Macht Land noch satt? Oder wissen
einige wenige dies zu verhindern, weil sie "Macht satt" haben? Das fragt
die europäische Weltladen-Kampagne "Land Macht Satt", die für
faire Regeln im Weltagrarhandel kämpft. An der europäischen Kampagne
beteiligen sich etwa 2.500 Weltläden von Schweden bis Spanien, von
Belgien bis Österreich. Erster Höhepunkt dieses Jahr ist der
5. Europäische Weltladentag am 20. Mai. Die konkrete Forderung lautet:
Eine Food Box für die WTO! Aber die Weltläden fordern diese Ausnahmeregelungen
zum Schutz der Ernährungssicherheit nicht nur (siehe S. I), sie verkaufen
auch eine "Food Box": Eine kleine, bunt bedruckte Pappschachtel symbolisiert
die von vielen Nichtregierungsorganisationen und Entwicklungsländern
erhobene politische Forderung. Und sie ist mit fünf Proben von Lebensmitteln
aus Fairem Handel gefüllt: Kaffee, Kakao, Zucker, Reis und Bananenchips.
Der Faire Handel der Weltläden unterstützt bereits seit ca. 30
Jahren Kleinbauern und -bäuerinnen durch ein Handelsmodell, das sich
stark von dem von der WTO propagierten Freihandel unterscheidet: In partnerschaftlichen
und direkten Handelsbeziehungen werden den ProduzentInnen höhere Preise,
Beratung, Vorfinanzierung etc. garantiert. Die überwiegend genossenschaftlich
organi-sierten Kleinbauern und -bäuerinnen verwenden den Mehrpreis
für Sozial- (Schulen, Krankenstation etc.) oder Umweltprojekte (Umstellung
auf biologischen Landbau, Aufforstung etc.). Der Faire Handel der Weltläden
bietet also nicht nur Überlebenshilfe, sondern echte Entwicklungsmöglichkeiten.
Und die Weltläden als Fachgeschäfte für Fairen Handel sorgen
nicht nur dafür, dass die Produkte immer mehr KäuferInnen finden,
sondern auch für Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. Durch
den direkten Handelskontakt, der durch alternative Importorganisationen
wie El Puente (Hildesheim), dritte-welt partner (Ravensburg) oder BanaFair
(Gelnhausen) aufrecht gehalten wird, können die Weltläden hinter
den Produkten auch die Menschen "sichtbar" machen, die die Lebensmittel
produziert haben. Dazu sind regelmäßig VertreterInnen der Kleinbauerngenossenschaften
in den Weltläden zu Besuch und berichten von ihren Projekten. Die
im Weltladen-Dachverband zusammengeschlossenen Läden richten ihre
Arbeitsweise und ihr Sortiment an den in der Konvention der Weltläden
festgeschriebenen Kriterien für alternativen Handel aus. Die wichtigsten
dieser Kriterien sind die Sozial- und Umweltverträglichkeit der Produkte
und der Geschäftspolitik aller am Handelsgeschehen beteiligten PartnerInnen,
die Kontinuität und Transparenz der Arbeit, keine Orientierung an
der Gewinnmaximierung ("people before profit") und die Informations- und
Bildungsarbeit. Immer mehr Läden nutzen mittlerweile die Chancen der
Professionalisierung: Ein Umzug in eine bessere Lage, hauptamtliche MitarbeiterInnen
und "normale" Öffnungszeiten bringen immer mehr KundInnen in den Kontakt
mit den Produkten und dem Anliegen der Weltläden. Der Faire Handel
der Weltläden ist also ein Gegenmodell zum derzeit betriebenen Welthandel,
weil er nach den Menschen fragt und nicht nach ungehinderten Warenströmen
um jeden Preis. Und diese Menschen brauchen faire Regeln, wenn sie überleben
wollen. Das mag im einen Fall gleichbedeutend mit Liberalisierung sein,
zum Beispiel wenn es um einen verbesserten Marktzugang für Erzeugnisse
der Entwicklungsländer geht. Eine andere Möglichkeit, die Regeln
im Welthandel fairer zu machen, ist aber auch die Einrichtung einer Food
Box im Agrarabkommen - zum Schutz von Millionen von Kleinbauern und -bäuerinnen
und damit zum Schutz der Ernährungssicherheit der jeweiligen Länder.
Und so ist der Kauf einer Food Box beides: Unterstützung der politischen
Idee und direkte Unterstützung der Kleinbauern und -bäuerinnen,
die die Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt haben.
Die Food-Box-Aktion der europäischen Weltläden endet am Welternährungstag,
dem 16.10. 2000. Das Ziel sind über 100.000 verkaufte Food Boxen.
Mit dieser Zahl sollen anschließend die politischen Verhandlungsführer
der EU bzw. der einzelnen europäischen Staaten konfrontiert werden,
damit sie sich bei den WTO-Verhandlungen für faire Regeln im Weltagrarhandel
einsetzen. Aber natürlich bieten Weltläden auch für die
Zeit danach ein breites Angebot qualitativ hochwertiger, fair gehandelter
und leckerer Lebensmittel: Kaffee, Tee, Honig, Schokolade und andere Süßigkeiten,
Bananen, Reis, getrocknete Früchte, Gewürze, Zucker, Kakao etc.
Und neben Lebensmitteln findet sich auch eine große Auswahl an Handwerksartikeln:
Musikinstrumente, Kinderspielzeug, Textilien u.a. Sie wollen die Kampagne
unterstützen? Kaufen sie eine (zwei, viele) Food Box(en) zum Einzelpreis
von 3,50 DM in ihrem Weltladen! Und machen Sie "Politik mit dem Einkaufskorb"
– der Besuch im Weltladen lohnt sich!
Kontakt: Weltladen-Dachverband,
Hindenburgplatz 2, 55118 Mainz, Tel. 06131/68907-80, Fax -99 EMail: info@weltlaeden.de