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Offener Brief an Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat

Sofort die Verhandlungen zum Multilateralen Investitionsabkommen (MAI) stoppen!
 

Das multilaterale Investitionsabkommen (MAI) wird seit Frühjahr 1995 von der OECD verhandelt, die ersten beiden Jahre davon unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Jetzt drängt die OECD auf einen ra-schen Abschluß.

Ziel des MAI ist eine weitestgehende Liberalisierung und Deregulierung aller Auslandsinvestitionen. Dies wird dazu führen, daß eine erhebliche Einschränkung politischer Kontrolle von Auslands-investitionen stattfindet und der Druck zur Anpassung der sozialen und ökologischen Standards nach unten erhöht wird. Nicht-OECD-Staaten sind an den Verhandlungen nicht beteiligt, werden aber unter Druck stehen, dem fertigen Abkommen beizutreten.

Insbesondere die folgenden Prinzipien, die den "harten Kern" des Abkommens ausmachen und, ungeachtet zahlreicher anderer Streitpunkte, unter den Verhandlungspartnern unstrittig sind, bedeuten eine langfristige Weichenstellung zugunsten der wirtschaftlich starken „global players", der transnationalen Konzerne und der Finanzmärkte:

Auf Druck von Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen wurden zwar Formulierungen über Sozial- und Umweltstandards aufgenommenen, aber diese sind völkerrechtlich völlig unverbindlich. Nachhaltige Entwicklung, die seit der Rio-Konferenz das Leitbild aller internationalen Abkommen sein soll, wird ignoriert.

Wir, die unterzeichnenden Organisationen und Gruppen lehnen das Multilaterale Investitionsabkommen (MAI) ab. Es gibt mit Blick auf das Ausmaß der sozialen Probleme und ökologischen Zerstörung einen offensichtlichen Bedarf für eine multilaterale Regulierung von Investitionen. Dagegen ist es nicht Absicht des MAI, Investitionen zu regulieren, sondern Regierungen zu reglementieren. Dies ist der genau entgegengesetzte, unserer Meinung nach grundfalsche Ansatz. Deshalb ist für uns ein solches Abkommen inakzeptabel.

In vielen Ländern wächst die Opposition gegen das MAI. Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen, ParlamentarierInnen, lokale und regionale PolitikerInnen sprechen sich gegen das MAI aus. Auch das europäische Parlament hat mit großer Mehrheit die Ablehnung beschlossen.

Aus oben genannten Gründen fordern wir die Bundesregierung auf:

  1. Stoppen Sie das MAI, um ausreichend Zeit für eine gründliche Analyse der Auswirkungen des Abkommens zu haben und eine breite Diskussion in der Öffentlichkeit zu führen. Ein so weitgehen-des Abkommen darf nicht ohne die Beteiligung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen verab-schiedet werden.
  2. Verlagern Sie die Verhandlungen auf die internationale Staatengemeinschaft. Abkommen globaler Tragweite müssen im UN-System ausgehandelt werden, um die Beteiligung aller betroffenen Län-der einschließlich der Entwicklungsländer zu gewährleisten.
Wir fordern die Mitglieder des Bundestages und Bundesrates auf:
  1. Führen sie die Debatte über das MAI im Parlament.
  2. Ratifizieren Sie das MAI nicht.
Afrika Süd Aktions-Bündnis e.V. (AAB), AK Friedenspolitik/Atomfreies Europa, AK Gewerkschaften er Studierendenvertretung der Universität München, AK Hochschulpolitik des AStA der Sporthochschule Köln, AKE-Bildungswerk, Aktion Partnerschaft 3. Welt e.V./Weltladen, Aktion Weltmarkt, Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt, Arbeitsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz, Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratische Frauen (ASF), Arbeitskreis INternationalismus der IG Metall Berlin, Arbeitskreis Südliches Afrika, artists for nature, AStA der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, AStA der Ev. Fachhochschule Nurnberg, AStA der Fachhochschule Bielefeld, AStA der Fachhochschule Hi-Hol-Gö, AStA der Fachhochschule Münster, AStA der Universität Regensburg, AStA der Universität Trier, AStA GSU (Universität München), AStA PH Heidelberg, AStA der TU Clausthal, AT-Verband, Banafair e.V., BDKJ-Bundesvorstand, BDKJ-Referat für Bolivienpartnerschaft & Entwicklungspolitik, Beyond War Gruppe Nürtingen, Brot für die Welt, BUND, Bundjugend, Bürgerinitiative für eine Städtepartnerschaft Münster-Acoyapa/Nicaragua, CAF, Christliche Aktion Mensch-Umwelt, Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., Cuba Sí Braunschweig, Deutsche Welthungerhilfe, EURONATUR, Fachschaft Ev. Theologie Marburg, FDCL e.V., Feministische Partei DIE FRAUEN, Feministische Partei DIE FRAUEN - Landesmitfrauverband Bayern, Forum Kommunalpolitik für Eine Welt - Ostwestfalen-Lippe, Frauen für den Frieden Gießen, Frauenmacht, freier zusammenschluß von studentInnenschaften (fzs), Frieden mit der Erde, Friedensinitiative Christen in der Region München, Friedensinitiative Zehlendorf, FUSS e.V., GERMANWATCH e.V., Global Challenges Network e.V., GRÜNE LIGA e.V., Habitat Informationsbüro Berlin, Heinrich-Böll-Haus Lüneburg, infoe e.V., Infostelle Latein Amerika (ila), Jugendliche organisieren Kultur im Eichstatt (JOKE e.V.), KLJB - Diözesanverband Paderborn, KLJB Deutschland - Bundesvorstand, Komitee Widerstand gegen das MAI, Kommune Niederkaufungen, Koordinationskreis Ökumenischer Basisgruppen, LAG Frieden der GAL Hambug, Landwirtschaftliche Fachstelle entwicklungspolitische Bildung in der EKD, Lateinamerika Institut der FU Berlin, Lokale Agenda 21 - Team Schäftlarn, MAI-Gruppe Berlin, Mexico-Gruppe Berlin, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Naturschutzjugend Bayern, Naturwissenschaftler-Initiative "Verantwortung für den Frieden", Norddeutsche KlimaBündnis Koordination, NRO-Frauenforum, PDS KV Braunschweig, Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN e.V.), Play Fair Europe!, Pro Familia Regensburg, Rettet den Regenwald e.V., Selbsthilfe gegen Wohnungsnot Porz e.V., SJD-Die Falken, Solidaritätsdienst International (SODI e.V.), Sozialwiss. Forschung & Praxis für Frauen, Stiftung Nord-Süd Brücken, StudentInnenvertretung FH Weihenstephan, Studentische Arbeitsgruppe Weimar, terre des hommes BRD, UMKEHR e.V., Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V. (VÖÖ), WEED e.V., Weltfriedendienst, Weltladen Bonn, Weltladen Mannheim, Werkhof Darmstadt e.V., Werkstatt Ökonomie, Widerstand Weltweit Wendland (WIWA)
 


zuletzt geändert am 30.04.1998