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CO2-Entsorgung als Alternative zu Erneuerbaren
Energien?
Inhalte der XX. Plenarsitzung des IPCC
- der ersten unter seinem neuen Vorsitzenden
Die XX. Plenarsitzung des Intergovernmental
Panel on Climate Change (IPCC), die in Paris (19.-21. Februar 2003) stattfand,
war nach der Abwahl des souveränen Bob Watson die erste mit dem Inder
Rajendra Pachauri als neuem Vorsitzenden. Eine weitgehend konstruktive
Sitzung mit wenig "Störfeuer" lief ab, so dass kaum kritische Situationen
entstanden. Bei solch untypischem Ablauf ist zu hinterfragen, ob die üblichen
Verdächtigen (wie Saudi-Arabien oder die USA), die Pachauri in den
Sessel geholfen hatten, ihn nicht gleich in der ersten Sitzung auflaufen
lassen wollten und deshalb schwierig zu meisternde Situationen vermieden.
Folglich ist noch keine Aussage darüber möglich, wie souverän
der neue Vorsitzende mit diesen umgeht, wenn sie auftreten.
Herausgestellt hat sich allerdings,
dass Pachauri bisher nicht als Anhänger von klaren Verfahren - mit
dem Niedersausen des Hammers nach Abschluss eines Tagesordnungspunktes
- auftrat: Er neigt eher dazu, keine Beschlüsse zu fassen ("machen
wir, wie besprochen"; "machen wir so weiter"), so dass er mehrfach aus
dem Plenum darauf hingewiesen wurde, ein Beschluss müsse formal gefasst
werden. In den wenigen kritischen Situationen hat er mit "zeitlichem Verschieben"
das Problem "gelöst". In einem Fall (als es um das Mandat der "Task
Group on Scenarios for Climate and Impacts Assessment" ging, das drängte,
da diese Gruppe im Juli zusammenkommen wird) blieb eine Beschlussfassung
leider aus.
Klimapolitisch sehr erfreulich war
das hochrangige Auftreten der französischen Regierung als Gastgeber.
Am ersten Tag hielt Premierminister Jean-Pierre Raffarin (in Begleitung
sowohl der Forschungs- als auch der Umweltministerin) eine Rede vor dem
Plenum, die an Klarheit der Analyse der Herausforderung des Klimawandels
nichts zu wünschen ließ (vgl. KlimaKompakt-Artikel
mit Redeauszügen). Auch seine Folgerungen für politisches
Handeln waren konsequent: "Die Ziele sind bekannt und genau. Es geht darum,
die Treibhausgasemissionen vor 2050 auf globaler Ebene zu halbieren. Für
uns Industrieländer bedeutet das ein Teilen durch 4 oder durch 5.
Im Geiste des Prinzips der gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortung
müssen wir beispielhaft Politiken und Maßnahmen im Klimaschutz
zu Hause zeigen."
Das Arbeitsprogramm des IPCC ist
weiterhin umfangreich. Die Leiter der drei IPCC-Arbeitsgruppen stellten
ihre Arbeitsfortschritte zum 4. Sachstandsbericht (Fourth Assessment Report;
offizielle Abkürzung: AR4) vor, und eine Reihe von weiteren Themen,
die oft in Berichte münden werden, wurden abgehandelt. Auf sie wird
im folgenden kurz eingegangen.
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Die Klima-Sensitivität (bisher:
1,5 bis 4,5 K Erwärmung bei Verdopplung der CO2-Konzentration) wird
weiterhin als große Quelle von Unsicherheit für die Angabe zukünftiger
Erwärmung gesehen. Deshalb wird der IPCC (WG I) dazu 2004 einen Workshop
durchführen.
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Es wird keinen Sonderbericht
zu "Klimaänderung und Wasser" geben, sondern ein Technical Paper wird
nach der für das Jahr 2007 geplanten Verabschiedung des AR4 aus dessen
Material erstellt. Zwischenzeitlich wird Fortschritt durch den "Dialog
über Wasser" (Kyoto, 2003) erwartet.
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Der Sonderbericht zur CO2-Entsorgung
("CO2-Capture and Storage" - im Dezember 2002 fand ein IPCC-Workshop dazu
statt) wird 2005 erscheinen. Prof. Olav Hohmeyer (Universität Flensburg),
der später in das Bureau des IPCC nachrücken wird, wirkt als
Autor intensiv beim Kapitel über die Kosten dieser Option mit, die
als klassische end-of-the-pipe-Technologie eingestuft werden kann. Die
Kosten der CO2-Entsorgung verteuern die Nutzung herkömmlicher fossiler
Energieträger und sind essentiell für ihre mittelfristige Wettbewerbsfähigkeit
im Vergleich mit der großmaßstäblichen Nutzung von Erneuerbaren
Energien. Dieser Sonderbericht untersucht die Abtrennung des CO2, den Transport
zu den Lagerstätten und schließlich die sich dafür anbietenden
Möglichkeiten in geologischen Formationen einerseits und im Meer andererseits.
Dabei werden auch Aspekte der Sicherheit der Lagerung, der Permanenz und
der Wirtschaftlichkeit eingehend untersucht werden.
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Erst IPCC XXI (vom 3.-7. (oder 8.) November
2003; vermutlich mit Wien als Austragungsort) wird sich mit der Frage der
Definition befassen, was "human induced changes" im Bereich der biogenen
Emissionen sind. Hier geht es darum zu definieren, welche treibhausgasverursachenden
Prozesse in der Biosphäre (wie etwa Waldbrände und Änderungen
der Vegetation) als menschverursacht eingestuft werden.
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Es wird trotz bereits jahrelanger Aktivitäten
des russischen IPCC-Vize Prof. Yuri Izrael keinen Workshop über die
Frage geben, was "dangerous interference with the climate system" ist.
Izrael ist der Überzeugung, dass der IPCC die Antwort zur Operationalisierung
von Art. 2 der Klimakonvention ("welche Klimaänderung ist gefährlich?)
zu geben im Stande ist, auch wenn ihm bereits seit Jahren gesagt wird,
dies wäre eine nur politisch beantwortbare Frage, was über das
Mandat des IPCC hinausgeht.
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Der Sonderbericht zu HFCs (das sind
die industriell erzeugten Gase, die vornehmlich als Ersatz der ozonschädigenden
FCKW eingesetzt werden, jedoch stark treibhauswirksam sind) ist auf dem
Weg und wird voraussichtlich Anfang 2005 abgenommen werden.
Zuletzt in der Zeitschrift Economist
ist eine methodische Kritik am Verfahren bei der Erstellung der SRES-Szenarien
des IPCC (dies sind bis ins Jahr 2100 reichende weltweite Emissionsszenarien
für Treibhausgase, die laut Vorgabe keine Klimaschutzanstrengungen
beinhalten) erschienen. Sie stellt unter anderem auf die Verwendung von
Kaufkraftparitäten anstatt den bei SRES gewählten Wechselkursen
bei der Wachstumsmodellierung ab. Dadurch würde das projizierte Wirtschaftswachstum
in Entwicklungsländern - und folglich die projizierte Emissionszunahme
- geringer als in den SRES-Szenarien ausfallen. Der IPCC nimmt diese Kritik
ernst, zumal die SRES-Szenarien auch Grundlage für die Rechnungen
für AR4 sind. Der IPCC will durch die Art und Weise seiner Reaktion
seine Glaubwürdigkeit sicherstellen. Sowohl die Autoren der Szenarien
als auch der Vorsitzende werden auf die Kritik reagieren, und ein Prozess
wird gestartet, um die Konsistenz der Verwendung der SRES-Szenarien im
AR4 zu gewährleisten.
Keinen Fortschritt gab es bei der
Änderung der Modalitäten der Wahl des IPCC-Vorsitzenden, die
wegen starker Unzufriedenheit der asiatischen GUS-Folgestaaten (Unterrepräsentanz)
laut Beschluss der letzten IPCC-Sitzung bereits auf IPCC XX hätten
angepasst werden sollen. Diese Staaten, die erst seit gut 10 Jahren existieren,
fallen nicht in die üblichen Kategorien Industrieländer / Entwicklungsländer,
nach der die Verteilung der Sitze in verschiedenen Gremien erfolgt. Dementsprechend
sind sie grundsätzlich bei Wahlen schlecht positioniert, was sich
ändern muss.
Manfred Treber, Februar 2003
Dieser Beitrag ist eine leicht erweiterte
Fassung des im Rundbrief 1/2003 des Forum
Umwelt & Entwicklung erschienenen Artikels.
zuletzt geändert
am 6.3.03