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> Nr. 3/99
Was tun nach dem Desaster?
Wie die Entwicklungspolitik ein eigenständiges
Profil (zurück)gewinnen kann
Aufgrund der einschneidenden Etatkürzungen
droht das BMZ als eigenständiger Akteur auf der internationalen Bühne
zunächst ins Abseits zu geraten. Denn im internationalen Bereich kann
das Amt gerade noch seine Pflichtbeiträge für Weltbank, EEF (Europäischer
Entwicklungsfonds) und die Entwicklungsbanken leisten.
Alle sogenannten freiwilligen Beiträge,
also jene Mittel, die es erlauben, auf globale Entwicklungen zu reagieren
und internationale Politik zu gestalten, werden radikal gekürzt. Die
Halbierung der Beiträge zum Ent-wick-lungsprogramm der Vereinten Nationen
(UNDP) und zum Bevölkerungsprogramm (UNFPA) sowie die Kürzung
weiterer Beiträge für andere VN-Organisationen und der internationalen
Agrarforschung sind ein Skandal.
Vielleicht ist aber der qualitative
Aspekt noch entscheidender: Durch die immer geringer werdenden Mittel kann
der Eindruck gewonnen werden, daß das BMZ aufs politische Abstellgleis
gestellt und der am-bitiöse Ansatz der "Gobalen Strukturpolitik" schon
im Keim erstickt werden soll.
Gegenstrategie
Trotz allem muß das BMZ eine
Strategie verfolgen, wie die Radikalkürzung gestaltet werden kann.
Es bedarf einer Strategie, Ent-wick-lungs-politik als eigenständiges
Poli-tikfeld in Deutschland, der EU und bei den Vereinten Nationen am Leben
zu erhalten. Daher sind unter anderem folgende Leitlinien notwendig:
Konzentration auf die wichtigen Ebenen, d.h. Stärkung der internationalen
Politik und Projektarbeit;
andere Finanzierungswege erschließen: die Rückflüsse aus
Krediten sind dem Süden z.B. über Schuldenerlasse wieder zuzuführen;
nur die Zinssubentionen der Kredite sollten über den BMZ-Haus-halt
finanziert werden, nicht die eigentlichen Kredite (die könnten z.B.
auf dem freien Markt beschafft werden): damit könnte das BMZ mehr
Kredite zu gleichen Konditionen gewähren;
gründliche Prüfung anderer Bereiche wie beispielsweise die Subventionen
in der EU-Agrarpolitik und Umschichtung der Mittel in zukunftsorientierte
Politikfelder;
Technologietransfers, die Regierungen im Hinblick auf internationale Verpflichtungen
(u.a. in den Bereichen WTO und Klimaschutz) zu good governance befähigen;
Stärkung der Politikfähigkeit: das beinhaltet u.a. eine Erhöhung
der Mittel für entwicklungspolitische Bildungsarbeit.
Die Aufgaben wachsen und die Budgets
sinken. Die Antwort darauf muß eine bessere Gestaltung der Rahmenbedingungen
sein. Aber auch dazu bedarf es ein Mehr an Mitteln, als diese Regierung
bereit ist zu geben. Vor allem Anderen muß es aber den Willen geben,
den globalen Wandel so zu gestalten, daß auch die Armen in
Nord und Süd an den Chancen teilnehmen können. Und daran
scheint es der Bundesregierung besonders zu fehlen.
Rainer Engels / Axel Stelzner
zuletzt geändert
am 07.12.1999