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> Nr. 3/99
Die Optimierung der EZ
Die Globalisierung verlangt mehr
als die Nabelschau der Institution
Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
stand schon immer im Zeichen der Großtrends, allerdings hat sie darauf
nie eindeutig reagiert. So hat die Bundesregierung während der neoliberalen
Phase einerseits die Mißachtung des Staates und der Zivilge-sellschaft
durch Weltbank und IMF mitgetragen. Andererseits spielten die Förderung
öffentlicher Institutionen und der Zivilgesellschaft weiterhin eine
Hauptrolle in der bilateralen EZ. Aus heutiger Sicht war es weise, nicht
das gesamte deutsche Instrumentarium auf eine Linie zu trimmen.
Heute ist jedem klar, daß
selbst Teilphänomene von Entwicklung wie Korruption ohne einen breiten
systemischen Ansatz nicht wirksam angegangen werden können. Der öffentliche
Sektor und die Zivilgesellschaft geben (unter anderem) den Rahmen ab, in
dem die Marktwirtschaft operiert. Es ist deshalb nötig, öffentlich
zu vermitteln, daß die arbeitsteilige Struktur der deutschen EZ ein
Vorteil ist. Statt dessen liest man immer wieder, daß im Zeitalter
globaler Struk-turen und knapper Budgets das deutsche EZ-System konzeptionell
und organisatorisch gestrafft und gebündelt werden müsse. Die
arbeitsteiligen Strukturen absorbierten zu viel Energie für eine interne
Optimierung. Dies ist die fragwürdige Hypothese, daß durch eine
bessere Verbindung der deutschen Instrumente miteinander und durch die
Konzentration der EZ eine größere Wirkung zu erzielen sei.
Nach unserer Ansicht kann dagegen
in einer globalisierten Welt die EZ nur mehr Wirkung erzielen mit konsequent
genutzter Arbeitsteilung. Das BMZ kann dabei seinen Vorteil nutzen, eines
der wenigen auf Entwicklung spezialisierten Ministerien der Welt zu sein.
Es sollte seine Ressourcen auf jene globalen, regionalen und deutschen
Themen und Foren konzentrieren, bei denen nur die politische und ministerielle
Ebene Wirkung entfalten kann. Dabei könnte das BMZ z.B. in Washington,
Brüssel, Genf und New York den Einfluß auf Prioritäten
von Entwicklung bekommen, der durch bilaterale Regierungsverhandlungen
und Koordinierung bzw. Steuerung im Vorfeld nicht zu erreichen ist.
Die Kompetenz und die Ressourcen
der Vorfeldorganisationen sind da am wirksamsten, wo sie in einen Systemverbund
mit anderen eigenverantwortlich handelnden Akteuren eingebracht werden.
Die Beispiele dazu sind unter der Perspektive der Globalisierung ausgewählt,
obwohl diese siehe oben keineswegs als einziges Auswahlkriterium
empfohlen wird.
Auch die global players der Industrie,
die für eine Zeit autarke Imperien aufzubauen schienen, beginnen zu
verstehen, daß sie auf vielfältige öffentliche Institutionen
angewiesen sind. Ebenso ergeben sich da, wo Infrastruktur und Versorgungsunternehmen
privatisiert werden, neue, sogar anspruchsvollere Aufgaben für den
öffentlichen Sektor, z.B. die Wettbewerbs und Monopolkontrolle. Die
Industrie hat keinerlei Erfahrung, hier in Entwicklungsländern
selbst tätig zu werden. Die deutsche EZ kann dagegen ein breites Angebot
für die Entwicklung öffentlicher Institutionen machen. Die Industrie
müßte an einem Systemverbund interessiert sein und zur Lobby
für die EZ werden, da das Fehlen kompetenter Organisationen zunehmend
und mehr als alles andere die dem Kapitalismus innewohnende Dynamik begrenzt.
Good Governance
Inzwischen hat aber auch die internationale
EZ, haben etwa Weltbank und EU, den Stellenwert funktionsfähiger Institutionen
erkannt. Good governance wird von den Partnerländern gefordert, als
sei diese dadurch herzustellen, daß man ihren Stellenwert verstanden
hat. Die deutsche EZ hat Instrumente anzubieten, die in Partnerschaft mit
großen Entwicklungs-Finanziers durchgreifende Veränderungen
öffentlicher Strukturen möglich machen. Nachhaltig natürlich
nur da, wo der politische Wille vorhanden ist. Doch das ist immer wieder
der Fall, wenn nur Gelegenheiten dazu genutzt werden. Zur Zeit etwa - um
nur die großen Länder zu nennen - in Nigeria, Indonesien, Argentinien;
manche fügen Venezuela und (schon bald) Pakistan hinzu.
In vielen Ländern muß
die Zivilgesellschaft die Voraussetzungen für solche politischen Umschichtungen
schaffen. Auch im gesellschaftspolitischen Vorfeld von politischen Veränderungen
hat die deutsche EZ Erfahrungen und Instrumente einzubringen. Die Wirkung
auch dieser Instrumente könnte sich vervielfachen, wenn sie verstärkt
im Systemverbund eingesetzt werden würden, also etwa als ordnungspolitische
Weichenstellung von multilateral finanzierten Reformen und von neuen Arbeitsfeldern
für den privaten Sektor.
Um mehr Wirkung vor Ort und damit
auch in der deutschen Öffentlichkeit zu erzielen, sind vor allem folgende
Veränderungen nötig:
mehr nach außen blicken als auf systemimmanente Optimierung;
auf Chancen orientieren, statt in immer neuen Variationen auf Probleme
fixiert bleiben;
die Chancen beherzter nutzen, im Systemverbund den eigenen Beitrag relevanter
zu machen.
Unterstützt werden sollte dies
durch flexiblere Instrumente, vor allem auch des Finanzierungsinstrumentariums
des BMZ. Schon immer operiert EZ global; Globalisierung macht für
sie die Welt auch über ihre traditionellen Partner hinaus zur Nachbarschaft.
Johanna von Braun / Hansjörg
Elshorst
zuletzt geändert
am 07.12.1999