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21. IPCC-Plenarsitzung: Inhalte und Ergebnisse

(Wien, 3. - 7. November 2003)
 

Wichtigste Ergebnisse

Das wichtigste Ergebnis von IPCC XXI war die Einigung über die Struktur und Gliederung des Vierten Sachstandsberichts (AR4), der 2007/8 verabschiedet werden soll und wiederum mehrere Tausend Seiten umfassen wird. Dafür tagten die drei Arbeitsgruppen des IPCC zwei Tage parallel. Sie fassten Beschlüsse über die ausführliche (jeweils vierseitige) Gliederung des Berichts jeder Arbeitsgruppe für den AR4. Einige (subjektiv ausgewählte) Kapitelüberschriften aus der Arbeitsgruppe I (Klimawissenschaft) von Interesse sind: direkter und indirekter Strahlungsantrieb bei Aerosolen; Kondensstreifen und Flugzeug-induzierte Zirruswolken; GWP (Global Warming Potential) und andere Metriken zum Vergleich verschiedener Emissionen; Änderungen bei Extremereignissen; Änderungen im gefrorenen Boden.

Des weiteren ging es um den Synthesis Report (SyR) des AR4. Hier konnte lediglich ein Prozess zur Entscheidungsfindung angestoßen werden. Ein Beschluss wird erst auf IPCC XXII, d.h. in frühestens einem Jahr, gefällt werden.

Ein auch für Germanwatch interessanter Punkt: Der IPCC wird sich selbst nicht zur Kritik an den SRES-Szenarien äußern. Dies soll der Kommunikation in der Wissenschaft mittels reviewter Zeitschriften überlassen bleiben. Die Modellierer arbeiten verbreitet mit den SRES-Szenarien, die auch dem AR4 zu Grunde liegen werden. Sie werden nicht weiterentwickelt werden, sondern man wird vielmehr neuartige Szenarien entwickeln, die dann im darauffolgenden Sachstandsbericht (AR5) benutzt werden können. Die neuen Szenarien müssten 2008 feststehen, so dass in Bälde (spätestens 2005) mit ihrer Entwicklung begonnen werden muss, um diese Vorgabe einzuhalten.

Auf den Wunsch von SBSTA (wissenschaftlich-technisches Nebenorgans der Klimarahmenkonvention), den Einfluss des Menschen bei Kohlenstoffbindungsprozessen herauszufiltern („factoring out direct human-induced changes in carbon stocks ...“; dies ist für die Behandlung der Land- und Forstwirtschaft in der 2. Verpflichtungsperiode notwendig), kann der IPCC mangels hinreichenden Wissens keine Antwort geben. Dies ist ein außergewöhnliches Ergebnis einer an den IPCC herangetragenen Frage. Er wird dies so an den SBSTA melden.

Wie schon auf IPCC XX beschlossen, wird es keinen Sonderbericht zu Klimaänderung und Wasser geben, sondern ein Technical Paper, das 2008 (oder möglicherweise schon 2007) vorliegen soll. Sein Hauptthema wird nach der nun auf IPCC XXI verabschiedeten Gliederung der Einfluss der Klimaänderung auf hydrologische Prozesse (inkl. Extremereignisse wie Dürren und Überflutungen) und auf die Wasserressourcen hinsichtlich Nutzung, Qualität und Management sein.

Unter dem Tagesordnungspunkt "Sonstiges" brachte Deutschland den Vorschlag zur Erstellung eines Sonderberichts zu kohlenstofffreier Energieversorgung, insbesondere Erneuerbaren Energien, ein. Dies stieß bis auf eine Ablehnung (Saudi-Arabien) und eine Hinhalte-Aussage (China) auf weit überwiegend positive Reaktionen (von Brasilien, Belgien, UK, Dänemark, Japan, Norwegen Marokko). Russland (vertreten durch Yuri Izrael) und die USA wollen die kohlenstofffreie Energiebereitstellung noch mit Atomkraft verbinden.

Weitere Punkte

Der (recht neue) Vorsitzende Rajendra Pachauri führte die Sitzung weitgehend fehlerlos, wenn auch die Ergebnisse nicht alle im Sinne der Klimaschutz forcierenden Kräfte ausgefallen sind.

Wegen einer Vakanz während des erneuten Wechsels an der Spitze des IPCC-Sekretariats wurde die Leitungsfunktion kommissarisch von Renate Christ ausgefüllt: Der in einem längeren Verfahren ausgewählte Australier Geoff Love ist kaum ein Jahr nach Amtsübernahme zurück nach Australien (in Wien trat er als australischer Delegierter auf): Es sieht so aus, als habe er seine Ernennung zum Leiter des IPCC-Sekretariats lediglich als Sprungbrett für eine von ihm favorisierte Position benutzt.

Bei den beiden anstehenden Sonderberichten zu Kohlendioxid-Abtrennung und -Speicherung wie zu den fluorierten Gasen - beide haben jeweils rund 100 Autoren - wurde lediglich der Verfahrensfortschritt festgestellt.

Der Vorschlag der Erstellung einer Reihe von Technischen Papieren über die Regionen wurde gemischt aufgenommen, nicht zuletzt weil seine Umsetzung mit hohem Aufwand verbunden ist. Pachauri machte nach der Aussprache einen detaillierten Verfahrensvorschlag, wie damit in Zukunft für eine Entscheidungsfindung umgegangen werden soll.

Die TGCIA wird in TGICA (Task Group on Data and Scenario Support for Impacts and Climate Analysis) umbenannt, weil die erste Benennung einer bestehenden Institution (Chemical Industry Association) ins Gehege kommt. Abweichend vom üblichen Verfahren hat sie einen Vorsitzenden (anstatt zweier Co-Chairs), weil die Entwicklungs- und Schwellenländer keinen Kandidaten von ihrer Seite präsentieren. Deutschland und das Vereinigte Königreich geben für TGICA die meiste finanzielle Unterstützung.

Der Review der IPCC-Prinzipien ergab - außer redaktionellen Modifikationen - keine weiteren Änderungen.

Das Papier zum Budget (2004 - 2007) wurde angenommen.

Die Verfahrensfragen zu den Wahlmodalitäten des IPCC werden auf der nächsten Sitzung abschließend behandelt werden.

Zu IPCC XXI sind die Übersetzungen des Dritten Sachstandsberichts (TAR) in die restlichen UN-Sprachen fertiggestellt worden.

Manfred Treber, 23.11.03
 


zuletzt geändert am 25.11.03