Seit dem Abschluss der letzten Agrarhandels-Verhandlungen 1994 hat die Unterstützung der einheimischen Landwirtschaft durch die EU und die USA noch deutlich zugenommen.Gerade haben die USA ihre Agrarausgaben für die nächsten zehn Jahre wieder um 70% erhöht. Diese Unterstützung führt dazu, dass die Agrarwirtschaft viele Produkte inzwischen weitgehend ohne direkte Exportunterstützungen zu Preisen weit unter dem Weltmarktpreis exportieren kann.
Diese Situation müssen die laufenden Verhandlungen ändern. Die Doha-Runde wird nicht umhin kommen, Schutzmaßnahmen für Entwicklungsländer zu verhandeln. Konkrete Vorschläge zu dahingehenden Politikinstrumenten sind in der sogenannten Development-Box enthalten:
Seit Oktober 2001 gibt es eine Ländergruppe mit dem Titel “Freunde der Development-Box” unter der Führung von Pakistan. Auch die EU hat sich bereit erklärt, über die Box zu verhandeln. Die Agrarverhandlungen der WTO kommen nun in die erste heiße Phase: Bis März 2003 sollen die Modalitäten – was schon sehr konkrete Verhandlungsrahmen und -ziele sein werden – der Verhandlungen festliegen und bis November 2002 wird die EU die Grundzüge der nächsten Agrarreform bestimmen (Stichwort: Osterweiterung!).
Bei aller Besorgnis über die Entwicklung der letzten Jahre sollten wir nicht vergessen, dass die Verhandlung über die Development-Box ein Erfolg ist, für den wir die letzten Jahre gekämpft haben.
Nun gilt es, sie mit Leben zu füllen, damit sie ein wirksames Instrument wird.
Rainer Engels