Startseite
> Publikationen > Germanwatch-Zeitung
> Nr. 5/02
Trade Justice Movement
Eine britische Kampagne auf dem Weg
nach Deutschland
In Großbritannien wurde eine neue
internationale Handelskampagne gestartet unter dem Namen Trade Justice
Movement. In einem ähnlich breiten Bündnis wie bei der Erlassjahr-Kampagne
von 1998 bis 2000 soll diesmal die Rolle des Welthandels thematisiert werden.
Die Kampagne wird getragen von nahezu allen entwicklungspolitischen Organisationen
in Großbritannien.
Das Trade Justice Movement verfolgt
folgende Ziele:
-
Arme Länder sollen nicht mehr gezwungen
werden, ihre Märkte zu öffnen und ihr Recht auf eine eigene Wirtschaftspolitik
soll gestärkt werden;
-
Multinationale Unternehmen und ihre
Auslandsinvestitionen sollen reguliert werden, damit Menschen und Umwelt
vor Profit kommen statt umgekehrt;
-
Reiche Länder sollen gestoppt werden,
Interessen der Multis durch Handelsmaßnahmen zu unterstützen,
die die Armen im Süden und die Umwelt gefährden;
-
Handelspolitik soll fair, transparent
und demokratisch geregelt werden.
Eine erste erfolgreiche Aktion war das
„Public Lobbying” am 19. Juni diesen Jahres vor dem Parlament in London.
Public Lobbying ist eine Kombination aus Demonstration und Lobbygesprächen
mit Parlamentariern, bei der möglichst viele Menschen ihren Abgeordneten
um einen Termin bitten sollen.
Auch in Deutschland gibt es Pläne,
sich an der Kampagne zu beteiligen. Einige der im Forum Umwelt & Entwicklung
zusammengeschlossenen Organisationen haben bereits Interesse signalisiert.
Die Zeichen der Zeit für eine große Handelskampagne stehen günstig:
-
Zwar versuchen die Industrieländer
erneut, ihre Interessen gegen die Entwicklungsländer durchzusetzen.
Die Verhandlungen bei der WTO stehen jedoch unter dem Titel einer Entwicklungsrunde
und seit kurzem ist mit Supachai Panitchpakdi erstmals ein Vertreter eines
Entwicklungslandes WTO-Generaldirektor. Es besteht daher Hoffnung auf eine
entwicklungsfreundlichere Politik der WTO.
-
Die WTO-Verhandlungen laufen bis mindestens
2005, ein guter Zeitrahmen für eine groß angelegte Kampagne.
-
Die neue Bundesregierung hat sich in
der Koalitionsvereinbarung klar für eine starke Berücksichtigung
der Interessen der Entwicklungsländer und insbesondere der Armen in
diesen Ländern ausgesprochen.
-
Der moralische Impetus der insbesondere
kirchlich orientierten Träger der Erlassjahrkampagne und die jugendliche
Energie der globalisierungskritischen Bewegung können zu tatsächlichen
politischen Veränderungen führen, wenn sie sich zusammentun.
Lange gab es nicht mehr die Chance, so viele Menschen für bessere
Lebensbedingungen in Nord und Süd zu aktivieren.
-
Durch die Internationalität der
Kampagne verstärkt sich noch einmal der politische Druck auf die Entscheidungsträger
in den Verhandlungen.
Es steht damit zu erwarten, dass das
Jahr 2003 große Bedeutung erhält für einen neuen Start
zur wirklichen Verankerung nachhaltiger Entwicklung in der Weltwirtschaft.
Rainer Engels
zuletzt geändert
am 10.12.02