Bangkok/Berlin (9. Okt. 2026). Mit Blick auf die bevorstehende Jahrestagung der Weltbankgruppe und die Xingu Finance Talks fordert die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, die internationale Klimafinanzierung wieder stärker ins Zentrum zu rücken und dafür auch neue Finanzierungsquellen zu erschließen. „Es geht zum einen darum, die reicheren Staaten an ihre internationalen Verpflichtungen zu erinnern. Während die klimabedingten Gefahren rasant wachsen, wird Klima- und Entwicklungsfinanzierung vielerorts gekürzt anstatt sie zu erhöhen – auch in Deutschland. Und es geht zum anderen darum, gerade jetzt alternative Finanzierungsquellen zu erschließen. Und da müssen die Hauptverursacher in den Blick genommen werden, die fossilen Konzerne und Superreiche mit großen CO2-Emissionen”, erklärt Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.
Neues Dialogformat zu Finanzierungsfragen
Die am Sonntag beginnenden Xingu Finance Talks sind ein neues, jährlich stattfindendes Dialogformat im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen. Ziel ist ein kooperativer Austausch zwischen Finanzministerien, Zentralbanken, Entwicklungsbanken und dem Privatsektor. Es geht um praktische Lösungen zur Ausrichtung von Finanzflüssen auf einen emissionsarmen und klimaresilienten Entwicklungspfad. Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die Schaffung von fiskalischen Spielräumen für Klimainvestitionen sowie niedrigere Kapitalkosten durch Risikoteilung und Garantien. „Wir sind gespannt, welche Ergebnisse das neue Dialogformat hervorbringt und wie diese in die Verhandlungen der nächsten Weltklimakonferenz einfließen. Entscheidend ist, dass sie dazu beitragen, die festgefahrenen Verhandlungen um die internationale Klimafinanzierung aufzubrechen”, so Ute Sudmann.
Weltbank muss zeigen, dass Klima eine Priorität bleibt
Multilaterale Entwicklungsbanken (MDBs) sind der am schnellsten wachsende Kanal der internationalen Klimafinanzierung und damit von zentraler Bedeutung für die Finanzierung von Klimaschutz und -anpassung. Auf der offiziellen Agenda der Weltbanktagung ab Montag nimmt der Klimaschutz allerdings keine wichtige Rolle ein. Ende Juni wurde der Klimaschutzaktionsplan (CCAP) der Bank nach langen und zähen Verhandlungen unbefristet verlängert – die Klimafinanzierungsziele der Bank wurden dabei jedoch auf Druck der USA gestrichen. Auf der Jahrestagung werden die Anteilseigner voraussichtlich über die Modalitäten der vereinbarten Evaluierung des CCAP beraten. Diese Evaluierung muss als Chance genutzt werden, die Klimafinanzierung der Bank sowohl quantitativ als auch qualitativ zu verbessern und sicherzustellen, dass die Investitionen eine möglichst große Wirkung erzielen.
Anja Gebel, Referentin für öffentliche Finanzen und Klima bei Germanwatch, erläutert: „Wir brauchen einen Bewertungsrahmen mit aussagekräftigen, messbaren klimarelevanten Indikatoren und vor allem bessere interne Anreizsysteme für Mitarbeitende, damit Klimafinanzierung auch ohne Finanzierungsziel nicht an Relevanz verliert.”
Neue Finanzquellen: Deutschland sollte Führung übernehmen
Aber auch Deutschland muss seine internationalen Verpflichtungen erfüllen und seine Zusagen für die internationale Klimafinanzierung entsprechend aufstocken. Die Anfang der Woche veröffentlichten Zahlen zur Bereitstellung von deutscher Klimafinanzierung zeigen jedoch, dass die aus dem Bundeshaushalt bereitgestellten Mittel stattdessen um knapp ein Viertel zurückgegangen sind: von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch
4,7 Milliarden Euro 2025. Dies ist ein fatales Signal an Länder des Globalen Südens, die – wie kürzlich Nepal - immer stärker mit den Folgen der Klimakrise konfrontiert sind, ohne diese verursacht zu haben.
In Zeiten knapper Haushaltsmittel braucht es daher auch alternative Gelder für die Klimafinanzierung: So haben Frankreich und Spanien Solidaritätsabgaben nach dem Verursacherprinzip eingeführt, und Brasilien hat die Besteuerung extremen Reichtums auf die internationale Agenda gesetzt. Bangkok ist ein guter Ausgangspunkt um auszuloten, ob und wie sich Koalitionen für Solidaritätsabgaben weiter stärken lassen. „Deutschlands Stimme hat international Gewicht. Finanzminister Klingbeil ist gut aufgestellt, um in Bangkok Regierungen hinter Abgaben auf Privatjets, Business- und First Class-Flüge oder die Besteuerung von Übergewinnen fossiler Konzerne und extremen Reichtums zu versammeln. Jetzt ist der Moment für Deutschland, bei fairer Klimafinanzierung den Worten Taten folgen zu lassen“, sagt Nouhaila Zaki, Referentin für internationale Besteuerung zur Klimafinanzierung bei Germanwatch.
Pressemitteilung |
Weltbank-Tagung und Xingu Finance Talks: Klimafinanzierung und neue Geldquellen dafür müssen zentrale Themen werden
Germanwatch fordert deutlich mehr Engagement für Erschließung verschiedener Finanzquellen zur Unterstützung von Klimaschutz und
-anpassung in ärmeren Staaten