KlimaKompakt Spezial

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Pentagon-Bericht über abrupte Klimaänderungen

Sofortiges Handeln im Interesse der nationalen Sicherheit der USA gefordert

Im Auftrag des Pentagon wurde im Oktober 2003 ein Bericht über die Auswirkungen abrupter Klimaänderungen erstellt. Durch eine Indiskretion gelangte er vor wenigen Tagen an die Medien und ist nun auch im Internet abrufbar (siehe untenstehende Links).

Bei dem von Peter Schwartz und Doug Randall erstellten Papier handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Studie, sondern um ein Szenario, das u.a. auf der Befragung von neun nicht namentlich genannten Klimawissenschaftlern beruht. Es konzentriert sich auf das zwar relativ unwahrscheinliche, aber dennoch mögliche und dann katastrophale Szenario eines schon in wenigen Jahren eintretenden plötzlichen Klimawandels durch Veränderungen des Golfstroms.

Darin werden Vergleiche mit anderen Perioden der Klimageschichte angestellt, die ähnlich abrupte Änderungen aufwiesen und heftigste Auswirkungen auf die Umwelt- und Ernährungsbedingungen hatten. Der Bericht zeigt die eintretenden Konsequenzen auf, wenn Gesellschaften, ohne darauf vorbereitet zu sein, mit den Folgen von starken Klimaänderungen konfrontiert werden, die während der gesamten Zeitdauer der menschlichen Zivilisation noch nie aufgetreten sind. Ganz in der Tradition militärischer Bedrohungsstudien wird ein ausgeprägtes Katastrophenszenario aufgebaut, worauf eine seriöse Sicherheitspolitik gewappnet sein muss.

Die zwei zentralen Aussagen des Berichtes lauten:

1.) Wir müssen im 21. Jahrhundert mit einer sehr starken globalen Erwärmung rechnen. So beginnt die Zusammenfassung mit dem Satz: "There is substantial evidence to indicate that significant global warming will occur during the 21st century."

2.) Der Klimawandel könnte nicht nur kontinuierliche, sondern auch abrupte Veränderungen wie z.B. ein Abschwächen der nordatlantischen Meereszirkulation gefolgt von derem Kollaps mit sich bringen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintritt, ist zwar gering, aber die Möglichkeit besteht. Und die Folgen für die Ernährungssicherheit und den Zusammenhalt von Gesellschaften wären so dramatisch, dass man sich schon jetzt ernsthaft damit beschäftigen muss, da es vitale Sicherheitsinteressen der USA berühren würde ("... would challenge United States national security in ways that should be considered immediately").

Wissenschaftlich gesehen sind diese Feststellungen nichts neues. Sie könnten jetzt allerdings über den Umweg der Sicherheitspolitik einen merklichen Einfluss auf die US-Klimapolitik bewirken. Denn zum einen kommen sie nicht aus einer beliebigen Quelle, sondern aus einem vom Pentagon in Auftrag gegebenen Bericht. Und auch im Pentagon war nicht irgendeine Abteilung der Auftraggeber, sondern es war Andrew Marshall persönlich. Marshall ist Direktor des "Office of Net Assessment" des US-Verteidigungsministeriums und einer der angesehensten "Think-tanks" der US-Sicherheitspolitik. Zum anderen ist die US-Politik inzwischen dafür sensibilisiert, sich auch auf unwahrscheinliche Ereignisse einstellen zu müssen, wenn ihre Folgen die vitalen Sicherheitsinteressen des Landes in dramatischer Weise berühren - spätestens seit den vorher nicht als wahrscheinlich geltenden Terrorangriffen auf das World Trade Center (und zeitgleich, wie inzwischen schon fast wieder in Vergessenheit geraten, auf das Pentagon-Gebäude).

In vielen Medienberichten (siehe unten) wurde bereits in sehr ausgewogener Weise über das Papier berichtet. Manche der Berichte (z.B. in "The Observer" und in "The Independent") haben die Aussagen des Papiers aber leider sehr undifferenziert wiedergegeben, so dass er von Gegnern eines ernsthaften Klimaschutzes, die den Originalbericht selbst nicht gelesen haben, als "Klimahysterie" gebrandmarkt werden könnte. Kritikwürdig, aber angesichts der Position der US-Regierung nicht ganz unerwartet, ist schon eher die Tatsache, dass die darin vorgeschlagenen Schritte zur Begegnung des Problems zwar verschiedene Anpassungsmaßnahmen enthalten, dass aber die Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes nur ziemlich versteckt empfohlen wird. So stellen die Autoren in der Einleitung fest: "The conventional wisdom is that modern civilization will either adapt to whatever weather conditions we face and that the pace of climate change will not overwhelm the adaptive capacity of society, or that our efforts such as those embodied in the Kyoto protocol will be sufficient to mitigate the impacts." Und später heißt es dann: "It's important to understand human impacts on the environment - both what's done to accelerate and decelerate (or perhaps even reverse) the tendency toward climate change. Alternative fuels, greenhouse gas emission controls, and conservation efforts are worthwhile endeavors.  In addition, we should prepare for the inevitable effects of abrupt climate change - which will likely come regardless of human activity."
 

Links zum Thema:

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Redaktion:
Germanwatch e.V.
G.Kier, Dr. M. Treber (V.i.S.d.P.), C.Bals

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