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Zur Lage der Welt 2000

Der neueste, 17. Jahresbericht des Worldwatch Instituts zieht ein finsteres Fazit: Die globalen Probleme, insbesondere der Umwelt, sind seit 1984, als der Lagebericht erstmals erschien, eher gewachsen als geschrumpft. Deshalb müßten wir uns vermehrt auf Überraschungen der unangenehmen Art gefaßt machen. Am ehesten könnte der Klimawandel in immer kürzeren Abständen katastrophal durchschlagen, trotz aller hoffnungsvollen Entwicklungen bei der Reduktion der Treibhausgase (etwa durch die kräftige Zunahme von Wind- und Solarananlagen). Die Schere zwischen arm und reich führt mittlerweile durch "Unterernährung und Überernährung" (so ein Buchkapitel) zu einer Bedrohung des Lebens von jeweils über einer Milliarde Menschen. Hervorzuheben ist auch der Beitrag "Arbeitsplätze schaffen, die Umwelt bewahren", da er einen für eine nachhaltige Entwicklung wesentlichen Aspekt miteinbezieht. Das gut begründete Fazit: bei entsprechender politischer Steuerung ist ein positiver Saldo von "Umweltjobs" möglich. Ebenso zeigt der Beitrag "Einsatz von Informationstechnologien zum Schutz der Umwelt", daß trotz der Belastungen durch Produktion und Elektroschrott durch diese Technik ein großes Plus für die Umwelt herausspringen kann, z.B. durch das Satelliten- Monitoring von Umweltbelastungen oder den Aufbau eines Nachhaltigkeits-Internets. Erstmals trägt GERMANWATCH ein Kapitel zu diesem Weltbericht bei. Es wird auf dem Buchumschlag als "Sonderbeitrag: Umwelt in Deutschland" angekündigt, behandelt aber den weiteren, "nachhaltiger" gespannten Themenkomplex "Politische Globalisierung versus ökonomische Archipelisierung". Wohlinformiert und nachgerade spannend bringen darin Michael Baumann und Michael Windfuhr erstens das Scheitern der WTO-Runde in Seattle in Ursachen, Verlauf und Folgen "rüber". Zweitens legen sie die politisch zwar eher treibende, aber z.B. von Seiten des BDI zunehmend bremsende Rolle Deutschlands in der Klimaschutzpolitik dar und drittens die Entschuldungsinitiative insbesondere von NRO für die ärmsten Länder. Der Beitrag zeigt auch, daß sich mit der Zunahme der internationalen Umwelt- und Handelspakte auch die Konflikte zwischen den eingegangenen Verpflichtungen mehren.

Peter Manstein

Worldwatch Institute: "Zur Lage der Welt 2000", Prognosen für das Überleben unseres Planeten, Fischer TB 14650, 336 S., 29,90 DM
 

Nachhaltige Landwirtschaft?

Eine eher einseitige Zwischenbilanz bietet die Broschüre "Nachhaltige Landwirtschaft", die den integrierten Landbau (d.h. den Methodenmix aus Hightech, Chemie, Biotechnologie und ökologischer Rücksichtnahme) als Lösung der Landwirtschaftsmisere aufs Podest stellt und den ökologischen Landbau letztlich als "Romantizismus" abtut. Der Integrierte Landbau sei energie- und wassereffizienter, belaste das Grundwasser weniger mit Nitrat und verbrauche bei hoher Nahrungsmittelausbeute weniger Land, so daß mehr Flächen für Biotope zur Verfügung stünden als beim ökologischen Landbau. Dem kann man generell entgegenhalten, daß der landwirtschaftliche Mainstream hierzulande doch gerade im integrierten Landbau lag und liegt, den man zwar optimieren kann (etwa durch die ausführlich referierten quantifizierbaren Indikatoren), der aber letztlich eine wesentliche Ursache der Landwirtschaftsmisere darstellt: so geht das "Bauernlegen" weiter, der Streß der übrigbleibenden Landwirte und die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft nehmen zu. Wesentlich zukunftsfähiger im umfassenden Sinne scheint da der Ansatz des ökologischen Landbaus zu sein. Und dafür bietet der "Kritische Agrarbericht 2000" gute Argumente aus der Praxis. Der Band zeigt auch auf, welche Gefahren (etwa durch Zentralisierungen) ökologisch produzierte Nahrungsmittel mittlerweile (nach der anfänglichen Expansionseuphorie) auf dem Agrarmarkt drohen, aber auch wie der Markt politisch nachhaltiger zu gestalten ist.

Peter Manstein

Olaf Christen: Nachhaltige Landwirtschaft, Von der Ideengeschichte zur praktischen Umsetzung, Hrsg.: Institut für Landwirtschaft und Umwelt, Rochusstraße 18a, 53123 Bonn, 80 S., 15 DM, 1999; Landwirtschaft 2000, Der Kritische Agrarbericht, Hrsg.: Agrar-Bündnis, Bramsche 2000, 336 S. DIN A4, 38 DM


zuletzt geändert am 25.05.2000