StartseitePublikationen  >  Germanwatch-ZeitungNr. 1/99

Meldungen

Auf zur Menschenkette in Köln!

Das Jahr 2000 wirft seine Schatten voraus: Entschuldung und neue Finanzregelungen werden von einem breiten internationalen Spektrum engagierter Menschen und Organisationen auf die Tagesordnung für dieses Jahr gesetzt. In dem seit Anfang 1999 geltenden deutschen Insolvenzrecht sieht die derzeit auf Hochtouren laufende Kampagne ERLASSJAHR 2000, die auch von Germanwatch mitgetragen wird, ein Vorbild für ein vergleichbares internationales Regelwerk. Es muß bei zukünftigen gravierenden Verschuldungskrisen auch für Länder ein transparentes und faires Vergleichsverfahren zwischen Gläubigern und Schuldnern mit einem unabhängigen Schiedsgericht geschaffen werden. Hierzu sollte auch die Bundesregierung für den Kölner Weltwirtschaftsgipfel neue Initiativen vorbereiten. Gleichzeitig setzt sich die von mittlerweile über 850 Gruppierungen und Einrichtungen getragene Kampagne für eine weitgehende Entschuldung insbesondere der 40 hochverschuldeten ärmsten Entwicklungsländer ein - z.B. mit einer Menschenkette in Köln. Kanzler Schröder hat inzwischen angekündigt, daß hier mit neuen Impulsen von deutscher Seite zu rechnen ist.
KM

Ein kleiner Fortschritt

Und die internationale Finanzpolitik bewegt sich doch: Das Treffen der G7-Länder am 20.2.1999 hat zwar nicht den großen Durchbruch bei der Festlegung von zukunftsverträglichen Rahmenbedingungen der Weltfinanzen gebracht, aber doch den Willen zum Ausdruck gebracht, das weltweite free floating der Finanzen stärker als bisher zu zähmen. Das "Forum für Finanzmarktstabilität", ein neues Querschnittsgremium (z.B. von Weltbank, IWF, OECD, Zentralbanken, Finanzministerien) soll die finanzpolitischen Daten effektiver sammeln und in kleiner Runde (erstmals in diesem Frühjahr) frühzeitig gegen aufziehende Finanzkrisen angehen. Und das heißt automatisch, Spekulationsgelder stärker als bisher zu kontrollieren - auch wenn das Treffen keine Einigung in der Festlegung fester Wechselkursbandbreiten gebracht hat. Bis zum Wirtschaftsgipfel im Juni will man außerdem die Entschuldungspläne für die ärmsten Länder konkretisieren.
 
PM

Kritische Aktionäre: Gewissen der Hauptversammlung

Was tun in einer Zeit der großen Fusionen und international immer schnelleren Aktienbewegungen? Ist da das Instrument der Wortmeldungen als Aktionärinnen und Aktionäre in den Hauptversammlungen überhaupt (noch) angemessen?

Unermüdlich nehmen Gruppen von engagierten Aktien-InhaberInnen seit Jahren "ihre" Unternehmen unter die Lupe. Sie sind zum größten Teil im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zusammengeschlossen. Sie betreiben Hintergrundrecherchen und Öffentlichkeitsaktionen zu den Themen Menschenrechtsverletzungen, Umweltfragen, Atomausstieg, Sozialstandards oder Verschuldung (in diesem Zusammenhang ist Germanwatch immer wieder bei der Deutschen Bank vorstellig geworden). Diese Aktionäre stellen also eine Art kritisches Gewissen der Weltkonzerne dar. Durch sie werden manche Probleme unter dem Teppich hervorgeholt und Legitimationsfragen neu gestellt. Beispiel: Am 25.3.1999 findet die Hauptversammlung (HV) der I.G. Farben in Bergen-Enkheim statt. Die Forderung nach sofortiger Auflösung des Firmenfossils und Entschädigung der ZwangsarbeiterInnen wird von zahlreichen Organsiationen getragen, darunter den Kritischen Aktionären. Auf der Tagesordnung der HV steht zwar nicht die sofortige Auflösung der Firma, doch schlagen Liquidatoren und Aufsichtsrat die Einrichtung einer "Stiftung zum Zwecke der Entschädigung von Opfern von I.G. Farben, der Aufarbeitung der Geschichte der I.G. Farben sowie ähnlicher Aktivitäten" vor. Dieser Vorschlag geht den Kritischen Aktionären nicht weit genug, die "Blutfirma" müsse unverzüglich aufgelöst und ihr gesamtes Vermögen den überlebenden Zwangsarbeitern übermacht werden.
 

KM
Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, Schlackstraße 16, 50737 KÖLN, Tel. 0221/599-5647, Fax -1024

Eine Stadt geht stiften

In München konnte in einer bisher einzigartigen Partnerschaft zwischen den unterschiedlichen Akteuren und den Referaten der Stadt in einem zweijährigen Konsultationsprozeß eine Vielzahl von Projektideen und konkreten Projekten für eine nachhaltige Stadt entwickelt werden. Mit der im September 1998 durch private Initiative gegründeten Bürgerstiftung Zukunftsfähiges München soll die Idee der Nachhaltigkeit auch in Zukunft weiter verdeutlicht und spezifische Projekte gefördert werden. Dadurch wird neben der Finanzierung durch die Stadt der Lokale Agenda 21-Prozeß auch von Seiten der Gesellschaft weiter unterstützt.

Der Stadtrat von München begrüßte die Stiftungsidee, stiftetete selbst 400.000 DM und erklärte sich bereit, für jede privat gestiftete Mark noch eine draufzulegen. Jede gestiftete und gespendete Mark hilft also doppelt. Zu den als erstes geförderten Projekten der Stiftung zählen z. B.

Diese Stiftungsidee wird bereits anderswo aufgegriffen und diskutiert.
 
DB
Kontakt: Winfried Eckardt, Vorsitzender des Stiftungsrates der Bürgerstiftung, c/o Maecenata Management GmbH, Barerstr. 44, 80799 München, Tel.: 089/20232-474, Fax: -475


zuletzt geändert am 20.3.1999