Der Ökumenische Rat der Kirchen kritisiert die wachsende Diskrepanz zwischen erforderlichen politischen Maßnahmen und den steigenden Gefahren durch den Klimawandel. Eine wesentliche Ursache sieht der Rat in der Dynamik gegenwärtiger gesellschaftlicher Produktions- und Konsummuster und identifiziert dringliche Handlungsfelder für Gesellschaft und Kirche: Weitere Reduktionsverpflichtungen für Treibhausgase seien zu verhandeln und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel müssten vor allem in den besonders verwundbaren Regionen vorangetrieben werden. Die Solidarität der Weltgesellschaft sei insbesondere mit den Opfern des Klimawandels gefordert. Der vollständige Bericht kann eingesehen werden unter: www.wcc-coe.org/wcc/what/jpc/climatechange.pdf
Britta Horstmann
GTZ prüft Kompensation von Flugemissionen
Auf Vorschlag von GERMANWATCH prüft die GTZ, ob sie in Zukunft ihre innerbetrieblichen Flugemissionen kompensieren kann. “Schon jetzt erfasst die GTZ, wie viele Treibhausgase wir ausstoßen, etwa durch unseren Stromverbrauch, unsere Kraftwärmekopplungsanlage und durch den Flugverkehr,” so Klimaschutzexperte Holger Liptow. “Ein nächster Schritt wäre es nun, die anfallenden Emissionen durch Klimaschutzprojekte zu kompensieren. Ich hoffe genügend Mitstreiter zu finden, dies in der GTZ einzuführen”.
Christoph Bals/Britta Horstmann
Wirtschaft beeinflusst Wissenschaft
Weltweit ruft Greenpeace International zu einer Woche des globalen Protestes gegen ExxonMobil auf, in Deutschland als Esso bekannt. Vom 12. bis 18. Mai soll die Öffentlichkeit durch gewaltfreie Aktionen ihren Ärger gegenüber ESSO ausdrücken. Aktueller Anlass ist ein im letzten Jahr verbreitetes Lobbypapier von Exxon für die neue US-Regierung, damit diese für die Abwahl des IPCC-Vorsitzenden Bob Watson sorgt. Ohne diesen starken Vorsitzenden wächst die Gefahr, die wissenschaftlich höchste Autorität in Klimafragen zu diskreditieren. Am Freitag, 19. April 2002 wurde Bob Watson dann tatsächlich abgewählt. Weitere Informationen finden Sie unter: www.stopesso.com; über die Wahl des neuen IPCC-Vorsitzenden: hier.
Christoph Bals
GTZ: Ländliche Energieversorgung mit erneuerbaren Energien
Interview mit Holger Liptow, Leiter des Klimaschutzprogramms der GTZ
Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) unterstützt in den Philippinen auf der Zuckerinsel Negros den Aufbau von Erneuerbaren-Energie-Systemen als eine Alternative zu einem bislang geplanten Kohlekraftwerk. Warum?
Es gehört erstens zu den Politikansätzen des Entwicklungsministeriums und damit auch der GTZ, im Energiesektor vor allem ländliche Energieversorgung aus nicht fossilen Energieträgern und die Dezentralisierung der Energieversorgung zu fördern. Zweitens wollen wir bei diesem Projekt überprüfen, welche konkreten Reduzierungen von Treibhausgasen tatsächlich zustande kommen. Drittens ist für uns vom GTZ-Klimaschutz-Programm besonders intertssant , ob es auch die Möglichkeit gibt, solche Projekte als Klimaschutzkompensationsprojekte in Entwicklungsländern - als sogenannte CDM-Projekte - durchzuführen.
Zehntausende sind dort auf die Straße gegangen, um gegen das geplante Kohlekraftwerk zu demonstrieren und sich für eine umweltverträgliche Alternative einzusetzen. Kommt es oft vor, dass ein GTZ-Projekt so breite Unterstützung findet?
Es fällt mir ein bisschen schwer, das mit anderen Projekten zu vergleichen. Es gibt sicher auch andere Projekte, wo es eine sehr breite Unterstützung der lokalen Bevölkerung gibt. Das sind allerdings meistens sehr viel größere Projekte. Aber man muss deutlich sehen, in diesem Fall auf den Philippinen haben ja lokale Gruppen und Nichtregierungsorganisationen den Boden bereitet, so dass überhaupt nach Alternativen gesucht werden kann. Wir haben nur einen gewissen unterstützenden Beitrag geleistet, um fachlich gute Alternativen zu finden. Ein weiteres Engagement ist für uns vor allem dann interessant, wenn es tatsächlich Möglichkeiten gibt, zumindest Teile des Projektes als CDM-Option durchzuführen.
Am CDM, den projektbasierten Klimaschutz-Ausgleichsprojekten in Entwicklungsländern, scheiden sich die Geister. Die einen fürchten, dass so ein Schlupfloch entsteht, durch das sich die Industrieländer kostengünstig von ihren Klimaschutz-Verpflichtungen freikaufen können. Andere meinen, dass durchaus sinnvolle Projekte in Entwicklungsländern entstehen können, die dauerhaft Strukturen verändern. Wie sehen Sie das?
Ich bezweifele, dass es tatsächlich sehr viele kostengünstige CDM-Projekte gibt, mit denen man sich billig von seinen Verpflichtungen freikaufen kann. Sie sind vielleicht etwas billiger als das, was man zuhause macht. Aber vor allem die Transaktionskosten und in vielen Entwicklungsländern die Unsicherheiten sind doch recht hoch. Ich denke also, dass der CDM oft überschätzt wird. Er kann allerdings hier und dort eine sinnvolle Funktion erfüllen, wenn man die Spielregeln beachtet. Er ist ein Marktmechanismus. Und der weltweite Markt für Emissionsrechte ist etwas schief eingerichtet. Solange Regierungen heiße Luft aus Russland kaufen können, wie etwa Japan das im großen Stil machen will, ist das Potential für Klimaschutzprojekte unter dem CDM sehr begrenzt. Die einzigen, die bisher ernsthaft etwas im Rahmen des CDM machen, sind die Holländer. Der CDM wird, zumindest in den nächsten drei bis fünf Jahren, die Entwicklungspolitik nicht revolutionieren.
Das Gespräch führte
Christoph Bals
Clean Development Mechanism (CDM)
Der CDM ist einer der flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls, in welchem sich die Industrieländer bei Inkrafttreten rechtsverbindlich dazu verpflichten, ihre gemeinsamen Treibhausgasemissionen innerhalb des Zeitraumes 2008-2012 um mindestens fünf Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren. Die flexiblen Mechanismen ermöglichen den Industrieländern eine räumliche Flexibilität bei der Umsetzung ihrer Reduktionsverpflichtungen. Im Rahmen des CDM bedeutet dies, dass ein Teil der Reduktionsverpflichtungen durch Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern erfüllt werden kann. Dies soll die Kosten der Reduktionsverpflichtung senken und die Entwicklungsländer unterstützen, einen nachhaltigen, klimafreundlichen Entwicklungsweg einzuschlagen. Die Ausgestaltung der „Spielregeln“ ist noch nicht endgültig festgelegt. Hierfür verantwortlich ist das sog. „CDM Executive Board“, welches von den Vertragsparteien berufen wurde. In Deutschland gibt es bislang keine Möglichkeit, sich CDM-Zertifikate anrechnen zu lassen. Weitere aktuelle Informationen zum CDM und seinen Nutzungsbedingungen finden Sie unter: www.unfccc.int/cdm.
Britta Horstmann