Pressemitteilung
Bonn, 24.11.98. In einem Offenen Brief an Finanzminister Oskar Lafontaine und seine zuständigen Ressortkollegen fordern über 60 Gruppen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die Verhandlungen über ein Multilaterales Investitionsabkommen (MAI) in der OECD endgültig zu stoppen und nicht in der Welthandelsorganisation (WTO) fortzusetzen. Zu den Unterzeichnern gehören neben GERMANWATCH und WEED der BUND, Brot für die Welt, die Grüne Liga und terre des hommes.
Der Brief erscheint zeitgleich mit
einer ähnlichen Stellungnahme der internationalen MAI-Kampagne am
Vorabend des vorerst letzten Treffens der WTO-Arbeitsgruppe über Handel
und Investitionen (25.-26.11.1998) in Genf. Auf ihr wird eine Vorentscheidung
über die Aufnahme von Verhandlungen über ein Investitionsabkommen
in der WTO erwartet.
Jens Martens, Vorstandsmitglied
von WEED, stellt dazu fest: "Es reicht nicht, daß das MAI nur die
Adresse ändert. Denn die WTO ist einseitig auf Wirtschaftsinteressen
ausgerichtet und nicht in der Lage, ökologische und soziale Belange
angemessen zu berücksichtigen. Statt dessen sollte sich die neue Bundesregierung
dafür stark machen, daß unter dem Dach der UNO Verhandlungen
über internationale Investitionsregeln beginnen, die dem Ziel einer
sozial gerechten und ökologisch tragfähigen Entwicklung dienen."
In dem Offenen
Brief wird ausdrücklich begrüßt, daß die neue
Bundesregierung sich für einen Politikwechsel gegenüber WTO und
MAI ausgesprochen hat. Martina Schaub, Handelsreferentin von GERMANWATCH,
erklärt dazu: "SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben in ihrem
Koalitionsvertrag festgestellt, die WTO und das geplante MAI müßten
nach ökologischen und sozialen Kriterien neu gestaltet werden. Wir
nehmen die Regierungskoalition beim Wort und erwarten, daß sie im
Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft entsprechende Initiativen ergreift."
GERMANWATCH und WEED kündigen
an, daß sie auch in den nächsten Monaten ihre gemeinsame Kampagne
gegen das MAI und für gerechte Investitionsregeln in der Weltwirtschaft
fortsetzen werden.