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> Nr. 1/01
Rindfleischexporte und anderer Irrsinn
Das Überschußproblem kann
nur radikal gelöst werden: viel weniger Tiere in die Ställe und
auf die Weiden!
Nun soll also Nordkorea mit europäischen
Rindfleischüberschüssen beliefert werden? Welch eine Ausgeburt
völlig verfehlter Agrarpolitik! Die industriell geprägte Landwirtschaft
verfuhr immer nach dem Prinzip: fördern ohne Grenze, und wenn dann
die Überschüsse nicht mehr absetzbar sind: vernichten oder exportieren.
Mit den ungeheuren Massen an nicht absetzbaren Rindern infolge des Nachfragerückgangs
wegen BSE wurde aber eine Grenze überschritten, denn die Verbraucher
spielen nicht mehr mit. Dabei gibt es einen klassischen Zielkonflikt, in
dem man nur noch den Teufel mit dem Beelzebub austreiben kann: wenn schon
zu viele Tiere da sind, was soll nun mit ihnen geschehen? Es gibt (unter
der Annahme, dass alles Fleisch als BSE-frei getestet wurde) folgende Möglichkeiten:
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Verbilligte Abgabe an die europäischen
Verbraucher. Dies wäre wirksam, würde aber den Verbraucher wiederum
zum Kauf von qualitativ bedenklichem, nicht nachhaltig produziertem Fleisch
animieren und wahrscheinlich die Fleischberge nicht wirklich abbauen.
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Verarbeitung zu Haustierfutter. Dies
wäre die beste Möglichkeit. Allerdings steht zu befürchten,
dass die Verbraucher solches Tierfutter genau so wenig akzeptieren würden,
wie sie selbst bereit sind, das Fleisch für den eigenen Verzehr zu
kaufen.
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Exporte sind keine Option, da sich die
Industrieländer weitgehend weigern, weitere Mengen aufzunehmen und
für Entwicklungsländer (einschließlich der Länder
der ehemaligen Sowjetunion) die bekannten Nachteile der Marktstörung
nicht zu vermeiden wären (s. unten das Beispiel Westafrika 1991-93).
-
Einlagerung ist nur begrenzt möglich,
Rindfleisch ist auch gefroren nur befristet (max. 6.9 Monate) haltbar.
Zudem ist das Eindosen sehr energieaufwendig, und für Dosen gibt es
nur einen sehr kleinen Markt.
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Bleibt noch Nothilfe. Nordkorea hat
um eine Lieferung gebeten und den Auflagen des BMZ u.a. bezüglich
Transparenz der Verteilung und Garantien, dass die Lieferungen bei den
Armen ankommen, zugestimmt. Märkte gibt es nicht, sie können
also nicht gestört werden. Auch soll der Entwicklungshaushalt nicht
mit diesen Lieferungen belastet werden. Aber es bleiben viele Bedenken:
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Die dringend notwendige Förderung
der nordkoreanischen Landwirtschaft durch den Staat unterbleibt, es wird
eine Abhängigkeit in der Nahrungsversorgung von Europa induziert und
möglicherweise längerfristig festgeschrieben.
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Die Chance einer Versöhnungsgeste
(Südkorea hat auch angeboten zu liefern) wird vertan.
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Es gäbe viele Möglichkeiten,
die Eiweissversorgung Nordkoreas preiswerter und an die Ernährungsgewohnheiten
angepasst zu gewährleisten.
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Wegen der leichten Verderblichkeit kann
Fleisch (ob gefroren oder in Dosen) unter den vorliegenden schlechten Hygieneverhältnissen
und bei der geringen Erfahrung mit Fleisch als Lebensmittel in Nordkorea
verstärkt zu Magen-Darm-Erkrankungen führen.
Die Kosten werden enorm sein, letztlich
wäre es billiger, die Tiere lebend nach Nordkorea zu schaffen, wenn
dem nicht Bedenken bezüglich BSE entgegenständen (von ökologischen
Bedenken einmal ganz abgesehen).
Es ist erkennbar, dass es entsprechend
entwicklungspolitischer Kriterien nie zu einer solchen "Nothilfe-Aktion"
gekommen wäre. Man kann nur hoffen, dass diese Entsorgungsaktion nicht
auf die normale Entwicklungszusammenarbeit und Nothilfe zurückfällt,
wenn nämlich durch die schlechten Hygieneverhältnissen und bei
der geringen Erfahrung mit Fleisch als Lebensmittel negative Folgen im
größeren Stil auftreten. Da es ja auch Vorschläge gibt,
Rindfleisch nach Russland oder in die Mongolei zu liefern, sei hier noch
einmal an das Rindfleischdumping Anfang der 90er Jahre in Westafrika erinnert.
Die EU als damals weltweit größter Rindfleischexporteur hatte
damals hoch subventioniertes Rindfleisch nach Westafrika exportiert und
so die afrikanischen Preise unterboten. Die Auswirkungen auf den regionalen
Viehhandel waren dramatisch. Zwischen 1980 und 1992 sank die Zahl der verkauften
Tiere um mehr als 75 %. Gleichzeitig fielen die Preise für Rinder
rapide. Viele Nomaden waren akut von Hunger bedroht, da der Viehverkauf
ihre einzige Einkommensquelle ist.
Die alte Forderung der NRO, Exportsubventionen
abzuschaffen, erhält also immer wieder neuen Auftrieb. Wichtig ist
aber auch die Forderung nach einer wirksamen Abkehr von der Überschussproduktion.
Durch eine Kombination von Flächenbindung (Reduzierung der Tierzahl
pro Hektar), Auflagen bezüglich Haltung, Züchtung und Fütterung
sowie gezielter Förderung muß muss gewährleistet werden,
dass deutlich weniger Tiere gemästet werden und die Verbraucher mit
Preisen konfrontiert werden, die artgerechte und nachhaltige Produktionsweisen
ermöglichen.
Rainer Engels
zuletzt geändert
am 28.03.01