Eine "ernste Bedrohung" für die Weltwirtschaft

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Eine "ernste Bedrohung" für die Weltwirtschaft

Für die Versicherungswirtschaft ist der Klimawandel, durch den in Zukunft immense Schäden zu erwarten sind, bereits Realität. Der Marktführer im Mineralölgeschäft, Exxon, nimmt diese Herausforderung hingegen nicht offensiv an, während die Konkurrenten BP und Shell im Erneuerbaren-Markt bereits aktiv werden.

GERMANWATCH übersetzt gekürzt einen Beitrag von BBC News vom 14. Oktober 2002.

"Die führenden europäischen Versicherungsfirmen sind inzwischen so besorgt über die weltweite Erwärmung, dass sie wahrscheinlich ihre finanziellen Muskeln spielen lassen werden, um Regierungen und die Ölfirmen der Welt dazu zu bewegen, mehr für die Verminderung von Treibhausgasemissionen zu tun.

Auf einer vom Rückversicherer Schweizer Rück veranstalteten Konferenz zum Thema Treibhausgase wurde ein von fast 300 Finanzinstitutionen unterstützter Bericht diskutiert, in dem argumentiert wird, die weltweite Erwärmung stelle inzwischen eine "ernste Bedrohung" für die Weltwirtschaft dar.

Die Versicherer beziehen sich auf die Ergebnisse des IPCC der UN, der die Schlussfolgerung zieht, dass wir einen Einfluss des Menschen auf das Wetter in keiner Weise mehr bezweifeln können.

Das Ergebnis, so die Versicherer, ist, dass die jährlichen Kosten der weltweiten Erwärmung im nächsten Jahrzehnt 150 Milliarden Dollar erreichen werden (...).

Größere Wetter-Variabilität?

Andrew Dlugolecki, der am Erstellen des Berichts beteiligt war, sagte World Business Review, dass es inzwischen so viele Vermögenswerte gebe und so viele Menschen, die in gefährdeten Gebieten wie Sturmschneisen oder in Küstennähe wohnen, dass der wirtschaftliche Schaden, den der Klimawandel verursacht, enorm sein wird.

"Wirkliche Probleme werden in Dritte-Welt-Ländern, an Orten wie Bangladesch, an einigen Orten in Indien wie Bombay oder in Indonesien auftreten. Diese Orte sind dem Klimawandel aufgrund ihres sehr niedrigen Küstenverlaufs am stärksten ausgesetzt.", sagte er.

(...) Wenn sich die Voraussagen der Klimaexperten als wahr erweisen, sei mit weiteren Ereignissen wie die jüngsten Überschwemmungen in Europa und dem Versagen des indischen Monsunregens zu rechnen. (...)

Die Versicherer stellen einen großen Teil des Finanzdienstleistungs-Sektors dar, was nicht ohne Einfluss bleibt. Sie bestimmen damit über 26 Billionen $ in Vermögenswerten verschiedener Firmen, wozu natürlich auch die Branche der fossilen Treibstoffe gehört.

Werden sie den Einfluss nun nutzen, um die Politik von Regierungen und der großen Ölfirmen zu verändern?

Es mag einfach klingen, aber die führenden Finanzinstitutionen Europas wissen, dass es da große Hindernisse gibt, die momentan jedwedes bedeutenderes Handeln mit dem Ziel der Verminderung von Treibhausgasemissionen blockieren.

Diese Hindernisse sind sowohl politischer - im Sinne von Ländern, die nicht willens sind, ihre sicheren Energieressourcen in einem unsicheren internationalen Klima aufzugeben - als auch technischer Art.

(...) Michael Marvin, Präsident des US Business Council for Sustainable Energy, führt an, dass Amerika seine Treibhausgasemissionen dramatisch reduzieren könnte, indem es einfach seine Abhängigkeit von der Verbrennung von Kohle vermindert, die die schmutzigste aller Treibstoffquellen ist und dennoch 55% der Elektrizität Amerikas erzeugt. (...)

Marvin steht der in den frühen 90ern Jahren getroffenen Entscheidung des größten Energieversorgers der Welt, Exxon Mobil, kritisch gegenüber, sich aus der Solarenergie zurückzuziehen, nachdem dieser bereits 500 Mio. Dollar für Forschung ausgegeben hat.

"Die Vorstellung, dass ein Markt Jahr für Jahr für Jahr 30 bis 40 Prozent wachsen kann, eine Firma daran nichts verdienen kann und die Möglichkeiten, die darin stecken, nicht erkennt - vielleicht sagt uns das mehr über die Firma als über die Technologie?", so Marvin.

Boykott

Exxons Rivalen BP und Shell betreiben aktive Solar- und Windabteilungen und entkommen auf diese Weise der Kritik, mit der Umweltgruppen Exxon [in Europa: Esso] überschüttet haben. (...) Greenpeace behauptet, dass Lobbyarbeit von Exxon hinter der Entscheidung von Präsident Bush steht, sich aus dem Kyoto-Protokoll zurückzuziehen, das auf eine Verminderung von Treibhausgasemissionen abzielt.

Greenpeace argumentiert weiterhin, dass Exxon in der Vergangenheit die Verbindung zwischen einem erhöhten Verbrennen von fossilen Treibstoffen und rauherem Wetter heruntergespielt hat. (...)

Gordon Sawyer, Kopf von Exxons Öffentlichkeitsarbeit in Großbritannien, führte an, dass Nicht-Handeln "völlig unangemessen" wäre, und weist auf die großen Investitionen hin, die Exxon im Bereich der Energieeffizienz bei eigenen Operationen getätigt hat.

(...) Sawyer ist eindeutig gegen alle größeren neuen Subventionen in Wind- und Solarenergie, und führt dafür an, dass die wirtschaftlichen Vorteile die Kosten nicht rechtfertigen würden."
 

Quelle: BBC News: The economic impact of global warming. World Business Review.