Konferenz für Nachhaltigkeit
von Kapitalanlage und Verbraucherschutz
Rheinterrasse Düsseldorf,
22. Nov. 2001, 9.00 - 18.00 Uhr
Darf die Absicherung der persönlichen
Zukunft zu Lasten der gesellschaftlichen Zukunftsfähigkeit gehen?
Können es sich Anbieter von Finanzdienstleistungen in Zukunft noch
leisten, zu sagen: 'Wir kümmern uns nicht um die ethischen, sozialen
und ökologischen Konsequenzen unseres Anlageverhaltens'? Kann man
mit Rente und Kapitalanlage mithelfen, Gesellschaft zukunftsfähig
umgestalten? Wie sehen die ersten 'Riester-Rente' - Produkte aus, die ethische,
soziale und ökologische Belange bei der Mittelverwendung berücksichtigen?
Wenn Sie auch an ersten Antworten interessiert sind und Lust am Mitdiskutieren
haben, dann sind Sie ganz herzlich eingeladen: GERMANWATCH und das Ministerium
für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in
NRW veranstalten am 22.11.01 in Düsseldorf die Konferenz "Meine Rente
- Unsere Zukunft". Teilnahmegebühren: Privatpersonen DM 60 erm.: DM
25. Firmenvertreter: DM 450. Information und Anmeldung am Veranstaltungstag
direkt in der Rheinterrasse, Joseph-Beuys-Ufer 33, 40479 Düsseldorf
oder auf der Konferenz-Homepage. Projektleitung:
Stefan Rostock, Tel: 0228-60492-11 Fax: -19, rostock@germanwatch.org.
Erfreuliche Entwicklung am Markt der nachhaltigen Investitionen
Während der letzten Jahre gab es eine dynamische Entwicklung auf dem Markt der ethisch-ökologischen Geldanlagen. Von 1998 bis 2000 wuchs das in grüne Geldanlagen geflossene Kapital im deutschsprachigen Raum um 292 %. Neben Anlageformen wie Sparbüchern, Direktbeteiligungen etc. erfreuen sich besonders ethisch-ökologische Investmentfonds und "grüne" Aktien wachsender Beliebtheit. Während es 1998 in Deutschland erst zehn "grüne" Fonds gab, waren es im Jahr 2000 bereits 21. Das Vermögen ethisch-ökologischer Fonds am Markt stieg von knapp 1 Mrd. DM im Jahr 1998 auf 3,9 Mrd. DM im Jahr 2000. Bislang gab es vor allem ökologische Fonds. Vermehrt wird heute vom Verbraucher auf ethisch-soziale und Nachhaltigkeitskriterien geachtet. Zwar blieb die grüne Branche nicht von der Börsenflaute verschont, doch sahen die Einbrüche moderater aus als im Börsendurchschnitt.
Auch für Unternehmen wird der Markt "Nachhaltigkeit" interessanter. Er stellt nicht nur Kapital bereit, sondern nachhaltiges Wirtschaften wirkt sich positiv auf das Firmenimage aus. Steigende Mitgliederzahlen im Forum nachhaltige Geldanlage (vgl. Interview mit Walter Kahlenborn) und das Engagement von BMW, Preussag, Siemens und Versicherungsgesellschaften wie Allianz oder Gerling im deutschen Wirtschaftsforum für nachhaltige Entwicklung zeigen, dass dieses Thema von der Wirtschaft und der Industrie immer ernster genommen wird. Zudem wird deutlich, dass Ziele und Forderungen der Wirtschaft und von Vertretern eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzeptes zumindest eine Schnittmenge haben.
Melanie Zimmermann
In der ersten GERMANWATCH- Zeitung diesen Jahres hatten wir die Leserinnen und Leser aufgefordert, Ministerin Künast einen Brief zu schreiben, um ihr Mut und Entschlossenheit zu wünschen, den Richtungswechsel in Landwirtschaft und Agrarpolitik gegen massive Agrarlobbyinteressen durchzusetzen. Gleichzeitig wurde die Ministerin aufgefordert, auf dem Weg zu einer wirklichen Agrarwende auch deren Auswirkungen auf die Interessen der Länder des Südens zu berücksichtigen. Das Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft spielt bei der Gestaltung internationaler Politik sowohl im Rahmen der Weltagrarorganisation (FAO) als auch bei den WTO-Agrarverhandlungen eine wichtige Rolle.
Frau Künast hat uns und den zahlreichen Leserinnen und Lesern, die bei der Briefaktion mitgemacht haben, geantwortet. Sie teilt unsere Auffassung zur besonderen Rolle der Länder des Südens und dass die Ziele der Rio-Konferenz von 1992 zur Nachhaltigkeit stärker als bisher berücksichtigt werden müssen. In diesem Kontext will sie sich dafür einsetzen, dass sowohl in den WTO-Verhandlungen als auch in der FAO entwicklungspolitische Belange einen größeren Stellenwert erhalten. Diese Aussage verleitet zur Hoffnung, dass Frau Künasts Ministerium sich zusammen mit vielen Nichtregierungsorganisationen weltweit und einer großen Zahl von Regierungen aus Entwicklungsländern für die Verankerung von Ernährungssicherungsmaßnahmen im WTO-Agrarabkommen einsetzen wird.
Martina Schaub
e-mission 55 ist eine Wirtschaftsinitiative, die seit März 2001 besteht und auf Initiative von drei Verbänden initiiert wurde. Der Unternehmerverband European Business Council for a Sustainable Energy Future (e5), die Umweltstiftung WWF und GERMANWATCH sind als Unterstützer dabei. e-mission 55 fordert die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls ein, und das bedeutet, dass die Treibhausgas- Emissionen weltweit reduziert werden müssen.
e-mission 55 fordert die Regierungen dieser Welt auf, das Kyoto-Protokoll möglichst schnell, das heißt bis 2002, in Kraft zu setzen.
Hierbei ist die Zahl 55 von hoher Bedeutung. Um das Kyoto-Protokoll in Kraft treten zu lassen, müssen zum einen 55 Länder das Protokoll ratifizieren, und zum anderen müssen durch diese Länder mindestens 55% des Treibhausgasausstoßes der Industrieländer repräsentiert sein.
Der bisherige Erfolg gibt der Initiative e-mission 55 Recht. In der kurzen Zeit vom Mai 2001 bis zur Klima-Konferenz in Bonn (COP 6b) im Juli 2001 ist es der Wirtschaftsinitiative gelungen, rund 140 Unternehmen, die zusammen einen Jahresumsatz von mehr als 400 Mrd. DM repräsentieren, zu finden, die sich der Forderung der Verabschiedung des Kyoto-Protokolls anschließen. Darunter sind Firmen aus der Fertigungsindustrie, Telekommunikation, Dienstleistung und Transport, wie z.B. Deutsche Telekom, Otto-Versand, Metro, AEG, Deutsche Bahn, Gerling-Konzern, Ricoh, Canon und viele mehr.
Der Erfolg spornt an und eine Fortsetzung ist gleichzeitig dringend erforderlich. Die Ratifizierungsprozesse in den einzelnen Ländern werden zum Teil schwierig verlaufen. Sie sollen daher intensiv begleitet werden, sodass im September 2002 in Johannesburg der UN-Gipfel für Umwelt und Entwicklung (UNCED) von 1992 wenigstens ein positives Ergebnis verzeichnen kann. emission 55 will bis dahin 555 Unternehmen weltweit gewinnen. Sie treten für Kyoto und mehr Klimaschutz ein, weil sie nicht zuletzt die ökonomischen Potentiale erkennen, die darin stecken.
Bodo Stüve
Kontakt:
e-mission55
Susanne Saha / Bodo Stüve
Kaiserstr. 201
53113 Bonn
E-Mail: emission55@web.de
Web: www.emission55.com
Tel.: +49-(0)228-20 94 694
Fax: +49-(0)228-604 92 19
WTO-Ministerkonferenz in Katar
Neue Welthandelsrunde um jeden Preis?
Nach den Terroranschlägen in den USA hatte es einige Wochen der Unsicherheit gegeben, ob die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) wie geplant in Doha, der Hauptstadt des kleinen arabischen Staates Katar, stattfinden sollte. Besonders seit dem Beginn der Bombenangriffe auf Afghanistan, das in relativer Nähe zu Katar liegt, wurden die Sicherheitsbedenken vieler Regierungsdelegationen immer wieder - meist hinter vorgehaltener Hand - diskutiert. Inzwischen steht fest: Die 142 Mitglieder der WTO werden sich wie geplant vom 9. bis 13. November diesen Jahres zu ihrer vierten Ministerkonferenz zusammenfinden. Nur ein Land hat angekündigt, aus Sicherheitsbedenken nicht zu erscheinen; sämtliche Staaten werden jedoch mit verkleinerten Delegationen anreisen. Auch viele Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, die sich zunächst angemeldet hatten, wollen nun nicht mehr teilnehmen.
Derweil gehen auf der politischen Ebene die kräftigen Bemühungen der großen Handelsmächte weiter, allen voran die EU und USA, die Agenda für eine neue Welthandelsrunde auf den Weg zu bringen. Die dazu eingesetzten Mittel sind in einigen Fällen schon als massives Ausüben von Druck auf die Gegner einer neuen Handelsrunde, insbesondere die Entwicklungsländer, zu bezeichnen. Der Endspurt und der Versuch, sich für die Planungen für Doha gegenseitig in den recht gegensätzlichen Positionen anzunähern, hatte erst im Juli diesen Jahres begonnen.
Seit dem spektakulären Scheitern der letzten Konferenz in Seattle sind inzwischen zwei Jahre vergangen, in denen mit den Mitgliedsstaaten zäh um Reformen und Positionen gerungen wurde. In Seattle war man angetreten, die "globale Freihandelsordnung für das 21. Jahrhundert" zu schaffen. Am Ende hatte man sich noch nicht einmal auf eine Tagesordnung einigen können.
Nach Seattle haben das WTO-Sekretariat und viele Mitgliedsstaaten eine Phase der "Vertrauensbildung" besonders unter den Entwicklungsländern eingeläutet. Dabei sollten die Gründe für das Scheitern analysiert werden. Im Prinzip haben sich die unterschiedlichen Positionen in der Folgezeit jedoch nicht maßgeblich geändert. Erschüttert durch die lautstarken und selbstbewussten Proteste vieler Entwicklungsländer zum Verhandlungsablauf und den von den Industrienationen diktierten Inhalten für die Ministerkonferenz versuchen die Industrieländer nun die Entwicklungsländer zu gewinnen. Deren Interessen sollen bei der nächsten - nicht Milleniums- sondern Entwicklungsrunde der WTO im Vordergrund stehen.
Schaut man sich jedoch die Diskussionsprozesse der letzten Wochen an, erhält man einen anderen Eindruck. Bei den Treffen einiger ausgewählter WTO-Mitglieder in Mexiko und Singapur im September und Oktober wurde versucht, vorab Annäherung in einigen besonders strittigen Punkten zu erzielen. Eingeladen zu diesen Treffen ist jeweils eine ausgesuchte Zahl von Ländern, unter ihnen auch Entwicklungsländer. Selbst hier wurden einige der anwesenden Entwicklungsländer- Vertreter teilweise von den Diskussionen ausgeschlossen.
Eine Woche vor Doha lag die 2. Vorabversion einer Ministererklärung vor, die in Doha verabschiedet werden soll. In dem Dokument werden die Forderungen vieler Entwicklungsländer und zivilgesellschaftlichen Organisationen schlichtweg ignoriert, zunächst die Probleme bei den bestehenden Abkommen zu lösen und keine neue Verhandlungsrunde zu beginnen.
Martina Schaub