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> Nr. 3/04
Zucker aus Brasilien
Die Zuckerwirtschaft in Brasilien ist
in Aufbruchstimmung. Nach einer Entscheidung der Welthandelsorganisation
(WTO) Anfang August muss die EU Subventionen für exportierten Zucker
abbauen. Die brasilianischen Produzenten sind zuversichtlich, dass sie
die Marktanteile der EU auffangen werden. Zu diesem Ergebnis kommt auch
eine Studie des Food First Information and Action Networks (FIAN) und der
Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). (Kostenloser Download:
http://sucre.ethique.free.fr/download/fra/sugarcane.pdf)
Mit etwa 150 US-Dollar pro Tonne hat Brasilien weltweit die geringsten
Produktionskosten, gegenüber einem Weltmarktpreis von 250 US-Dollar.
Jedoch warnt die Studie vor den ökologischen und sozialen Auswirkungen
des brasilianischen Zuckerrohranbaus, die den vermeintlichen Gewinn an
Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd in Frage stellen. Die heutigen
Anbauflächen Brasiliens betragen 5 Millionen Hektar, die sich im Nordosten
und in den südlichen Landesteilen konzentrieren. Auch heute noch sind
die Zuckerrohrgebiete von Ausbeutung, Kinderarbeit, Hunger, Gewalt und
Landkonflikten geprägt. Die eigentlich fruchtbaren Regionen zählen
hinsichtlich des Lebensstandards der Bevölkerung heute zu den ärmsten
der Erde. Ferner entstanden Umweltprobleme unter anderem durch das Vordringen
der Plantagen in den Küstenregenwald, durch Agrarchemikalien und Industrieabwässer.
Die Erschließung neuer Flächen für den Export findet heute
vor allem in den Ökosystemen des Cerrado (Savannen) statt. Allein
durch die Marktöffnung der EU sind schätzungsweise 68.000 Kleinbauern
in ihrer Existenz bedroht, weil sie durch die Expansion der Zuckerrohrflächen
ihr Land verlieren könnten. Dem stehen nur 17.000 neu geschaffene
Arbeitsplätze gegenüber. Seit langem fordern brasilianische Umwelt-
und Sozialverbände anstatt des Exports die Bedürfnisse der Bevölkerung
in den Mittelpunkt nationaler Landnutzungspolitiken zu rücken. Doch
selbst unter der Regierung Lula liegt der Schwerpunkt weiterhin einseitig
auf Maßnahmen zur Exportförderung.
Dr. Klemens Laschefski
zuletzt geändert
am 4.10.04