Startseite  >  Welthandel  >  Zucker

Zucker-Dialog: Hintergrund

Germanwatch-Projekt "Süßer Sprengstoff für die entwicklungspolitische und ökologische Debatte - Optionen für eine nachhaltige Zuckerwirtschaftspolitik"
 

Die europäische Zuckermarktordnung (ZMO) muss nun nach knappen 40 Jahren grundlegend reformiert werden. Ausschlaggebend ist das Ablaufen der ZMO im Juni 2006 und die WTO-Entscheidung bezüglich der Klage von Brasilien, Australien und Thailand. Demnach muss die EU ihr Export-Dumping von Zucker auf den Weltmarkt stoppen und die Außenschutzmaßnahmen abbauen, um fairere Wettbewerbsbedingungen auf dem internationalen Zuckermarkt zu gewähren. Die von der EU-Kommission im Dezember 2005 beschlossene Reform der EU-Zuckermarktordung ist umstritten. Klar ist, dass der Zuckermarkt reformiert werden musste. Doch die meisten entwicklungspolitischen Experten sind sich einig, dass die beschlossene Liberalisierung des Zuckermarktes unter den gegebenen Bedingungen einige Gewinner in Entwicklungsländern zur Folge haben wird, aber auch sehr viele Verlierer. Denn die Ausgleichszahlungen für die betroffenen AKP-Länder sind marginal, verglichen mit den Milliarden, die die EU den europäischen Bauern und der Zuckerindustrie als Ausgleich zahlen wird. Viele der weniger wettbewerbsfähigen Exporteure in Entwicklungsländern werden durch die Reform hart getroffen. Zudem ist durch die Senkung des Zuckergarantiepreises in der EU nicht sichergestellt, dass subventionierte EU-Überschüsse in Zukunft nicht mehr anfallen. Diese Überschüsse werden seit vielen Jahren zu Billigpreisen unterhalb der Produktionskosten (so genanntes Dumping) exportiert und drücken dadurch die Preise auf den Märkten der Entwicklungsländer – sie sind eine Ursache für Hunger und Armut in diesen Ländern.

Germanwatch untersucht in dem Zuckerprojekt die Auswirkungen der ZMO auf Kleinbauern in Ländern des Südens, aber auch die Folgen für die heimischen Landwirte.  Ebenfalls aufgezeigt wird, welche alternativen Anbaumöglichkeiten die hiesigen Landwirte haben und ob es mögliche alternative Verwendungsmöglichkeiten von Zucker außer zu Nahrungszwecken gibt. Hinsichtlich der steigenden Rohölpreise, den absehbaren Konflikten um Öl und dem notwendigen Klimaschutz, wird vor allem überprüft, ob die Nutzung der Zuckerrüben zur Bioethanolherstellung eine sinnvolle Alternative ist.

Die entwicklungspolitischen sowie die ökologisch-sozialen Auswirkungen der ZMO werden in einem Dialog mit den betroffenen Akteuren aus Landwirtschaft, Industrie, Verwaltung, Wissenschaft, NRO und Politik, speziell aus NRW, diskutiert. Der Schwerpunkt des Projekts liegt in NRW, da dieses, als  eines der größten Zuckerrüben anbauenden Länder in Deutschland, besonders für  ein Pilotprojekt dieser Art geeignet ist. Ziel des Diskussions- und Konsultationsprozesses ist die gemeinsame Erarbeitung einer tragfähigen, entwicklungs-, umwelt- und agrarpolitisch nachhaltigen Position zur Reform des Zuckermarktes. Die so gewonnenen möglichen tragfähigen Ergebnisse sollen dann in die öffentlichen und politischen Verhandlungsprozesse eingebracht werden und den politischen Reformprozess begleiten. Erhofft wird sich ein Zuckermarkt, der die globale Gerechtigkeit im Weltagrarhandel fördert, dies aber so schonend wie möglich für die Betroffenen verwirklicht.
 


zuletzt geändert am 2.6.06