Hintergrundpapier

Fliegen gefährdet das Klima

Problemdarstellung und Handlungsmöglichkeiten für die nächsten Jahrzehnte

Einleitung

Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Mobilität. Schon seit Jahrzehnten legt ein Mensch durchschnittlich drei Wege am Tag zurück; dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch in anderen Gesellschaften: die Menschen sind im Laufe der Zeit also nicht grundsätzlich mobiler geworden, sondern lediglich die zurückgelegten Entfernungen haben zugenommen. Doch Weg ist nicht gleich Weg. Der Gang zum Bäcker hat in vielerlei Hinsicht unbestreitbar eine andere Qualität als die Flugreise zu den Klimaverhandlungen oder zu einem alten Freund aus Zeiten der Entwicklungszusammenarbeit. Ohne das Flugzeug wäre der Austausch zwischen den Kulturen bedeutend geringer, oder allgemein: unser Denken vermutlich enger.

Diesen unbestreitbaren Pluspunkten des Fliegens steht jedoch entgegen: Der Flugverkehr ist der klimaunverträglichste Massenverkehrsträger.

Und wie es in modernen Industriegesellschaften häufig ist, zumindest was den Verkehr - also dort, wo die Individuen direkt ihr Umwelt- und Klimabewußtsein ausdrükken können - angeht: Das Wachstum ist gerade in denjenigen Bereichen am größten, in denen die Klimabelastung am höchsten ist.

Dabei kommt erschwerend hinzu, daß für die vom internationalen Luftverkehr ausgehende Klimabelastung keine Verantwortlichkeit gegeben ist. Denn das Kyoto-Protokoll vom Dezember 1997 als wichtigstes Umwelt- und Nachhaltigkeitsübereinkommen, das bisher im Rahmen der UN verabschiedet wurde, sieht zwar die Reduktion der Treibhausgasemissionen in den Industrieländern bis zum Jahr 2012 um etwa fünf Prozent gegenüber 1990 vor. Aber die Emissionen des internationalen Flugverkehrs sind dabei noch ausgenommen.

Dennoch, oder gerade deshalb, hat sich die wissenschaftlich weltweit höchste Autorität in Klimafragen, das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dieser Frage angenommen und einen Sonderbericht "Aviation and the Global Atmosphere" erstellt. Dieser Bericht wurde Mitte April 1999 nach zweijähriger Vorbereitungszeit verabschiedet.

Er stellt den ersten Bericht des IPCC dar, der eine einzige "Industrie" und deren globale Auswirkungen untersucht. Die dabei berücksichtigte Literatur und die hinzugezogene Expertise sind derart umfangreich, daß dieser Bericht wahrscheinlich auf Jahre hinaus die Referenz darstellt, wenn über das Thema Luftverkehr und Klima diskutiert und entschieden wird. Viele der nachfolgend dargestellten Zusammenhänge sind deshalb dem IPCC-Bericht entnommen.

Publikationstyp

Hintergrundpapier

AutorInnen

Manfred Treber

Seitenanzahl

12

Publikationsdatum

Themen

Zuletzt geändert

Beteiligte Personen

Echter Name

Klima- und Verkehrsreferent
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