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> Nr. 3/98
BP, Shell, Esso und das Klima
Ein Vergleich, der zum Handeln einlädt
Um die drei weltweit größten
Ölkonzerne bezüglich ihrer Klimapolitik einzuschätzen, legt
GERMANWATCH drei Kriterien an:
Welche Lobbyarbeit betreiben die Konzerne?
Kurz vor dem Klimagipfel
von Kyoto hatte sich zunächst BP aus der "Global
Climate Coalition", der großindustriellen Anti-Klimaschutz-Lobby,
zurückgezogen. BP begrüßt das Kyoto-Abkommen als "ersten
Schritt in der langen Reise". Einige Monate nach Kyoto folgte dann Shell
und verabschiedete sich aus der Global Climate Coalition. Shell unterstützt
jetzt "das Protokoll von Kyoto als wichtigen Schritt in die richtige Richtung".
Exxon/Esso ist nach wie vor aktives Mitglied der Global Climate Coalition
und versucht, die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls zu verhindern.
Es wird interessant sein zu beobachten,
ob sich auch Amoco nach der Fusion mit BP in den nächsten Monaten
aus dieser Lobby-Gruppe zurückziehen wird. Die amerikanischen Töchter
aller drei Großkonzerne sind allerdings nach wie vor Mitglied im
American Petroleum Institute, das in den USA die großen Anti-Klimaschutz-Kampagnen
maßgeblich organisiert.
Inwieweit sind sie bereit, CO2-Reduktionsziele
für ihr Unternehmen zu akzeptieren?
Im September 1998 verkündete BP-Chef
Browne, daß BP seine globalen Treibhausgasemissionen zwischen 1990
und 2010 um 10 Prozent reduzieren wird. Dies betrifft die Emissionen der
internen BP-Tätigkeiten, nicht die des verkauften Öls, macht
aber immer noch etwa soviel wie die Gesamtemissionen der Schweiz aus. Ohne
Maßnahmen würden, so die Selbsteinschätzung, die BP-Emissionen
von 40 Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr 1990 auf etwa 58 Millionen
Tonnen ansteigen. Stattdessen soll bis 2010 eine Reduktion auf 36 Millionen
Tonnen erfolgen. Mitte Oktober zog Shell nach. Der Konzern verkündete,
die Treibhausgasemissionen aus seiner weltweiten Tätigkeit bis zum
Jahr 2002 gegenüber 1990 um 10 Prozent zu verringern. Bis zum Jahr
2010 soll der Ausstoß gegenüber 1990 um "mehr als 5 Prozent"
reduziert werden. Ein leichtes Wachstum der Emissionen nach 2002 wird damit
für möglich gehalten. Exxon hat dagegen bisher Reduktionsziele
für das Unternehmen kategorisch abgelehnt.
In welchem Tempo beginnen sie, ihre
Investitionen verstärkt in die Bereiche Erneuerbare Energien und Energieeffizienz
umzulenken?
BP hat angekündigt, 15 bis 20 Millionen
US-Dollar bis zum Jahr 2010 in Erneuerbare Energien zu investieren. Das
Solar-Business soll dann zehnmal so groß sein wie heute. Außerdem
will BP massiv in Effizienzsteigerungen und neue Technologien investieren.
Trotz eines solch ermutigenden Einstiegs
sind diese Investitionen im Vergleich zu den 4 Milliarden US$, die BP etwa
1997 für Exploration und Produktion investierte, noch sehr gering.
Ähnliches gilt für die 100 Millionen US$, die Shell in den nächsten
fünf Jahren für Erneuerbare Energien ausgeben will. Dem stehen
im Jahr 1997 Investitionen in Höhe von 7,5 Milliarden US$ für
Exploration und Produktion gegenüber.
Dennoch hat das Engagement von BP
und Shell dazu geführt, daß die gesamte Erneuerbaren-Branche
an Schwung und Bedeutung gewonnen hat. Von Exxon sind uns - außer
allgemeinen Bekenntnissen zu neuen Technologien im Bereich Energieeffizienz
- entsprechende Aktivitäten bisher nicht bekannt.
Der Vergleich zeigt: Obwohl BP und
Shell weit davon entfernt sind, alle Klima-Hausaufgaben gemacht zu haben,
so gehen sie doch hinsichtlich aller drei Kriterien ermutigende erste Schritte.
Exxon und seine deutsche Tochter Esso hingegen haben die Herausforderung
'Klimaschutz' bisher nicht angenommen.
Nur massiver öffentlicher Druck
könnte daran etwas ändern.
Helfen Sie
mit, ihn zu erzeugen!
CB
zuletzt geändert
am 7.11.1998