StartseitePublikationen  >  Germanwatch-ZeitungNr. 2/99

Kein Handel mit dem Hunger!

Position der deutschen NRO zu den anstehenden WTO-Verhandlungen im Agrarbereich
Positionspapier der Arbeitsgruppen "Handel, Umwelt und Entwicklung" und "Landwirtschaft und Ernährung"
im Forum Umwelt & Entwicklung zu den Agrarverhandlungen in der WTO

Am 29. November 1999 trifft sich die Ministerkonferenz der WTO in Seattle, um die Tagesordnung für eine neue Verhandlungsrunde festzulegen. Dabei kommt der Weiterverhandlung des globalen Reformprozesses in der Landwirtschaft eine bedeutende Rolle zu. Wir wenden uns dagegen, daß dies wie im alten Agrarabkommen fast ausschließlich unter dem Vorzeichen der Liberalisierung geschieht. Statt dessen sollen die gesellschaftliche Anliegen, die nichts direkt mit dem Handel zu tun haben (Vorzugs- und Sonderbehandlung der Entwicklungsländer, Ernährungssicherheit, Umweltschutz, gemäß Artikel 20 in WTO-Sprache "non trade concerns" genannt) im Vordergrund stehen. Außerdem sollen die Erfahrungen mit der Umsetzung der Uruguay-Runde berücksichtigt werden.

Die unterzeichnenden deutschen Nichtregierungsorganisationen sehen einen dringenden Bedarf zur weiteren Reform der internationalen Agrarbeziehungen,

Nach unserer Einschätzung der Auswirkungen des bisherigen Vertrages dürfen bei den Verhandlungen nicht wieder Liberalisierung und Abbau von Überschüssen im Vordergrund stehen, sondern müssen die anstehenden Verhandlungen ihren Schwerpunkt setzen auf Mit Sicherheit werden die Entwicklungsländer andere Schwerpunkte innerhalb der "non trade concerns" setzen als die Industrieländer. Während im Süden die Anliegen der Ernährungssicherheit und der ländlichen Beschäftigung im Vordergrund stehen, sind es im Norden die Anliegen des Verbraucherschutzes und des Umweltschutzes sowie der Ressourceneinsparung. Für uns sind dies verschiedene Seiten der selben Medaille "Nachhaltige Landwirtschaft", die nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten, sondern zu einem Bündnis führen könnten. Es ist unser Bestreben, zusammen mit NRO weltweit, den Regierungen ein Verhandlungspaket in diesem Sinne vorzuschlagen, das in einer Koalition von unter anderem Europa, Japan und einigen Entwicklungsländern den Liberalisierungsforderungen der Cairns-Staaten und der USA eine realisierbare Verhandlungsposition entgegensetzt.

Die deutschen Nichtregierungsorganisationen, die sich im Forum Umwelt & Entwicklung zusammengeschlossen haben, stellen daher folgende Forderungen an die verhandelnden Staaten:

Schwerpunkte bei den neuen Agrarverhandlungen der WTO

Agrarpolitik der Entwicklungsländer Agrarpolitik der Industrieländer Lebensmittelrecht und Gentechnik
zuletzt geändert am 06.07.1999