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Meldungen
EU scheinheilig bei Agrarexportsubventionen
Die EU misst in ihrer Position zu den
Agrarverhandlungen in der Welthandelsorganisation (WTO) mit zweierlei Maß.
Einerseits zeigt sich die Union empört, dass bei der WTO nur die europäische
Form der Unterstützung der Landwirtschaft, nämlich direkte Subventionen,
Verhandlungsgegenstand seien. Andererseits bliebe das laut EU viel schädlicher
Exportdumping unberücksichtigt. Die EU möchte, mit Recht, wie
wir finden, dass auch die Exportkreditsubventionierung der USA und der
"Missbrauch" der Nahrungmittelhilfe als Instrument zur Beseitigung von
Überschüssen verhandelt werden. Wenn nicht, droht die Gemeinschaft
sich zu weigern, irgendwelche Verhandlungen auf diesem Gebiet zu akzeptieren.
Das käme ihr vielleicht sogar gelegen, denn während die USA in
den letzen Jahren jährlich rund 5 Mrd. US$ für Agrarexportkreditsubventionierung
und weitere 15 Mrd. US$ für Nahrungsmittelhilfe ausgegeben haben,
liegen die EU-Ausgaben für die Subventionierung landwirtschaftlicher
Exporte fast doppelt so hoch bei ca. 10 Mrd. US$. Trotz aller Beteuerungen
werden die Getreide-, Zucker- und Milchüberschüsse der EU in
den nächsten Jahren nicht zurückgehen, und die Exporte auch nicht
abnehmen. Es wirkt geradezu heuchlerisch, wenn die EU als weiterhin weltgrößter
Agrarsubventionierer Exportkreditsubventionen als eine Weltmarktverzerrung
anprangert. Wir fordern eine internationale Konvention, die alle
Formen von Exportsubventionen erfasst und auch die handelsverzerrenden
Wirkungen des EU-eigenen Subventionssystems zur Diskussion stellt.
Der Terminator - Action-Krimi auf
dem Acker?
"Terminator-Technologie" in der Landwirtschaft?
Geht da jemand mit dem Flammenwerfer auf die Äcker und schießt
auf Spatzen, um das Saatgut zu retten?Weit gefehlt, es handelt sich um
eine Gentechnologie zur Produktion sterilen, also Saatguts, das zur Wiederaussaat
nicht verwendet werden kann. Das bedeutet, dass Bauern und Bäuerinnen
gezwungen sind, für jede Aussaat das Saatgut neu zu kaufen. Sie werden
so abhängig von einer kleinen Gruppe multinationaler Konzerne. Obwohl
öffentlich
als gefährlich und moralisch unverantwortlich in Verruf geraten, weigert
sich insbesondere die US-Landwirtschaftsbehörde nach wie vor, sich
von dieser Technologie zu verabschieden. Die Kontroverse hatte 1998 begonnen,
als die USA das erste Patent auf Terminator-Baumwolle bekamen. Insgesamt
sind inzwischen Terminatortechnologien für 87 Staaten - von Deutschland
bis Madagaskar - zum Patent angemeldet. Die 10 größten Saatgutunternehmen
kontrollieren bereits ein Drittel des Weltsaatgutmarktes. Wie dieser Krimi
weitergeht, ist noch nicht entschieden.
Die EU-Patentrichtlinie - Kurz und
bündig
1998 verabschiedete das EU-Parlament
die Richtilie 98/44/EG "Rechtlicher Schutz biotechnologischer Erfindungen",
die Biotechnologie-Richtlinie. Danach werden zwar Pflanzensorten und Tierrassen
von der Patentierbarkeit ausgeschlossen, aber "Erfindungen, deren Gegenstand
Pflanzen oder Tiere sind, sind patentierbar, wenn die Anwendung der Erfindung
technisch nicht auf eine Pflanzensorte oder Tierrasse beschränkt ist."
Nach dieser Änderung des Patentrechts veränderte das Europäische
Patentamt 1999 die Durchführungsbestimmungen des Europäische
Patentübereinkommens, wonach nun menschliche Zellen und genetisch
veränderte Pflanzen und Tiere patentierbar sind.Aus formalen Gründen
- weil laut europäischen Regeln die nationale Umsetzung erfolgen muss,
sonst gelten die EU-Regeln der Richtlinie unmittelbar und unverändert
- hat die rot-grüne Bundesregierung im Oktober 2000 beschlossen, die
Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Gleichzeitig will die bundesdeutsche
Regierung eine Neuverhandlung auf europäischer Ebene erreichen.Gegen
die Richtlinie der EU erhoben die Regierungen der Niederlande und Italiens
Einspruch am Europäischen Gerichtshof. Auch der Europarat hat die
15 EU-Mitgliedsstaaten im Juni 2000 aufgefordert, die Patentrichtlinie
neu zu verhandeln.
Ernährungssicherung für
alle
Damit verhindert
wird, dass Patente auf Leben zu noch grösserer Armut und Ausgrenzung
auf der Welt führen, endet die Broschüre "Patente auf Leben und
die Bedrohung der Ernährungssicherheit" des Zusammenschlusses von
15 katholischen Entwicklungsorganisationen mit eindeutigen politischen
Empfehlungen für die Internationale Gemeinschaft. Ausgehend von der
Realität der erschreckenden Zahlen von Hunger und Unterernährung
weltweit stellt das Dokument die Auswirkungen dar, die Patente auf Leben
auf die Ernährungssicherung armer Länder haben. Im ersten Kapitel
der dreiteilig aufgebauten Broschüre werden zunächst die Grundlagen
zur Definition von Patenten, Patenten auf Leben und Geschichte des Patentrechts
weltweit unter besonderer Berücksichtigung der Globalisierung beschrieben.
Die folgende christlich-ethische Analyse geht v.a. der Frage nach den Rechten
der Menschen auf geistiges Eigentum nach. Im Teil 2 wird die Ernährungssicherung
in den Kontext von internationalen Entwicklungszielen gestellt. Dabei analysieren
die
Herausgeber, wie das Recht auf Nahrung als Grundrecht durch die aktuellen
Handelsbestimmungen, die Rechte von geistigem Eigentum betreffen, ausgehebelt
werden. Die Empfehlungen im 3. Teil sind konkrete Vorschläge zur strukturellen
Veränderung der internationalen Handelsregeln. Auch eine Veränderung
des WTO-Abkommens über handelsbezogene geistige Eigentumsrechte (TRIPS)
wird gefordert: Die Forderung nach Patentierung aller Lebensformen sollte
entfallen. Mit dieser Broschüre haben Misereor und die anderen Herausgeber
eine klare politische Positionierung und genaue Analyse der Situation vorgelegt,
die auch für Einsteiger in das Thema eine gute Grundlage bietet. MS
Patente auf Leben und die Bedrohung
der Ernährungssicherheit - Eine christliche und entwicklungspolitische
Perspektive. CIDSE Brüssel, Misereor u.a. (Hrsg.). 50 S., Bezug gegen
Spende von mind. DM 5,- +Versandkosten bei Misereor Vertrieb, Postfach
1450, 52015 Aachen.
Von Gen-Piraten und Patenten
Aus diesem exzellenten
100 Seiten umfassenden Taschenbuch erfährt der Leser alles, was er
zum Thema Patentierung und deren Auswirkungen auf Länder des Südens
wissen muss. Die komplexen Sachverhalte werden in verständlicher Sprache
und interessant beschrieben, Hintergründe werden erklärt und
sämtliche Aspekte des Themas angesprochen. In logischer Folge werden
Artenvielfalt, die Biodiversitätskonvention und Biopiraterie mit vielen
Beispielen weltweit behandelt. Danach widmet das Buch einen großen
Teil – der Bedeutung entsprechend – dem Abkommen über handelsbezogene
geistige Eigentumsrechte in der WTO und dessen Implikationen für die
Länder des Südens. Zum Schluss fehlt noch nicht einmal die Frage
nach den Auswirkungen all dieser Entwicklungen auf die Weltordnung im 21.
Jahrhundert. Leider kommt das Thema Medikamente ein bisschen zu kurz, obwohl
auch dieser Aspekt des Themas Patentierung große Auswirkungen auf
die Länder des Südens hat. MSBrot für die Welt
(Hrsg.), Von Gen-Piraten und Patenten, Brandes & Apsel, Frankfurt,
2000, 100 S., 14,- DM
zuletzt geändert
am 06.12.00