| Ein lächelndes Mädchen
hält ein Gemälde hoch. Darauf fährt ein Schiff in der Sonne
auf dem blauem Aralmeer, in dem silberne Fische schwimmen. Die Wirklichkeit
sieht anders aus. Seit den 1960er Jahren hat sich das Aralmeer auf 10 Prozent
seiner Originalgröße verringert. Die einst florierende Fischerei
ist zusammengebrochen, einzigartige Ökosysteme sind verschwunden.
Die Bevölkerung rund um das Meer ist heute zu 90 Prozent arbeitslos.
Ein neuer Dokumentarfilm mit dem Titel "Über Wasser" des Regisseurs Udo Maurer zeigt die Auswirkungen der bereits heute existierenden Wasserkrise für die Menschen. Der Zuschauer erfährt, wie die schutzlosen, jedoch außerordentlich anpassungsfähigen Bewohner Bangladeschs mit dem steigenden Meeresspiegel und saisonalen Fluten umgehen. Rund 600.000 Menschen leben dort wie Wassernomaden auf kleinen zerfallenden Inseln, die oft nicht größer als 20 Quadratmeter sind. "Ein großer Teil unseres Lande würde verschwinden, wenn die weltweiten Treib-hausgase nicht drastisch reduziert werden", machte der Vertreter Bangladeschs bei den letzten UN-Klimaverhandlungen in Bali deutlich: Ein Meeresspiegelanstieg von nur einem halben Meter würde für rund 17 Millionen Menschen in Bangladesch den Verlust ihrer Häuser bedeuten. "Über Wasser: Menschen und die gelbe Kanne" dokumentiert auch das Schicksal der Menschen in den Kibera Slums in Nairobi, die ihr Wasser mit gelben Kannen holen müssen. Etwa eine Million Menschen leben in diesem Elendsviertel, dessen Einwohner mehr für ihr Wasser zahlen müssen als die Menschen in den reichen Gebieten der kenianischen Hauptstadt. Verantwortlich dafür sind vor allem Korruption und mangelnde Infrastruktur. Das Problem lässt sich nicht allein mit Hilfe lokaler Reformen bewältigen; aufgrund des Klimawandels und der Ressourcenausbeutung könnte Nairobi bald ganz ohne Wasser dastehen. Heute leben rund zwei Milliarden
Menschen ohne verlässlichen Zugang zu sauberem Wasser. Ernährungssicherheit
und der Zugang zu sauberem Wasser sind Grundlagen einer Gesellschaft, jedoch
erhöht Entwicklung den Druck auf den Wassersektor. Selbst eine Halbierung
der Zahl an Hungernden bedürfte einer Steigerung der für die
Nahrungsmittelproduktion eingesetzten Wassermenge um 50 Prozent. Seit 1940
hat sich der weltweite Wasserverbrauch vervierfacht, während sich
die weltweite Bevölkerung verdoppelt hat. Dieser Trend muss umgekehrt
werden.
Thomas Spencer, Mirjam Kid |