Kein CO2-Produzent, aber massiv getroffen

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Kein CO2-Produzent, aber massiv getroffen

UNEP hat einen umfassenden Bericht über die Umweltsituation in Afrika veröffentlicht. Afrika trägt nur in vernachlässigbarem Maß zur menschgemachten Klimaänderung bei, ist aber von deren Folgen wegen seiner Lage und seiner Abhängigkeit von der Landwirtschaft stärker betroffen als andere Kontinente.

GERMANWATCH übersetzt Auszüge:

"Obwohl die totalen Emissionen ganz Afrikas zwischen 1950 und 1998 um das achtfache [...] gestiegen sind, liegen sie noch immer unter der Menge [...] Deutschlands. Die Pro-Kopf Emissionen sind ebenfalls um das Dreifache gestiegen und liegen nun bei 0,3 Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht 5,7 Prozent des Vergleichswertes für Nordamerika. Dabei ist nur eine Handvoll afrikanischer Staaten für den Großteil der Emissionen verantwortlich: Südafrika steht für 42 Prozent, Ägypten, Nigeria und Algerien zusammen für weitere 35,5 Prozent.

Afrika trägt also nur sehr wenig zu den globalen Treibhausgasemissionen bei, ist aber dennoch sehr anfällig für die Folgen des Klimawandels, sowohl aufgrund seiner Abhängigkeit von der Landwirtschaft als auch wegen der begrenzten finanziellen Ressourcen für die Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen. Das IPCC sagt [...] vermehrte Überflutungen und Dürren, geringere Ernteerträge [...] und eine höhere Desertifikationsrate voraus (IPCC 2001b). [...] Weiterhin könnte sich der Klimawandel auch verheerend auf menschliche Siedlungen und die Entwicklung von Infrastruktur in Afrika auswirken. [...] viele an der Küste liegende Stadtentwicklungen sind nicht entsprechend angelegt oder ausgerüstet, um Stürme und Überschwemmungen zu überstehen. [...]

Auch Afrikas natürliche Umwelt könnte ernsthaft vom Klimawandel getroffen werden, wozu Änderung an der Bedeckung mit Wald und Verteilung von Grasland zählen, die aus einer Temperaturerhöhung von 1°C oder mehr resultieren würden. Das wiederum könnte zu bedeutsamen Veränderungen in der Fülle und Vielfältigkeit von Arten führen [...] (IPCC 1998). Man erwartet das Aussterben von Pflanzen und Tieren in erheblichem Ausmaß, was wiederum Auswirkungen auf ländliche Unterhaltsquellen und Tourismus haben wird (IPCC 2001b).

[...] Auch marine Ökosysteme könnten ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden - eine Erhöhung der Wassertemperatur von 1-2°C führt möglicherweise zu extensivem Ausbleichen der Korallenriffe im westlichen Indischen Ozean, und schadet damit der Wirtschaft von Küstenländern und Inseln.

Der Klimawandel stellt außerdem eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen in Afrika dar: einerseits aufgrund einer schlechteren Ernährungslage, andererseits weil sich Überträgerorganismen wie Moskitos weiter verbreiten und sogar neue Habitate für sie entstehen könnten (IPCC 1998). [...]

Strategien zur Verminderung und Anpassung an den Klimawandel

Afrikanische Länder sehen sich vor die doppelte Herausforderung gestellt, den Anforderungen der wirtschaftlichen Entwicklung gerecht zu werden, ohne dabei die Abhängigkeit von fossilen oder ineffizienten Technologien zu vergrößern und gleichzeitig die diversen und komplexen Einwirkungen des Klimawandels durch Verringerung des Emissionsausstoßes zu mildern.

Fast alle afrikanischen Länder [...] haben die Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll ratifiziert. Sie werden vom Kyoto-Protokoll und den Finanzierungsmöglichkeiten, die es eröffnet, profitieren [...] sowie vom Special Climate Change Fund und dem Fund for Least Developed Countries und davon, dass Industrieländer einen Teil ihrer Emissionen ausgleichen dürfen, indem sie Projekte zur Kohlenstoffreduktion wie Baumpflanzungen in Entwicklungsländern finanzieren. Weiterhin werden Mittel zur Verfügung stehen, die Entwicklungsländern helfen sollen, zu saubereren Technologien [...] zu wechseln - was momentan zu teuer für viele afrikanische Staaten ist. Zusätzliche Mittel wird es auch für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels geben, beispielsweise in Form von Flutabwehrsystemen und angemessenem Design der Infrastruktur. Viele Länder verfolgen bereits die Strategie nationaler Berichterstattung, um detaillierte Auflistungen von Emissionen und Kohlendioxidsenken, sowie Programme zur Reduktion von Emissionen zu liefern [...]".

Der Originaltext findet sich unter: http://www.unep.org/aeo/034.htm (ff).