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> Nr. 2/04
Von der Fiktion zur Aktion!
Die kommenden 18 Monaten sind entscheidend
für die Welt-Klimapolitik
Der halbe Planet verschwindet unter
einer Eisdecke - so sehen die Folgen des Klimawandels im Hollywood-Film
"The day after tomorrow" aus. Der Film ist Fiktion, aber wie jede gute
Science Fiction basiert er auf einem harten Kern wissenschaftlicher Erkenntnisse:
Spätestens ab einem globalen Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad
Celsius wären die Konsequenzen des Klimawandels dramatisch - so ein
breiter wissenschaftlicher Konsens. Zig Millionen Menschen würden
zusätzlich hungern, hunderte Millionen wären zusätzlich
von Malaria bedroht und für Milliarden von Menschen wäre das
Wasser knapp. In Europa könnten Kältewerte wie in Labrador tatsächlich
zur Normalität werden, wenn der warme Golfstrom infolge der Polareisschmelze
abknickt.
Weniger als 2 Grad globaler Temperaturanstieg
sind kaum noch drin: Um 0,6 Grad Celsius ist die Temperatur bereits gestiegen.
Weitere etwa 0,7 Grad Anstieg sind schon "in der Atmosphäre", wegen
der Zeitverzögerung des Gesamtsystems (etwa durch die verzögerte
Erwärmung der Meere) aber noch nicht messbar. Es bleiben nur noch
etwa 0,7 Grad "Bremsweg" - angesichts der Entwicklung des weltweiten CO2-Ausstoßes
ein beinahe verwegenes Ziel. Welche Ziele noch im Bereich des Möglichen
liegen, werden wir nach den sechs zentralen politischen Weichenstellungen
der kommenden 18 Monate besser wissen:
-
Nachdem sich Russland und die EU über
Russlands WTO-Beitritt geeinigt hatten, kündigte der russische Präsident
Putin am 21. Mai an, er wolle den Ratifizierungsprozess des Kyoto-Protokolls
in seinem Land beschleunigen. Mit dem "Ja" des russischen Parlamentes würde
das Kyoto- Protokoll automatisch völkerrechtlich verbindlich in Kraft
treten.
-
Der Ausgang der US-Wahl am 2. November
entscheidet (auch) darüber, ob die USA zu wirkungsvollen Klimaschutzverpflichtungen
bereit sind.
-
Anfang des kommenden Jahres soll der
EU-Emissionshandel beginnen. Dann wird sich zeigen, ob das zentrale Klimaschutz-Instrument
für Industrie und Energiewirtschaft wirkt - trotz der Bemühungen
vieler EU-Regierungen, ihm möglichst viele Zähne zu ziehen.
-
Im Frühjahr 2005 will die EU festlegen,
welche Treibhausgas-Reduktionsziele sie für die Zeit nach 2012 anstrebt.
Damit wird sich entscheiden, ob die EU ein Zugpferd im internationalen
Klimaschutz bleibt.
-
In der zweiten Jahreshälfte 2005
hat Großbritannien die EU-Präsidentschaft inne und ist Gastgeber
des G8-Gipfels. Für diese Zeit bereitet die britische Regierung einen
großangelegten Versuch vor, die USA zurück in die internationale
Klimaagenda zu holen.
-
Gegen Ende 2005 sollen dann die UN-Klimaverhandlungen
für die Zeit nach 2012 beginnen. Sie können nur Erfolg haben,
wenn die Weichen vorher in die richtige Richtung gestellt werden.
China hat auf der Renewables 2004 sehr
konstruktive Impulse für diese Weichenstellungen gesetzt. Es liegt
an uns allen, ob ernsthafte Klimaschutzpolitik Fiktion bleibt oder zur
Aktion übergeht.
Christoph Bals
zuletzt geändert
am 22.6.04