| Nachdem die Mitglieder der Welthandelsorganisation
(WTO) Ende April eine weitere Frist für die Lösung strittiger
Fragen verpasst haben, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden,
ob die schon 2001 eingeläutete Doha-Runde noch dieses Jahr beendet
werden kann. Ein Ergebnis, das dem propagierten Anspruch einer "Entwicklungsrunde"
gerecht werden könnte, scheint bis dahin nicht mehr erreichbar.
Die von WTO-Generalsekretär Pascal Lamy entwickelte Formel "Mehr Marktöffnung der Entwicklungsländer für Industriegüter und der EU für Agrarprodukte" wird sicher nicht dazu führen. Im Gegenteil, unter den derzeitigen Bedingungen würde ein deutlicher Zollabbau dem Trend zur Industrialisierung der Landwirtschaft weltweit weiter Vorschub leisten und den Aufbau diversifizierter Ökonomien in vielen Entwicklungsländern behindern. Zudem ist derzeit noch mehr als fraglich, ob die in den Verhandlungen vorgesehenen Schutzinstrumente für Kleinbauern und Ernährungssicherheit in Entwicklungsländern ausreichen werden. Statt in letzter Minute ein Ergebnis durchzudrücken, das zur Marktöffnung unter ungleichen Bedingungen führt und damit den Armen schadet, sollten die Industriestaaten sich zunächst auf eine entwicklungs- und umweltfreundliche Umgestaltung ihrer Subventionssysteme für die Landwirtschaft verpflichten. Die EU kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen, indem sie
TOBIAS REICHERT
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