konsequente Umsetzung der in Rio ‘92 eingegangenen Verpflichtungen;
Verabschiedung von Leitlinien für alle Ressorts, in denen das
Politikziel einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Wirtschaft und Entwicklung
festgeschrieben wird;
Schaffung von Koordinierungsmechanismen, um Politikkohärenz zu erreichen;
Erhöhung des Mittelansatzes für Entwicklungspolitik auf 0,7 des
BSP;
Erhöhung der Fördermittel für NRO;
Aufstockung der Mittel für entwicklungspolitische Bildungs-, Öffentlichkeits-
und Lobbyarbeit.
Zwischen den Inkarnationen gehen die Visionen verloren
"Manchmal schlüpfe ich von der
einen Inkarnation in die andere in der Inkarnation als jemand, der
sich auch der Friedenswissenschaft verpflichtet fühlt, teile ich im
großen und ganzen die Konzepte des Berghof Forschungszentrums*. Nun
komme ich mit diesem Fundus an Einstellungen an meinen Arbeitsplatz ins
Auswärtige Amt, schlüpfe in die Inkarnation des Regierungspolitikers
und überlege mir, wie ich denn diese Ideen umsetzen kann. Und dann
sehe ich, da gibt es kein politisches Subjekt, das stark genug ist, im
Sinne dieser Konzeption einen Masterplan zu entwickeln; sondern ich sehe
ein außerordentlich komplexes bis chaotisches Geflecht von gegeneinander
konkurrierenden Interessen."
So Dr. Ludger Volmer, Staatsminister
im Auswärtigen Amt, am 30.9.1999 in einer Diskussion mit Dr. Norbert
Ropers vom Berghof Forschungszentrum anläßlich des 4. Entwicklungspolitischen
Symposiums von GERMANWATCH und der Memorandumsgruppe. Die Leitung des Außenministeriums
sollte, statt vor dem Chaos zu kapitulieren, Leadership beweisen!
*Das "Berghof Forschungszentrum
für konstruktive Konfliktbearbeitung" entwickelt Verfahren und Modelle
für die konstruktive Bearbeitung ethnopolitischer und soziokultureller
Konflikte: einerseits, indem es deutlich macht, daß Konflikte ein
wichtiges und notwendiges Element des sozialen Wandels in allen europäischen
Gesellschaften sind, die Herausforderung also nicht in der Eindämmung,
sondern in der konstruktiven Bearbeitung von Konflikten liegt; andererseits,
indem es die Orientierung an den Zielen Gewaltminderung und Förderung
der sozialen Gerechtigkeit in diesen Wandlungsprozessen hervorhebt.
Es gilt das gesprochene Wort!?
Überzeugt vom Sparpaket? Heute
gibt es bei SPD und Bündnisgrünen kaum noch jemand, der die Sparpolitik
der Bundesregierung nicht verteidigt - auch nicht bei den Entwicklungspolitikerinnen
und -politikern. Vor den Wahlen sah das noch ganz anders aus.
Ein paar Zitate legen die Erinnerungslücke
der Bundesregierung offen:
1.) Aus der Koalitionsvereinbarung
zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen:
"Um dem international vereinbarten
0,7 % Ziel näher zu kommen, wird die Koalition den Abwärtstrend
des Entwicklungshaushaltes umkehren und die Verpflichtungsermächtigungen
kontinuierlich maßvoll erhöhen."
2.) Aus der Regierungserklärung
des Bundeskanzlers vom 10. 11.1998 im Deutschen Bundestag:
"Der Anteil der Entwicklungshilfe
am Bruttosozialprodukt ist in den vergangenen 16 Jahren um beinahe die
Hälfte gesunken, auf jetzt noch 0,28 %.. Diesen Abwärtstrend
werden wir stoppen und dabei auf Effizienz und Kohärenz der Maßnahmen
zur Bewältigung globaler Zukunftsaufgaben achten."
3.) Bernd Dunnzlaff, Sprecher des
BMZ, am 12.5.1999, bezugnehmend auf die Öffentliche Entwicklungszusammenarbeit
(ODA) der Regierung Kohl von 1998:
"Es ist einfach nicht zu akzeptieren,
daß die wirtschaftlich starke Bundesrepublik mit einem 0,26 % ODA-Anteil
am Bruttonationaleinkommen 1998 auf denselben Stand wie das ökonomisch
deutlich schwächere Spanien gesunken ist."
4.) Aus der Regierungserklärung
des Bundeskanzlers vom 16.6.1999 vor dem Deutschen Bundestag:
"Eine offene Weltwirtschaft könnte
weder moralisch noch politisch Legitimität beanspruchen, wenn sie
die Entwicklungsländer außen vor ließe ... Die ärmeren
Staaten brauchen soziale Infrastruktur und Schutzsysteme. Dafür ist
wesentlich mehr Hilfestellung als bisher seitens der internationalen Finanzinstitutionen
erforderlich."
Um Mißverständnissen vorzubeugen:
Es ist durchaus richtig, bei angespannter Haushaltslage weniger Mittel
zu verteilen. Wir sind - auch im Sinne der Nachhaltigkeit - geradezu verpflichtet,
die nachfolgenden Generationen nicht mit unserem Schuldenberg zu belasten.
In dieser Lage ist die Bundesregierung gefordert, verantwortungsvoll und
politisch Prioritäten zu setzen. Das Rasenmäherprinzip ist völlig
inakzeptabel. Jede weitere Kürzung des Entwicklungsetats bedeutet
einen weiteren Stolperstein auf dem Weg zu einer kohärenten Politik.
In diesem Sinne kommentiert die OECD (laut DAC-Bericht 1999) besorgt die
rückläufigen Entwicklungsbudgets:
"Eine niedrige Einstufung der
EZ läßt auch darauf schließen, daß bei nationalen
Politikmaßnahmen mit Auswirkungen auf die Entwicklungsländer
wahrscheinlich weniger auf eine kohärente, an Entwicklungszielen orientierte
Linie geachtet wird. Unter diesen Umständen stimmt es besonders bedenklich,
daß gerade einige der wichtigsten Geber einschneidende Kürzungen
ihres EZ-Etats vorgenommen haben."
Was sind schon 674 Mio.
DM gegenüber ... ?
Der Bund ist hoch verschuldet, deshalb
müssen alle Politikbereiche empfindliche Kürzungen hinnehmen,
so der Bundesfinanzminister. Deutlich empfindlicher wurde der Entwicklungsetat
gekürzt, um 674 Mio. DM und das Ende der Talfahrt ist nicht
absehbar, denn in der mittelfristigen Finanzplanung sind weitere Kürzungen
vorgesehen: bis 2003 zusätzlich 385 Mio. DM. Damit wird der
Anteil der Entwicklungshilfe am BSP in naher Zukunft auf unter 0,2 % fallen
und dies trifft ein Ressort, das von der Bundesregierung als prioritäres
Politikfeld bezeichnet wurde. Vergleicht man jedoch die Mittel, die diesem
Politikfeld zur Verfügung stehen, mit Ausgaben, die zumindest sehr
kontrovers diskutiert werden, so kann an der Glaubwürdigkeit der Aussagen
zur Entwicklungspolitik, aber auch zum Sparwillen mit Recht gezweifelt
werden. Da-zu nur einige Posten:
Die nicht nur entwicklungspolitisch äußerst schädlichen
Agrarexporte der EU (ca. 11 Billionen DM) werden vom Bund kräftig
mitgetragen.
DM 8,3 Mrd. gehen dem Bund durch das Unterlassen der Besteuerung von Flugbenzin
(Kerosin) verloren, ein energie und umweltpolitisch fragwürdiges und
zugleich wettbewerbsverzerrendes Verhalten.
Knapp DM 4 Mrd. Mehrausgaben für die ICE-Strecke Köln-Frankfurt
bringen eine Zeitersparnis von 17 Minuten.
DM 6,1 Mrd. kostet dem Bund der Bau der Transrapidstrecke Hamburg-Berlin.
DM 60 Mrd. an Verschwendung öffentlicher Gelder.
Axel Stelzner