Die Weltbank befürchtet Unruhen
und Instabilität in 33 Ländern aufgrund der Preissteigerungen
für Nahrungsmittel. Das Erreichen des zur Jahrtausendwende verkündeten
Ziels, Armut und Hunger bis 2015 zu halbieren, drohe damit vielerorts unmöglich
zu werden. Die Menschen in den Slums der Städte und die Kleinbauern
ohne Zugang zum Markt, die oft 75 Prozent ihres Einkommens für Nahrung
aufwenden, sind die Hauptbetroffenen des Preisanstiegs. Die Ursachen sind
vielfältig.
Außerdem: Wüsten wachsen. Mega-Städte in Südostasien und Lateinamerika wuchern in fruchtbare Landflächen. Die Erosion gefährdet die Bodenfruchtbarkeit. In China beispielsweise geht jedes Jahr ein Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche verloren. Der Klimawandel führt schon heute zu verringerter Produktivität und Wasserverfügbarkeit der Landwirtschaft in vielen Entwicklungsländern. Darüber hinaus ist Australien durch die Dauerdürre in den letzten Jahren als großer Getreideexporteur ausgefallen. Angesichts dieser Fundamentaldaten
haben viele Investoren, insbesondere große Pensionskassen und Hedgefonds,
in Zeiten abbröckelnder Aktienkurse und Gebäudepreise viele Milliarden
in den Rohstoffmärkten für Grundnahrungsmittel angelegt und die
Preise weiter angetrieben.
Doch selbst wenn das Wetter dieses Jahr nicht - wie so oft in der letzten Dekade - die Pläne durchkreuzt, bleiben zwei große Fragen offen: Steigt die Produktivität schnell und dauer-haft genug? Hilft sie tatsächlich den Menschen, die schon heute von Hunger bedroht sind? Christoph Bals |