Das Briefing argumentiert, dass die internationale Klimagovernance in eine neue Phase eingetreten ist, in der die zentrale Herausforderung nicht länger in der Aushandlung von Regeln besteht, sondern in deren wirksamer Umsetzung, der Steigerung der Ambition sowie der Sicherstellung von Transparenz und Rechenschaftspflicht. Obwohl das Pariser Abkommen einen umfassenden und weithin akzeptierten Rahmen geschaffen hat, bleiben die Fortschritte aufgrund von Umsetzungslücken, Interessen der fossilen Lobby, geopolitischen Rivalitäten, strukturellen Ungleichheiten und unzureichender Klimafinanzierung deutlich zu langsam.
Wir schlagen ein zweistufiges Modell des Klimamultilateralismus vor, das die universellen Funktionen der UNFCCC in den Bereichen Regelsetzung, Rechenschaftspflicht und Legitimität mit einer flexibleren Umsetzungsebene verbindet, die auf Vorreiterallianzen, bilateralen Partnerschaften und sektorspezifischer Zusammenarbeit basiert. In diesem Modell entwickeln sich zukünftige COPs von stark verhandlungsorientierten Konferenzen zu Räumen für Umsetzung, Ambitionssteigerung, Rechenschaftspflicht und die Mobilisierung von Finanzmitteln, die die Verwirklichung der vereinbarten Klimaziele beschleunigen.
Deutschland und die Europäische Union sollten diesen Wandel aktiv vorantreiben sollten, indem sie ihre Klimadiplomatie auf Ambitionssteigerung und Umsetzung ausrichten, ambitionierte Koalitionen unterstützen, Klimapartnerschaften stärken, pragmatische Reformen der UNFCCC voranbringen und durch eine beschleunigte Dekarbonisierung im eigenen Land mit gutem Beispiel vorangehen.
Germanwatch / Karin Roth