StartseitePublikationen  >  Germanwatch-ZeitungNr. 4/02

Die ökologische "Riester-Rente" kommt

Nachhaltigkeitsberichtspflicht als Schub für nachhaltige Kapitalanlage

Mit der Nachhaltigkeitsberichtspflicht ist die Tür zu mehr Transparenz und Zukunftsfähigkeit bei Finanzprodukten aufgestoßen worden. Die Branche hat reagiert. Ein Teil der auf dem Markt befindlichen Riester-Produkte verwendet die eingezahlten Altersvorsorgebeiträge nach ethischen, sozialen und ökologischen Kriterien. Welche Kriterien dies sind, ist jedem Anbieter selber überlassen, er muss nur berichten, welche angelegt werden. Ein Standard-Berichtsformat entwickelt von GERMANWATCH in Kooperation mit dem Ministerium für Umwelt- und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes NRW versucht in die verschiedenen Produkte etwas Übersicht zu bringen.

Die Auswertung der Umfrage kann ab Ende Juni über die Internetseite www.germanwatch.org/rio/si.htm abgerufen werden. Dabei werden die zukunftsfähigen Riester-Produkte hinsichtlich ihrer ethischen, ökologischen und sozialen Anlagestrategie, des Anteils des zukunftsfähig angelegten Vermögens und ihrer Wertentwicklung verglichen. Folgende Tabelle nach Selbstauskunft der Anbieter gibt einen ersten Überblick, bei welchem Anbieter, d.h. Banken, Versicherungen oder Fondsgesellschaften, Riester-Produkte mit Nachhaltigkeitskriterien angeboten werden. Unverständlich ist, dass Produkte mit Nachhaltigkeitskriterien oft nur auf ausdrückliche Nachfrage erhältlich sind. Die Summe der nach Nachhaltigkeitskriterien angelegten Gelder ist nicht bei allen Produkten 100%. Die detaillierte Auswertung der Befragung kann demnächst unter www.germanwatch.org/rio/si.htm nachgelesen werden.
 
Institut/Ort
Name des Riester-Produktes 
Kontakt 
1. Bank für Kirche und Caritas (Paderborn) VR-Rente-Plus T: 05251/121-50, www.bkc-paderborn.de
2. Bruderhilfe Pax Familienfürsorge (Detmold) certes - Variation verantwortungsvoll www.bruderhilfe.de
3. Berlinische Lebensversicherung AG/ delta Lloyd Gruppe (Wiesbaden) Aufbau-Rente, ab1.7.02 T: 0611/7731, www.deltalloyd.de
4. GERLING-Konzern (Köln)
Gerling E&L (Wiesbaden)
Gerling/Tandem-RenteDynamik: Modell"Zukunft" www.gerling.de
5. GLS-Gemeinschaftsbank (Bochum) Primos-Rentenversicherung www.gemeinschaftsbank.de
6. Mannheimer Lebensversicherung AG (Mannheim) Primos-Rentenversicherung www.mannheimer.de
7. oeco capital Lebensversicherung AG (Hannover) AltersVermögensRente www.oeco-capital.de
8. Ökobank (Frankfurt) VorsorgePlusPlan www.oekobank.de
9. ÖkoRenta AG (Hilden) Ökolife T: 02103/9457-0, www.oekorenta.de
10. SEB (Frankfurt) Plus Rente Classic / Dynamic 
(Kooperation mit Gerling-Konzern)
T: 069/258-0, www.seb.de
11. Versiko AG (Düsseldorf) Öko-Förderrente www.versiko-koeln.de

Eine erste Auswertung der Rückläufe des Berichtsformats zeigt, dass viele Anbieter auf Nachhaltigkeitskriterien verzichten, da sie eine geringere Rendite erwarten. Diese vom Bundesverband deutscher Versicherungen empfohlene Standardantwort entspricht nicht den tatsächlichen durchschnittlichen Entwicklungen ethisch, ökologisch und sozial ausgerichteter Fonds.

Für manche Anbieter von Riester-Produkten sind die auflaufenden Volumina zu gering für ein separates Management, andere sehen aufgrund der jeweils hausinternen Abläufe keine Chance, die Verwendung der eingezahlten Gelder nachzuvollziehen. Ein Erfolg der Nachhaltigkeitsberichtspflicht ist, dass dies bei einigen der größeren Anbieter im Begriff ist sich zu ändern. Die Chance auf mehr Transparenz - zunächst hausintern - bei der Mittelverwendung ist ein nicht zu unterschätzender positiver Nebeneffekt der Nachhaltigkeitsberichtspflicht.

Während viele Anbieter zögern, ihre eigenen Riester-Produkte auf den Markt zu bringen und lieber Partnerprodukte vertreiben, werden bei bisher zögerlichen Anbietern Produkte mit Nachhaltigkeitskriterien geplant bzw. in Betracht gezogen.

Interessant sind die Antworten einiger Sparkassen. Sie geben vor, dass aufgrund ihres gesellschaftlichen Auftrages eine sinnvolle Verwendung der Mittel, zumeist Sponsoring oder die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen, im Rahmen der allgemeinen Geschäftstätigkeit sichergestellt sei. Zusätzliche Nachhaltigkeitskriterien seien nicht nötig.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass, obwohl dieser erste Schritt der Rentenreform sehr schleppend angenommen wird, in der Branche hinsichtlich kommender Finanzprodukte mit ethischen, sozialen und ökologischen Anlagekriterien Optimismus spürbar ist. Riester-Produkte sind für viele Kunden nicht die rentabelste Lösung, deshalb müssen in einem ersten raschen Schritt auch die klassischen Altersvorsorgeprodukte mit einer Nachhaltigkeitsberichtspflicht versehen werden. Generell dürfte es aufgrund der sozial-ökologischen Lenkungswirkung nachhaltiger Finanzprodukte im Interesse aller Umwelt- und Sozialpolitiker sein, Nachhaltigkeitsberichtspflichten für alle Finanzprodukte einzuführen.

Heidi Kähkönen, Stefan Rostock
 


zuletzt geändert am 10.7.02