-Protokolls
lauthals an die Bedingung knüpft, wichtige Entwicklungsländer
(wie z.B. China) müßten sich sinnvoll an der weltweiten Klimapolitik
beteiligen, sollten sich an die Nase fassen und nicht mehr nur die internationale
Klimapolitik blockieren, sondern selbst endlich auch mit wirksamem Klimaschutz
beginnen und wenigstens soviel erreichen wie diejenigen, die sie im Widerspruch
mit allen völkerrechtlichen Vereinbarungen mit Forderungen überziehen."
(1) Analysis of BP Statistical Review of World Energy with respect to CO2-Emissions