Blogpost | 13.04.2022

Facebook/Meta – Ein wachsendes Problem für die Demokratie

Bild: Facebook

Facebook dominiert mit über 2,9 Milliarden Nutzer:innen die Welt der sozialen Medien. Das Geschäftsmodell des Mutterkonzerns Meta besteht im Verkauf personalisierter Werbung. Privatsphäre und Datenschutz stehen nicht im Fokus des Konzerns.

Nicht nur aus Sicht des Verbraucher:innenschutzes ist Meta ein Problem: Durch die demokratieschädigende Wirkung seiner Plattformen sind Nachhaltigkeitsziele in Gefahr. Dieser Blogbeitrag gibt einen Einblick in das Geschäftsmodell des Konzerns, analysiert die resultierenden Gefahren für die Demokratie und stellt gemeinwohlorientierte Regulierungsansätze vor.

Metas Geschäft ist die Manipulation

Facebook, Instagram und andere Plattformen des Digitalkonzerns Meta sind lukrative Werbeflächen. Ihr besonderer Wert entsteht aus Personalisierungstechniken, deren Perfektionierung Hauptziel des Unternehmens ist. Der Konzern zeigt Nutzer:innen vor allem Beiträge, die sie vermeintlich interessieren. Dadurch werden sie dazu verleitet, möglichst viel Zeit auf den Plattformen zu verbringen.

Dabei ist die stetige Verbesserung der Algorithmen wichtig für die Profitmaximierung von Facebook/Meta: Denn je länger Nutzer:innen im Newsfeed weiterscrollen, desto mehr Werbung kann ausgespielt werden und desto mehr lernt der Konzern über seine Nutzer:innen. Und je mehr Meta über seine Nutzer:innen weiß, desto länger kann der Konzern Nutzer:innen wiederum auf seinen Plattformen halten. Da die Werbeeinnahmen von den Nutzer:innendaten abhängen, ist die Datensammlung notwendiger Bestandteil des Geschäftsmodells.

Diese Personalisierung ist attraktiv für Werbetreibende, die auf kaum einer anderen Plattform ihre Zielgruppen derart effektiv erreichen können. Meta setzte Werbenden in der Vergangenheit kaum Grenzen: Durch die geschickte Auswahl von Zielgruppen konnten auch menschenfeindliche Gruppen angesprochen oder Minderheiten ausgeschlossen werden. Beispielsweise konnten rassistische Vermieter:innen mithilfe der Zielgruppenauswahl bei Facebook sicherstellen, dass ihre Anzeigen Afroamerikaner:innen nicht erreichten. Eine grundlegende Reform des Werbesystems führte der Konzern bis heute nicht durch.

Meta schneidet jedes erdenkliche Online-Verhalten der Nutzer:innen mit. Dabei überschreitet der Konzern die Grenzen seiner Plattformen: Die Facebook-App leitete beispielsweise ohne Zustimmung der Nutzer:innen Adressbuchdaten von Handykontakten weiter. Seit Einführung der EU-Datenschutzgrundverordnung müssen Plattformen Nutzer:innen über die Datensammlung und -nutzung informieren und Nutzer:innen müssen ihr Einverständnis geben. Die generelle Zustimmung in die Datenweitergabe bei Eröffnung eines Facebook-Kontos genügt diesen Anforderungen nicht.

Mit einem Datenprofil verdient Facebook pro Nutzer:in und pro Monat im Durchschnitt fünf Euro. Einige dieser wertvollen Informationen verkaufte Facebook an Konzerne wie Amazon oder Huawei. Außerdem zeigen regelmäßige Datenlecks: Facebook kümmert sich kaum um die Privatsphäre und Sicherheit seiner Nutzer:innen. Daten sind das Gold des digitalen Zeitalters und im Wettlauf um den nächsten großen Datenfund sind anscheinend fast alle Mittel recht.

Meta schadet der Demokratie

Intakte demokratische Prozesse sind die Grundlage aller Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft. Meta verfügt über erheblichen direkten und indirekten politischen Einfluss. So gewährte Facebook dem Manipulationsunternehmen Cambridge Analytica Zugang zu präzisen persönlichen und psychologischen Informationen zu über 87 Millionen Nutzer:innen, ohne deren Zustimmung einzuholen. Mit diesen Daten gelang es, die Wahlkampagne Donald Trumps in bisher ungekannter Weise auf einzelne Wähler:innen zuzuschneiden. Die Weitergabe von Daten beeinflusste direkt die politische Auseinandersetzung.

Darüber hinaus verstärkt der manipulative Newsfeed die Kommunikation in sogenannten Echokammern. Nutzer:innen tauschen sich hier fast nur noch mit Gleichgesinnten aus. Die drohenden Folgen: Menschen hinterfragen ihre Meinung nicht, tauschen keine starken Argumente aus und verlernen, demokratisch zu diskutieren.

Eine weitere Gefahr für die Demokratie ist Metas neue Rolle als Nachrichtenquelle. In einer Studie des Reuters Institute for the Study of Journalism gaben 2020 36 Prozent der Befragten an, dass Facebook ihr bevorzugtes soziales Medium für Nachrichten ist. Das Wachstum der Apps Instagram und WhatsApp stärkt Metas Machtposition. Verantwortung für die über die Plattformen ausgespielten Inhalte übernimmt das Unternehmen fast nicht: Zwar gibt es Prüfteams. Diese arbeiten aber unter extremem Zeitdruck und können die Masse an Falschinformationen nicht wirksam stoppen.

Der Newsfeed-Algorithmus verbreitet emotionale und polarisierende Falschinformationen bis zu siebzigmal schneller als richtige Nachrichten. Die dadurch erzeugten Interaktionen erhöhen die Werbeeinnahmen. Für Germanwatch ist somit auch die Verbreitung von Falschinformationen systembedingt und kein unbeabsichtigter Nebeneffekt.

Das Unternehmen Meta weiß um den problematischen Einfluss seiner Plattformen auf demokratische Prozesse. Aussagen zu internen Prozessen von Whistleblower:innen wie Sophie Zhang zeigten allerdings, dass der Konzern keine Verantwortung für das Gemeinwohl übernimmt. Maßnahmen gegen Desinformationskampagnen politischer und staatlicher Akteur:innen werden beispielweise nur ergriffen, wenn der öffentliche Druck sich negativ auf das Geschäft auswirkt.

Ein eindrückliches Beispiel der Desinformation ist der Informationskrieg des Kremls gegen liberale Demokratien. Der Kreml griff für seine Propaganda auf die volle Bandbreite der Werkzeuge Facebooks zurück: Fake-Profile streuten Falschinformationen in Gruppen. Kremlnahe Medien spielten ihre Botschaften an besonders empfängliche Zielgruppen aus. Der Newsfeed-Algorithmus förderte die Verteilung von „interaktionssteigernden“ Falschnachrichten.

Hier ergriff der Konzern sehr lange keine Gegenmaßnahmen. Erst mit der Invasion Russlands in der Ukraine und den damit verbundenen russischen Kriegsverbrechen wurde der Konzern tätig – ohne jedoch Konsequenzen für das eigene Geschäftsmodell zu ziehen.

Die EU muss jetzt handeln

Die Europäische Union sollte die Macht des Digitalkonzerns Meta begrenzen. Vielversprechende Ansätze, die jedoch nicht weit genug gehen, finden sich im Digital Markets Act (DMA) und im Digital Services Act (DSA). Die Vorhaben sollen Online-Plattformen zu mehr Datenschutz, Transparenz und Verantwortung für ihre Rolle in der Demokratie verpflichten. Angesichts des Informationskriegs gegen liberale Demokratien auf den Plattformen gilt es keine Zeit zu verlieren. Germanwatch fordert eine schärfere Regulierung von Meta: Gemeinwohlinteressen dürfen für den Konzern kein bloßes Feigenblatt sein!

Autor:innen

Hendrik Zimmermann, Fabian Liss

AutorInnen

Echter Name

Referent für Digitalisierung, Demokratie und Nachhaltigkeit
+49 (0)30 / 57 71 328-72