"Eine auf Dauer nicht tragbare Tendenz"

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"Eine auf Dauer nicht tragbare Tendenz"

Die am 30. November 1999 von der EU-Kommission verabschiedete Mitteilung zu Luftverkehr und Umwelt macht in klaren Worten deutlich, daß die absehbare Entwicklung des Flugverkehrs in Europa nicht nachhaltig ist. Sie wird der Bezugspunkt für das Arbeitsprogramm der Kommission für die nächsten fünf Jahre und darüber hinaus bilden.

"Der Luftverkehr ist eine im Wachstum begriffene Industrie und daher von Bedeutung für die Volkswirtschaften der Europäischen Union. Die Luftverkehrsbranche wächst jedoch rascher, als derzeit technologische und operationelle Fortschritte erzielt und eingeführt werden können, die die Umweltauswirkungen an der Quelle reduzieren. Die Gesamtauswirkungen auf die Umwelt werden zunehmen, da Wachstumsrate und Verbesserung des Umweltzustands in wichtigen Bereichen offensichtlich immer weiter auseinanderklaffen, z.B. bei Emissionen von Treibhausgasen. Dies ist eine auf Dauer nicht tragbare Tendenz, die wegen ihrer Folgen für das Klima, die Lebensqualität und die Gesundheit der europäischen Bürger umgekehrt werden muß. Langfristig sind daher Verbesserungen der Umweltverträglichkeit des Luftverkehrs anzustreben, die die negativen Umweltauswirkungen des Wachstums dieser Branche mehr als ausgleichen. (...)

Der Luftverkehrssektor wird aufgefordert, gegebenenfalls durch freiwillige Umweltvereinbarungen, vorausschauend dazu beizutragen, die Umweltauswirkungen seiner Tätigkeit zu verringern.

(...) Nachteile des Erfolgs: die zahlreichen negativen Umweltauswirkungen nehmen ebenfalls zu. Global gesehen trägt er zum Treibhauseffekt und zum Abbau der Ozonschicht bei (hier könnten Emissionen in großer Höhe ein besonderes Problem darstellen).(...)

Es gibt beunruhigende Anzeichen dafür, daß die Zunahme des Luftverkehrs bereits die Umweltverbesserungen zunichte macht, die sich aus den ständigen technologischen Fortschritten und beträchtlichen Anstrengungen der Branche selbst ergeben (...).

Bedrohlicher Teufelskreis gefährdet wirtschaftlichen Erfolg des Luftverkehrs

Es handelt sich hier um einen bedrohlichen Teufelskreis, der den wirtschaftlichen Erfolg des Luftverkehrssektors, die Umwelt weltweit und die Lebensqualität der Bürger gefährdet. Die bestehenden Umweltvorschriften (...) reichen zusammengenommen offensichtlich nicht aus, die dringenden Umweltprobleme zu lösen und gleichzeitig einem Industriezweig die Entwicklung zu ermöglichen, der für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Beschäftigung wichtig ist. Daher sind Maßnahmen zu ergreifen, die über die normalerweise vorgenommenen Verbesserungen hinausgehen. Die derzeitige Tendenz eines immer größeren Auseinanderklaffens von Wachstumsrate und Verbesserungen im Umweltbereich muß (...) umgekehrt werden."
 


Die EU-Ratspräsidentschaft stellte auf dem UN-Klimagipfel in Bonn im Oktober 1999 den stark zunehmenden Anteil des Luftverkehrs an den Treibhausgasemissionen in folgendem Vergleich anschaulich dar:

Verglichen mit den Treibhausgasemissionen der Industrieländer von 1990 würde die Zunahme im Luftverkehr bis ins Jahr 2010 (welche zur Hälfte vom internationalen Flugverkehr getragen wird) genauso stark zur Erwärmung beitragen, wie wenn die 1990er Emissionen der Industrieländer um 4,6 % anstiegen.

"Demnach werden die durch das Kyoto Protokoll vereinbarten Treibhausgasreduktionen allein durch das Wachstum des internationalen Flugverkehrs um bis zu 50 % konterkariert werden".
 

Zum Thema Fluglärm stellt die Kommission in der Mitteilung fest:

"Die letzte größere Überprüfung der Lärmdämmungsvorschriften durch die ICAO [International Civil Aviation Organisation] fand jedoch 1977 statt (...).

ICAO-Normen nicht unter allen Umständen verwenden

Es scheint daher zweifelhaft, ob die ICAO-Normen in Zukunft und unter allen Umständen zur Festlegung von Produktionsnormen für neue Flugzeugtypen, für Umbauten bestehender Flugzeuge und im Hinblick auf regionale Umweltziele verwendet werden sollten, wie es bisher der Fall war. Hier muß differenzierter vorgegangen werden."

Mit anderen Worten: Die ICAO-Werte bieten derzeit keinen Anreiz, emissionsarme Techniken einzusetzen.